Kurt Marti leitete seit 1987 das Seniorenzentrum Uzwil und hat in dieser Zeit einiges erreicht. Wie gross sind die Fussstapfen für Sie, in welche Sie treten?

Seine Fussstapfen sind so gross, dass es vermessen wäre, diese als Aussenstehende genauer zu beschreiben. Ich bin vorwärts orientiert und möchte den Weg mit meinem neuen Team gestalten.

Die vergangenen zwei Jahre waren insbesondere für die ältere Generation nicht einfach. Im April 2021 war gar von einer Kündigungswelle im Seniorenzentrum die Rede, welche jedoch als Anpassungen an die Corona-Situation gerechtfertigt wurden. Jetzt ist eine gewisse Normalität zurückgekehrt. Sind Sie froh, dass Sie die Nachfolge erst zu diesem Zeitpunkt antreten?

Seit über zehn Jahren leite ich ein Pflegeheim mit 108 Betten plus Tages- und Nachtstrukturen, spezialisiert auf schwere Demenz. Letztes Jahr schlossen wir ein umfangreiches Bau- und Sanierungsprojekt ab. Leider kam es zu Kündigungen. Die Parallelen in den Herausforderungen beider Betriebe sind erstaunlich. Ein früherer Stellenantritt im Seniorenzentrum hätte meine Aufgaben fachlich inhaltlich nicht sehr verändert.

Bau und Corona absorbierten die vorhandenen Ressourcen. Deshalb beginnt nun – in der Normalität - die Erarbeitung der neuen Abläufe.

Nicht nur wegen Corona haben sich die Voraussetzungen und Anforderungen in den Seniorenzentren in den letzten Jahren sehr verändert. Ist es genau das, was Sie an Ihrer neuen Tätigkeit besonders reizt?

Diesen neuen Anforderungen hatte ich mich zehn Jahre gewidmet: Palliative Care, Demenz, Digitalisierung, Sicherheit, Qualitätsmanagement, Gesetzesänderungen, Optimierung der Arbeitsbedingungen. Die Neuerungen sind dort implementiert, haben sich bewährt. Der Betrieb ist für die Zukunft gerüstet.

Am Tag der offenen Tür hatte ich Begegnungen mit Mitarbeitenden. Ich war beeindruckt von Haltung, Teamgeist und Atmosphäre. Mich reizt, mein Wissen einzubringen, um die Menschen im Seniorenzentrum für die Zukunft zu stärken.

Sie haben viel Erfahrung im Gesundheitswesen. Worauf werden Sie künftig als Chefin ein besonderes Augenmerk legen?

Ich möchte meine Einflussmöglichkeiten dazu nutzen, Bewährtes zu pflegen und Rahmenbedingungen zu gestalten, die den Menschen im Seniorenzentrum ein gutes Gefühl von Geborgenheit ermöglichen. Dieses Gefühl ist subjektiv und von der eigenen Haltung abhängig. Zudem verläuft das Leben bekanntlich nicht gradlinig. Deshalb ist es ein steter gemeinsamer Prozess, auf den ich mein besonderes Augenmerk lege.

26 Personen haben sich für das Amt beworben. Weshalb haben Sie Ihrer Meinung nach die Zusage erhalten?

Diese Frage sollte an die Mitglieder der Wahlkommission gerichtet werden. Sie haben mir das Ergebnis aus Persönlichkeitsanalyse, Assessment und Gesprächen mitgeteilt: eine hohe Motivation, Umsetzungskraft und Lösungsorientierung, eine partizipative Führungshaltung und starke Kompetenz in Organisationsentwicklung. Zudem hätten die umfangreichen Weiterbildungen in mehreren Fachbereichen mit erfolgreicher Umsetzung in der Praxis überzeugt.

Sie übernehmen das neue Amt ab November. Wie wird die Übergabe mit Ihrem Vorgänger Kurt Marti ablaufen?

Kurt Marti hat seinen Rücktritt Ende Mai bekannt gegeben. Dazwischen liegen gut fünf Monate. Ich werde die Aufgabe gerne so übernehmen, wie sie sich im November präsentiert.