Die Teilnehmer des Jungunternehmerforums konnten sich am Nachmittag in zwei von vier angebotenen Workshops zu konkreten Problemstellungen kundig machen. Im Anschluss wurden sie in einer gemeinsamen Veranstaltung über digitale Strategien wie das Crowdfunding informiert. Im Mittelpunkt einer Podiumsrunde stand die junge Unternehmerin Karin Bischoff, welche über die Erfahrungen mit ihrer Bekleidungs-Manufaktur berichtete.Monika Scherrer, Präsidentin des Trägervereins der Jungunternehmerzentren und Gemeindepräsidentin von Degersheim, wünschte den versammelten Jungunternehmen so viel Einsatzfreude, wie sie sie kürzlich bei einem Jungunternehmer in ihrer Gemeinde erfahren habe. Wie dieser sollten sie ihr Unternehmen mit Elan vorantreiben, aber auch in der Öffentlichkeit Akzente setzen.

Mehr Eigenverantwortlichkeit
Der gute Ruf, den die Schweiz besitze, basiere auf dem dualen Bildungssystem, auf starken KMU und soliden, verlässlichen Rahmenbedingungen. Dass der gute Ruf noch in allen Bereichen berechtigt sei, bezweifelte die Präsidentin. Bei den Start-ups rangiere die Schweiz in den hinteren Rängen und auch die Zahl der Neuansiedlungen sei rückläufig. Die Übernahme von Eigenverantwortung sei mancherorts von einer Anspruchshaltung an den Staat abgelöst worden.

Auf Werte zurückbesinnen
Wirtschaft und Politik drifteten auseinander. Grosskonzerne stünden medial oft in einem schlechten Licht, KMU würden zu wenig wahrgenommen. Für Verunsicherung sorgten auch die zunehmende Digitalisierung und unser Verhältnis zu Europa. In dieser Situation müssten wir uns auf Werte zurückbesinnen und die Kräfte bündeln.

Der Wiler Stadtrat Daniel Meili lobte die Versammelten für ihr Unternehmertum, die Produktion von Gütern und das Erbringen von Dienstleistungen. Aber auch er erinnerte sie an die Verpflichtung zur Übernahme von Verantwortung.

Crowdfunding zur Geldbeschaffung
Ohne die nötigen Mittel lässt sich kein Unternehmen gründen. Eine moderne Methode zur Geldbeschaffung ist das Crowdfunding. Der Weg zur Bank oder der Bittgang zu einem begüterten Verwandten wird dabei sozusagen in den digitalen Bereich verlegt – und gestaltet sich grundverschieden, aber aufwändig und anspruchsvoll.

Vier mögliche Formen
Sebastian Früh, ein Fachmann für digitale Strategien, zeigte die verschiedenen Ausprägungen des Crowdfundings und deren Chancen und Risiken auf. Bei dieser Methode wird grundsätzlich die Allgemeinheit statt ein Einzelner über das Internet um finanzielle Unterstützung angesprochen.

Es gibt vier Arten von Crowdfunding. Beim Crowdinvesting wird eine monetäre Gegenleistung in Aussicht gestellt (Firmenanteile, Gewinnbeteiligung). Beim Crowdlending erfolgt die monetäre Gegenleistung in Form von Zinszahlungen. Die häufigste Form ist das Reward-based Crowdfunding. Dabei gibt es keine monetären Gegenleistungen, sondern Produkte oder Dienstleistungen. Beim Crowdonating schliesslich handelt es sich um Spenden.

Zündende Idee gut präsentieren
Einfach ist es nicht, sich auf diese Weise Geld zu beschaffen. Eine Voraussetzung ist, digital gut vernetzt zu sein. Entscheidend ist es, eine gute Idee (Produkt oder Dienstleitung) zu haben und sie überzeugend darzustellen und mit Nachdruck zu vertreten. Als wirkungsvolles Mittel bezeichnete Sebastien Früh den Einsatz eines Videos. Dieses müsse nicht bloss ansprechend, sondern packend und dürfe nicht länger als 90 Sekunden sein.

Für das Crowdfunding müsse ein minimaler Betrag festgelegt werden, den es in einer bestimmten Frist zu erreichen gelte. Wenn das Ziel nicht erreicht wird, werden die einbezahlten Beträge zurückerstattet.

Mehr als «Geldsammeln»
Reward-based Crowdfunding sei mehr als «Geldsammeln», sagte Sebastian Früh. Er bezeichnete es als die Champions League im Online-Geschäft. Um erfolgreich zu sein, müsse eine Kampagne strategisch aufgesetzt und auf das Geschäftsmodell des KMU abgestimmt sein. Die Kampagne dürfe nicht den Eindruck erwecken, das Unternehmen habe das Geld nötig oder bettle gar darum. Eine schlecht entwickelte Kampagne schade dem Unternehmen mehr als sie ihm nütze.

Ohne Vorkenntnisse im Online-Geschäft, aber auch ohne professionelle Unterstützung lassen Unternehmen nach Ansicht des Referenten besser die Finger vom Crowdfunding.

Persönliche Kontaktpflege
Karin Bischoff hat den Weg in die Selbständigkeit vor gut zehn Jahren gewagt. Sie führt in St. Gallen ein Unternehmen mit dem Namen «Die Manufaktur GmbH». Hier dreht sich alles um Design, Schnitt und Bekleidung. Die Schneiderei habe sie mit relativ wenig Infrastruktur eröffnen können. Der schrittweise Ausbau sei ohne fremdes Geld – allerdings mit Erbvorbezug – möglich gewesen.

Unerlässlich für den Erfolg sei eine gute Vernetzung und eine attraktiv gestaltete Homepage. Persönlich hat sich Karin Bischoff in Vereinen engagiert. Ihr Ratschlag an die Jungunternehmer: «Schreiben Sie Ihren Kunden zu speziellen Anlässen doch mal einen handgeschriebenen Brief oder eine Karte!»