«Dieses Verkehrsmittel hält ausserordentlich in Wil SG». Dies Einblendung gibt es immer mal wieder zu sehen, wenn man die SBB-App konsultiert und eine Zugverbindung von oder nach Wil sucht. Plötzlich hält also ein so genannter «St. Galler Sprinter» in Wil, obwohl dessen Hauptmerkmal ist, dass er zwischen Winterthur und St. Gallen nicht hält. Was für die Reisenden in Wil eine überraschende Zusatzverbindung darstellt, kommt nie zufällig zustande. SBB-Sprecher Martin Meier erklärt: «Diese Halte sind Ausnahmen. Sie werden situativ entschieden, und zwar bei Störungen und Zugsausfällen. Angeordnet werden sie schweizweit.» Das komme aber «sehr selten» vor und werde nur umgesetzt, wenn es die Betriebslage zulasse.

Dabei fällt auf, dass der «Sprinter» in aller Regel «nur» in Wil anhält, nicht aber an den anderen Fernverkehrs-Bahnhöfen Uzwil, Flawil und Gossau. Die Erklärung ist einfach: «Jeder weitere Halt würde die schnellen Fernverkehrszüge, die zwischen Winterthur und St. Gallen grundsätzlich nicht halten, weiter verspäten und weitere Züge mit einer zusätzlichen Verspätung beeinflussen», sagt Meier. Dadurch wären die Anschlüsse am Knoten St. Gallen nicht mehr sichergestellt. In diese Entscheidung, «nur» in Wil zusätzlich zu halten, spielt auch hinein, dass der Bahnhof Wil von deutlich mehr Reisenden benutzt wird als Uzwil, Flawil und Gossau.

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So berichtete hallowil.ch am 4.10.:

Was wurde und wird geflucht über die SBB. Viele Wiler fühlen sich abgehängt und nicht ernst genommen. Positiv formuliert hat Wil in den vergangenen Jahren kaum von den Angebots-Verbesserungen in der Ostschweiz profitiert. Dafür gibt es für die Reisenden von Bazenheid nach St. Gallen nun 21 Minuten Aufenthalt in der Äbtestadt. Immerhin hat es seit neuestem auf Gleis 1 diverse Sitzgelegenheiten in Form von Bänkli. Und dann noch diese Sache mit den vorbeifahrenden Zügen, die Wil wegen einer Verspätung keines Haltes würdigen, obwohl dies gemäss Fahrplan so vorgesehen wäre. Diese Praxis wurde vom Bundesamt für Verkehr überprüft – und für passend befunden. Die grossräumige Fahrplanstabilität ist wichtiger als die Äbtestadt.

Gewiss: Es könnte besser laufen für den zerfallenen Knoten mit seinen knapp 20'000 Benützern pro Tag. Was aber im Rahmen der ganzen Schimpftirade auch mal gesagt gehört: Es gibt auch gegenteilige, positive Beispiele. Also Züge, die in Wil gemäss Fahrplan nicht anhalten müssten, es aber tun. So geschehen am Mittwochabend um 19.45 Uhr – und das gleich doppelt. Während auf Gleis 1 der «Sprinter» Richtung St. Gallen einen ausserordentlichen Halt einlegte, war gleichzeitig auf Gleis 2 auch der «Sprinter» Richtung Zürich-Bern-Westschweiz zum Einsteigen bereit, obwohl der Fahrplan dies nicht so vorsieht. Eine Stunde zuvor hatte schon der Eurocity Richtung München in Wil ausserordentlichen angehalten.

Endstation Uzwil

Dies ist kein Einzelfall. Unlängst war die Schwarzenbacher hallowil.ch-Leserreporterin Lisa Löhrer vom Rheintal kommend mit dem IR13 unterwegs Richtung Wil. In St. Margrethen dann die technische Störung. Wahrscheinlich mal wieder die Türen des neuen «Bombardier»-Doppelstöckers. Nach einem 20-minütigen Aufenthalt am Grenzbahnhof war dann schnell klar, dass der IR13 in Flawil, Uzwil und Wil nicht anhalten würde, um die grossräumige Fahrplanstabilität gewährleisten zu können. Später dann die Meldung, dass für diesen Zug Uzwil Endstation sein würde, da die Verspätung zu gross geworden war.

So weit, so schlecht. Doch das Gute an der Sache: Die Reisenden nach Wil wurden gebeten, in St. Gallen auf den «Sprinter» umzusteigen. Diesem wurde ein ausserordentlicher Halt in Wil gegönnt. «Ich finde es super, wie die SBB reagiert hat und dass sie vor allem auch die Stadt Wil mitberücksichtigt hat», sagt Lisa Löhrer. Wie wahr.