Sie sirren und saugen wieder: die Stechmücken. Mit dem Sommerwetter schlüpfen die Plagegeister und fliegen aus Teichen und Tümpeln los. Sobald es eindunkelt, steuern sie auf uns zu, um Blut abzuzapfen; dieses benötigen die Weibchen für die Eierproduktion. Dank feinen Sinnen für Kohlendioxid, das wir ausatmen, für Duftstoffe im Schweiss und mittels Infrarot finden sie uns problemlos auch im Dunkeln. Am Morgen juckt dann der Stich als roter, geschwollener Fleck auf der Haut.

Hilfe, eine Allergie?

«Nein, auf Mücken ist eine Allergie ausgesprochen selten», erklärt Prof. Dr. med. Peter Schmid-Grendelmeier, wissenschaftlicher Beirat von aha! Allergiezentrum Schweiz und Leiter der Allergiestation der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich. Normalerweise zeigt sich bei der Einstichstelle eine rund ein Zentimeter grosse Quaddel als lokale Abwehrreaktion auf den Speichel der Mücke, der während des Stichs das Gewebe betäubt und die Blutgerinnung hemmt. «Auch werden so genannte Mastzellen aktiviert, die den Botenstoff Histamin freisetzen – was den lästigen Juckreiz und die Entzündung auslöst», so der Allergologe. Es können sich aber auch ausgedehntere Schwellungen entwickeln. Das Ausmass dieser Hautreaktionen hängt von der Anzahl der Stiche, der stechenden Mückenart sowie von der gestochenen Person ab. Ganz anders bei der Bienen- oder Wespengiftallergie: Stiche dieser Insekten können heikle Reaktionen am ganzen Körper hervorrufen – Nesselfieber, Schwellungen, Übelkeit sowie Atemnot bis hin zum Bewusstseinsverlust. Im schlimmsten Fall droht ein lebensgefährlicher allergischer Schock (Anaphylaxie). «Solche schweren Allergien treten glücklicherweise bei Mückenstichen kaum je auf», so Schmid-Grendelmeier.

Hat eine Mücke zugestochen – was tun?

«Am besten ignorieren», sagt Roxane Guillod, stellvertretende Leiterin Fachdienstleistungen bei aha! Allergiezentrum Schweiz. Damit keine Bakterien in den Stich eindringen, sollte man das Kratzen lassen. Wenn der Juckreiz kaum auszuhalten ist: auf die juckende Stelle klatschen. Auch Kühlen kann helfen sowie das Auftragen von juckreizstillenden Cremen. Bei grösseren Entzündungen werden von der Ärztin, vom Arzt kortisonhaltige Salben abgegeben, allenfalls wird kurzzeitig ein Antihistaminikum eingenommen.

Am besten lässt man sich gar nicht erst stechen: Daher sollte man draussen helle, lange, nicht enganliegende Kleidung tragen. Auch Mückenschutzmittel halten die Blutsauger fern. «Menschen mit empfindlicher Haut sollten bei der Auswahl der Produkte sorgfältig sein wegen Kontaktallergien», rät Guillod, und ergänzt, die Sprays besser auf die Kleider aufzutragen als auf die Haut. Fliegengitter sperren Mücken aus dem Haus und ein Moskitonetz weg vom Bett. Will man Mücken keine Brutstätten bieten, lässt man keine mit Wasser gefüllten Gefässe – Pflanztöpfe, Regenwassertonnen, Badebecken – auf Balkon, Terrasse oder im Garten stehen.

Mehr Allergien auf Tigermücken?

In der Schweiz sind 35 einheimische Stechmückenarten unterwegs – und drei gebietsfremde. Eine davon steht aus medizinischer Sicht im Fokus: die Asiatische Tigermücke. Sie kann Krankheitserreger wie das Dengue- oder das Zika-Virus übertragen. Gemäss dem Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut wurden aber in der Schweiz noch keine Fälle dokumentiert. Aber die Tigermücke verbreitet sich hierzulande immer stärker und wird darum bekämpft (Meldestellen siehe unten). In Bezug auf Allergien unterscheidet sie sich nicht von den hiesigen Stechmücken – die Stiche sind in den meisten Fällen nur lästig und jucken.