Zum jährlichen Unternehmeranlass der Gemeinde Oberuzwil sprach am Montag im Saal des Oberstufenzentrums Schützengarten der St. Galler Wirtschaftsminister Bruno Damann. In seinem Referat zum Thema „Politik und Wirtschaft“ gab Damann einen Konjunkturüberblick mit Hinweisen auf 2018. „Industrie 4.0“, die vierte Industrie-Revolution, werde gerade im Beschäftigungsbereich grosse Einschnitte ergeben mit Arbeitsplatzverlusten, teilweisen Ausgleich dürfe man von neuen Arbeitsplätzen erwarten.Der Oberuzwiler Unternehmeranlass lockte einmal mehr eine grosse Zahl Unternehmer und Politiker an. Mit Regierungsrat Bruno Damann, dem St. Galler Wirtschaftsminister, konnte Gemeinderat Thomas Müller einen kompetenten Referenten zum gewählten Thema „Politik und Wirtschaft“ vorstellen. Thomas Müller gab sich mit gutem Grund überaus locker an seiner Begrüssung, da es für den scheidenden Gemeinderat die letzte Vorstellung war an einem Unternehmeranlass.

Regierungsrat Bruno Damann, selber Medizinmann und im Sportbereich vielfach aktiv, gab sich erfreut über die Einladung. Es seien genau solche Anlässe, welch ihm den Kontakt mit der Basis sicherstellten.

Die Ostschweiz, eine verwurzelte Industrie-Region
Zum Verlauf der Konjunktur zeigte Damann an Hand einer Grafik auf, wie der Frankenschock im Januar 2015 die Konjunktur in der Ostschweiz stärker einbrechen liess als im Schweizer Durchschnitt. Wichtigere Erkenntnis sei hingegen, dass sich die Ostschweiz schneller erholt hatte als im Landesdurchschnitt und heute im Vergleich besser dastehe.

Nach Bruno Damannn gilt die Ostschweiz als verwurzelte Industrie-Region. Dies bestätige sich auch darin, dass die Ostschweiz nur gerade 6 Monate gebraucht habe für den Wiederaufschwung. Bei den Warenexportumsätzen liege der Kanton St. Gallen im Vergleich zum Schweizer-Durchschnitt tiefer (siehe Grafik). Dass der Wahlkreis Rheintal einen hohen Wert anzeige liege am Grossunternehmen „Redbull“. Der Wahlkreis Wil liege in etwa auf der Höhe des Schweizer Durchschnitts.

Stärken und Schwächen
Beim BIP (Bruttoinlandsprodukt) ergibt sich für 2017 im Schnitt ein Wachstum von 1,1%. Auf Grund der aktuell guten Ausgangslage werde für 2018 ein BiP von 1,9 vorausgesagt. Zur Arbeitslosenstatistik wies Damann auf die deutlich sinkenden Zahlen hin. Das werde auch Stellenabbau beim RAV (Regionale Arbeitslosenvermittlungsstellen) bewirken. Aktuell sei ein Einstellungsstop verordnet und Abgänge würden nicht ersetzt.

Zu den Stärken des Kantons wies Damann auf die hohe Arbeitsplatzdichte zur Einwohnerzahl hin. Vorteilhaft seien weiter die Branchenbreite und die Vielfalt an Unternehmungen, die Technologieintensität und der überdurchschnittliche Exportanteil. Nachteilig sei im Kanton die ungünstige geografische Verteilung der Wirtschaftsgebiete. Die Wertschöpfung zeige sich unterdurchschnittlich und der Fachkräftemangel wie auch die sektorielle Strukturschwäche machten zu schaffen.

Die Ostschweiz zeige sich im Gegensatz auch mit Weltformat-Firmen. Das im ärztlichen Bereich benötigte Eisen werde für den weltweiten Bedarf in der Ostschweiz hergestellt, Weltweite Anerkennung erreiche die Ostschweiz auch im Instrumentenbereich. Wenn der EMPA der Durchbruch beim künstlichen Herzmuskel gelinge, könne das durchaus zum Vorschlag für einen Nobelpreis reichen. Grundsätzlich dürfe sich die Ostschweiz erhobenen Hauptes bewegen.

Innovationspolitik
Derzeitige Herausforderungen sind nach Damann der Anschluss der Ostschweiz an das nationale Innovationsnetzwerk, die Interkantonale Zusammenarbeit, Projektfinanzierung Dritter und Transparenz der kantonalen und interkantonalen Förderangebote.

Dazu nannte Damann die Stärkung der regionalen Verankerung der EMPA am Standort St.Gallen. Dazu gehörten auch „RhySearch“, das Forschungs-und Innovationszentrum Rheintal und das regionale Innovationssystem (RIS Ost)

Roboter auf dem Vormarsch?
Nach Regierungsrat Damann zeigt die Studie Deloitte auf, dass die Hälfte der Arbeitsplätze in den nächsten 20 Jahren durch Automatisierung betroffen seien. Dabei treffe es Hochqualifizierte und wenig qualifizierte Arbeitsplätze gleichermassen. Betroffen seien vor allem Berufe mit repetitiven Tätigkeiten.

Die aufkommende Sorge bei der Bevölkerung dürfe nicht unterschätzt werden. Die Arbeitsplatzverluste ob der einsetzenden vierten Industrie-Revolution könnten durchaus mit neuen Angeboten ausgeglichen werden, allerdings mehr höher Qualifizierte. Jedenfalls dürfe auch mit einer Anhebung der Lebensqualität gerechnet werden, schloss Regierungsrat Bruno Damann seine Ausführungen.