«Im Wettbewerb um den nostalgischsten Werkhof hätte Uzwil gute Karten.» So diplomatisch drückt es ein Mitarbeiter des Bauamtes aus. Ja, vieles wirkt schon fast museal. Ein anderer meint, der Werkhof sei auch abenteuerlich. Leiter hoch, Treppe runter, und das Material immer schön auf der Schulter balancieren.

Wer den Werkhof im Büelhof aufsucht, dürfte überrascht sein. Der Unterhaltsdienst nutzt als Werkhof das Ökonomiegebäude eines alten Bauerhofes. Die Werkstatt ist im Kuhstall, die kleine Garderobe der neun Mitarbeitenden im ehemaligen Schweinestall. Der Heuboden ist Lagerraum, das Büro des Chefs ist auch hier. Oder besser gesagt das Büröli. Ebenfalls auf dem Areal steht eine Scheune, die als Fahrzeughalle dient. Sie stand einst bei der Sonnmatt, zügelte dann zum Werkhof. In ihrem Obergeschoss, abenteuerlich über eine «mehr Leiter als Treppe» erreichbar, werden Signalisationen und Abschrankungen gelagert. Kurzum: Der Uzwiler Werkhof ist völlig ungeeignet, die Arbeitsabläufe sind nicht optimal, die Gebäude mehr oder weniger abgelebt. Duschen gibts keine. Und auch sonst ist der Platz an jeder Ecke knapp.

«Unser Duft ist eine Zumutung»

Rolf Betschart, Leiter des Werkhofs, sagt: «Unser Werkhof ist inzwischen eingeschlossen von Wohnbauten. Auch wenn wir uns viel Mühe geben, ist der Lärm oder der Duft der Abfallmulden im Areal zuweilen für die Nachbarn eine Zumutung.» Erste Anläufe, die Situation zu verbessern, gab es vor bald 50 Jahren. In den 1980er-Jahren schliesslich lancierte die Gemeinde einen Projektwettbewerb. Er sollte zeigen, wie das ehemalige Gaswerkareal am Hummelweg optimal genutzt werden könnte. Und er sollte in einer ersten Etappe einen neuen Werkhof für die Technischen Betriebe bringen.

1986 stimmte die Bevölkerung diesem zu, dann wurde er gebaut. Im Projektwettbewerb wurde auch aufgezeigt, wohin die Zukunft für den Werkhof des Bauamtes gehen könnte, als «zeitlich nicht bestimmte zweite Etappe». Mit einem Werkhof ebenfalls im Areal am Hummelweg. Denn schliesslich arbeite das Bauamt ebenfalls unter ungünstigen Bedingungen. Jedenfalls: Der Platz dort wurde reserviert, die ursprüngliche Idee ist nach wie vor aktuell. Und so stehen dort beispielsweise die Salzsilos des Bauamtes. Quasi als Vorhut des Werkhofs.

Weichen gestellt

Rolf Betschart sagt: «Schon in meinem damaligen Vorstellungsgespräch in den 1990er Jahren sagte mir der damalige Gemeindepräsident, der neue Werkhof werde nächstens gebaut. Das ist nun mehr als 25 Jahre her.» Die finanzielle Schieflage der Gemeinde sei dazwischengekommen. Das Bauamt habe den Verzicht mitgetragen, sich irgendwie mit den schwierigen Verhältnissen organisiert.

Und nun ist der Werkhof wieder ein Thema. Der Gemeinderat hat im Finanzplan aufgezeigt, wies gehen könnte. 2022 Projektwettbewerb, 2023 Bauprojekt ausarbeiten, ab 2024 bauen, 2025 beziehen. Eingebettet in die Gesamtplanung. Sie sieht vor, vorher die Eishalle zu sanieren und nach dem Werkhof die Schulanlage Herrenhof zu erweitern. Die Weichen sind gestellt, die Finanzplanung zeigt auf, dass all diese grossen und wichtigen Vorhaben mit Anstrengungen finanzierbar sind. Die Mitarbeitenden des Bauamtes hoffen, dass das klappt. Und sie meinen, jetzt wären dann sie mal an der Reihe. Wer mags ihnen verübeln. (gk/red)