«Paradoxe Weihnachten» - Was reizt Sie besonders an diesem Kunstprojekt?

Daran reizt mich, dass ich an meinen eigenen religiösen Wurzeln kratzen darf. Ich bin katholisch getauft, aber für mich sind alle Weltreligionen nicht mehr zeitgemäss. Ich reflektiere gerne über religiöse Selbständigkeit.

Was bedeutet für Sie persönlich Weihnachten?

Weihnachten, also die geweihten Nächte der Wintersonnenwende, bedeutet für mich ein universelles Familienfest mit üppigem Festmahl. Wir feiern die Wiedergeburt der Sonne, die uns damit das Weiterleben ermöglicht, denn so können wir wieder auf eine Ernte im nächsten Jahr hoffen.

Sie werden den keltischen Wurzeln des Wortes Noel auf den Grund gehen. Wie sind Sie darauf gekommen?

Weihnachten ist ursprünglich nicht christlich, sondern wurzelt in uralten archaischen Ritualen und ist ein Fest, welches überall und auch von den Kelten gefeiert wurde. Das französische Noël kommt von «Noio Hel», was in der Sprache der keltischen Gallier «Neue Sonne» bedeutet. Ich bin in Frankreich geboren und dort sind die Gallier noch sehr präsent im kollektiven Bewusstsein, vor allem, seit Asterix und Obelix in das französische Kulturgut eingezogen sind. Die Fresserei an Weihnachten ist auch sehr keltisch geprägt, denn so eine Völlerei ist ja eigentlich nicht sehr christlich. Weihnachten ist deshalb ein universelles Fest, weil die Sonne für alle scheint!

Worin bestanden die Herausforderungen bei der Umsetzung?

Ich möchte diese weihnächtliche Festmahl-Kultur in allen Schichten der Gesellschaft darstellen. Ich zeige ein Festbuffet für einen König, bei einem Bürger und einem Bauern. Da in einem Zimmer die Umsetzung reell nicht möglich ist, werde ich an der Wand zwei grosse Leinwand-Fotos anbringen, welche gestrickte Buffets beim König und beim Bürger zeigen. Ich stelle eine «Sonnen»-Wiege auf, die mit Viktualien für die bäuerliche Festmahlzeit gefüllt ist. Das gestrickte Bauernbuffet selber werde ich in der Galerie Kunstsichtbar, Zentralstrasse 134, 5 Gehminuten vom Hotel entfernt, ausstellen.

Wie aufwendig gestalteten sich die Kunstwerke für das Projekt?

Da ich schon viele Lebensmittel gestrickt habe und für die Buffets bereits zwei wunderbare Fotos von Daniel Ammann (Herisau) und John Wilhelm (Winterthur) habe, hielten sich die Vorarbeiten in Grenzen. Ich musste die Fotos auf Leinwände wie alte holländische Malereien drucken lassen und für die Viktualien die alte Wiege aus dem 19. Jahrhundert restaurieren und die symbolische Sonne anbringen.

Ab dem 25. November ist das Pop-up Hotel geöffnet. Was dürfen die Besucher von Ihnen und Ihrer Kunst erwarten?

Zwei wunderbare grosse Bilder an den Wänden und eine grosse Wiege gefüllt mit Würsten, Schinken, Schweinekopf, Rettich, Mandarinen…. Alles gestrickt! Für die Hotelgäste, welche im Zimmer übernachten, wird es noch ein kleines Geschenk von mir geben.