Es gehe ihm «den Umständen entsprechend», sagte der 23-Jährige am Donnertagnachmittag im Saal des Kreisgerichts Wil in Flawil. Er fühle sich als «fehlerhafter, unnützer Mensch», gab er zu Protokoll. Die Vorkommnisse des 1. März schienen tiefe Spuren hinterlassen zu haben. An jenem Abend war er mit seiner damaligen Freundin in einer Wiler Altstadtwohnung, trank rund zwei Liter Bier und konsumierte Cannabis. Als eine Diskussion über Untreue aufkam, brannten ihm die Sicherungen durch. Er riss die Frau an den Haaren und zog sie dem Boden nach ins Schlafzimmer. Dort drückte er sie auf die Matratze, setzte sich auf sie und begann sie zu würgen. Dem Opfer wurde schwarz vor Augen und es erlebte alles «wie durch eine Wolke».

Zwar gab der 23-jährige der Frau kurz Luft, drückte dann aber mit dem Ellbogen auf ihre Kehle. Das Opfer bekam in der Folge immer genug Luft und durfte sich zwischenzeitlich erholen. Doch dann wurde es erneut aufs Bett gedrückt und mal mehr mal weniger gewürgt. Erst als die Polizei eintraf, waren die schlimmen Momente überstanden.

Mit einer Persönlichkeitsstörung
Vor Gericht waren sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung einig. Wohl auch, weil sich der 23-Jährige kooperativ zeigte und geständig war. Interessanterweise forderte selbst die Verteidigung eine unbedingte Strafe. Dies hatte rein juristische Gründe. Denn eine unbedingte Strafe ist Voraussetzung, dass sie zugunsten einer ambulanten Massnahme aufgeschoben werden kann. Und genau das forderten Anklage und Verteidigung. Denn der Mann litt zum Tatzeitpunkt an einer Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ. Noch heute geht er wöchentlich in die Therapie und nimmt täglich Medikamente.

Wenig überraschend folgte der Richter den deckungsgleichen Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Mann wurde zu 18 Monaten unbedingt verurteilt. Die Strafe wird in eine ambulante Massnahme umgewandelt. Zudem muss er die Verfahrenskosten tragen. «Würgen ist schrecklich für das Opfer und gefährlich. Das Verschulden ist bedeutend. Jedoch wollten Sie Ihre Freundin nie umbringen», sagte der Richter in der Urteilsbegründung.

Kontakt abgebrochen
Mit seiner damaligen Freundin hat der 23-Jährige keinen Kontakt mehr. Die Wohnung in der Wiler Altstadt ist gekündet. Er hat die Möglichkeit bekommen, seine Schreinerlehre fortzusetzen, was er seit diesem Sommer auch tut. «Es ist etwas Schreckliches passiert, aber die Zukunft liegt in Ihrer Hand. Sie sind wichtig und müssen gut mit sich selber umgehen. Packen sie es», sagte der Richter abschliessend.