Die Bauherrin Mettler2Invest AG aus St.Gallen hat gestern eine Mitteilung bezüglich des Bauprojekts auf der Unteren Bahnhofstrasse verschickt. In ihr heisst es: In enger Zusammenarbeit mit der Stadt Wil wurde ein Studienauftrag durchgeführt. Ziel des Studienauftrags war es, neben einem Bauprojekt auch eine Lösung für zirka 400 Veloabstellplätze für die Stadt Wil als Ersatz für die bestehende Anlage auf dem Areal zu schaffen.

Aus dem Studienauftrag ging einstimmig das Projekt Impetus von Staufer & Hasler Architekten AG siegreich hervorging.

Bis Ende 2013 wurde unter Mitwirkung der Stadt Wil und dem Architektenkollegium das Vorprojekt entwickelt, das die Grundlage für den Gestaltungsplan bildet. Nach der Ausarbeitung des Gestaltungsplans und der begleitenden Berichte und der Vorprüfung durch die kantonalen Behörden erfolgte Ende 2014 die Eingabe des Gestaltungsplans an die Stadt.

Am 9. Februar 2015 hat der Stadtrat Wil den Gestaltungsplan erlassen. Einsprachen und die Umplanung zur 2000-Watt-Liegenschaft verzögerten die Bauplanung. Zudem wurde die unterirdische Veloparkierung auf zirka 600 Abstellplätze erweitert.

Ende März 2021 wurde die Änderungseingabe des Gestaltungsplans dem Hochbauamt und dem AREG des Kantons St. Gallen zur Prüfung und Genehmigung eingereicht.

Seit Herbst 2020 wird das Bauprojekt ausgearbeitet. Dazu gehören auch umfangreiche Abklärungen mit der SBB bezüglich der Perronanbindung, sicherheitstechnische Aspekte während der Bauzeit und Koordination der Bauarbei-ten mit den Bauarbeiten der SBB am Bahnhof Wil.

Mit der Baubewilligung wird im Oktober 2021 gerechnet.

Neubau einer 2000-Watt-Zertifizierten Wohn- und Geschäftsüberbauung mit Detailhandel und Gewerbenutzung im EG und Dienstleistungs- und Büroflächen im 1. OG sowie Wohnnutzung in den weiteren Obergeschossen; 2 Untergeschosse mit Tiefgarage, Velostation der Stadt Wil, Veloeinstellhalle für Gewerbe und Wohnungen sowie Nebenräu-men (Technik, Lager, Keller).

Städtebauliche Zielsetzungen

Die Stadt Wil gewinnt als Knotenpunkt und Regionalzentrum der Ostschweiz sowie der städtischen Ballungszentren im Westen immer stärker an Bedeutung. In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ergibt sich nun die Möglichkeit, eine innenstädtische Verdichtung vorzunehmen und das Stadtzentrum mit Mischnutzungen sowie einem neuen, urbanen Wohnen zu beleben.

Wil ist seit der Industrialisierung durch ein wechselndes Zusammenwirken von prägnanten Gross- und feinkörnigen Kleinstrukturen geprägt. Die neue Bebauung am Bahnhof soll dieser Charakteristik als «urbanes Passstück» Rechnung tragen und unterschiedliche Raum- und Volumenmassstäbe zusammenführen. Die Erlangung einer maximalen städtebaulichen Verträglichkeit der neuen Bebauung in ihrer Verschränkung mit der wertvollen Ortsbildschutzzone und dem umliegenden Stadtkörper ist das zentrale Anliegen des Projektvorschlages.

Das Bahnhofareal zählt zu den attraktiven Entwicklungsgebieten von Wil. Die Erschliessung mit öV und mit individuellem Verkehr ist optimal. Einkaufen, Freizeit, Kultur und Schulen sind bestens vertreten.

Aufgrund der Marktlage wird ein Maximum an Wohnflächen realisiert. Gewerbeflächen sind im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss vorgesehen.

Projektkurzbeschrieb

Im Westen formt ein prägnanter Kopfbau mit dem davorliegenden neuen Stadtplatz den Auftakt in die arkadenge-säumte Untere Bahnhofstrasse: Zusammen mit dem Bahnhof und dem bestehenden höheren Haus am Bahnhofplatz formt er ein belebtes Tor zur Aktivierung des Südquartiers.

Gegenüber dem weiten Geleisefeld soll der Neubau ein kraftvolles Bild für ein urbanes Wil anbieten. Den Wohnungen in den Obergeschossen offeriert das Geleisefeld einen attraktiven Fernblick auf Churfirsten und Alpstein. Stadtseitig säumen rhythmische Kopfbauten die gefasste Untere Bahnhofstrasse und binden so das historische Haus Steinbock (oder den massstäblich eingepassten Ersatzbau) in den Gesamtkontext ein.

Ökologie

Die Umsetzung des Projektes ist im Minergie-Standard vorgesehen. Kontrollierte Wohnungslüftung ist zentral oder dezentral vorgesehen. Die Planung, Realisierung und der Betrieb des Neubauprojekts erfolgt 2000-Watt konform.

Ein wichtiger Aspekt des 2000-Watt-Konzepts ist die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen von Bauteilen und im Betrieb. Die Liegenschaft wird nach Erstellung 2000-Watt zertifiziert und dauerhaft betrieben.

Die wichtigsten Massnahmen zur Erreichung der 2000-Watt-Konformität sind:

  • Reduktion von UG-Volumen
  • Vermeidung von Treibhausgasintensiven Baumaterialien, Optimierung der Bauteile
  • PV-Anlage
  • Warmwasser-Solarkollektoren
  • Heizenergie- und Kühlenergieerzeugung mittels Erdsonden-Wärmepumpe
  • Bezug von zertifiziertem Strom durch Betreiber und Mieter
  • Straffes Mobilitätskonzept


Erschliessung und Verkehr, Mobilität

Die Veloquerung ist das neue Bindeglied zwischen der SBB-Unterführung und der Velostation. Sie verknüpft die drei Hauptbeziehungen Zentrum, Wil Süd und Churfirstenstrasse an zentraler Lage. Eine neue, gedeckte Rampe bietet Platz für die parallele Vertikalerschliessung von Fussgängern und Radfahrern. In der SBB-Unterführung ist der Fuss- und Veloverkehr durchgehend voneinander getrennt. Die neue Velostation der Stadt Wil im 1. Untergeschoss bietet Platz für zirka 600 öffentliche Abstellplätze. Sie ist als zusammenhängende Anlage im Untergeschoss konzipiert und bietet einen direkten Zugang zu den Perrons.

Die Tiefgarage bietet Platz für 78 Abstellplätze und Motorparkfelder. Sie ist über zwei versetzte Ebenen organisiert und mit Halbrampen erschlossen. 21 Mofaparkfelder sind in der Velostation integriert. Für die oberirdische Anliefe-rung ist eine Anlieferungsfläche an der Unteren Bahnhofstrasse vorgesehen.

Das Mobilitätskonzept umfasst Massnahmen zur Förderung der Nutzung von öffentlichem Verkehr und langsamen Individualverkehr:

  • Information der Mieter und Nutzer über Website-, resp. Überbauungsapp, Newsletter, Sensibilisierung für nach-haltiges Nutzerverhalten, Carsharing, Velokurierservice und Hauslieferdienst
  • Infopoint im Eingangsbereich mit Anzeige der öV-Verbindungen, aktuelle Mitteilungen, etc.
  • Ladestationen für Elektroautos und Elektrovelos.
  • Carsharing Angebot mit drei Fahrzeugen
  • Velowerkstatt
  • Verleih von Elektro- und Lastenvelos
  • Parkplatzmanagement: nur Vermietung an Mieter und deren Mitarbeiter

Nutzungsflexibilität und Wohnqualität

Die städtebauliche Figur soll nicht nur differenzierte Stadträume ausbilden; sie bietet auch im Innern - je nach Lage und Orientierung - qualitätsvolle und unterschiedliche Wohntypen an. Während sich ihre gleis- und südorientierten Wohnungen mit grossen Loggien zwischen dem Fernblick und den wohnlichen Höfen aufspannen, sind die Grundrisse der Risalite durch ihre mehrseitigen Ausblicke und durch grosszügige Raumfolgen charakterisiert. Im Kopfbau am Bahnhofplatz werden zwei sehr unterschiedliche Wohntypologien an einem Erschliessungsstrang angehängt.

Durch die Ausbildung von «Köpfen» entlang der Unteren Bahnhofstrasse entsteht eine starke Adressbildung; sie wird durch die Lage der doppelten Treppenhäuser, welche Wohnungen und Büronutzungen im 1. OG über separate Eingangshallen erschliessen, zusätzlich verstärkt. Das Erdgeschoss ist als offenes und flexibles System konzipiert: Es soll unterschiedlichste Gewerbe- und Gastronomienutzungen sowie diversifizierte Mieterteilungen zu seiner maximalen Belebung aufnehmen können.

Mit dem Neubau erhält Wil an prominenter Stelle ein Leuchtturmprojekt, das nachhaltig und zukunftsorientiert zur Belebung und Entwicklung des Quartiers beiträgt.