Unser Arbeitsalltag wurde in den vergangenen zwei Jahren durcheinandergewirbelt. Wie sieht Ihr Arbeitsplatz derzeit aus? Und wie würden Sie es sich wünschen?

Ja, tatsächlich waren wir alle plötzlich im Homeoffice. Viele haben gemerkt, dass das für die Arbeit auch sehr gut und teilweise noch besser funktioniert als im Büro. Deshalb sind wir gerade im Abschluss unserer eigenen Umbauarbeiten bei uns im Büro. Wir wollen noch mehr auf die veränderten Bedürfnisse eingehen. Gewisse Mitarbeiter werden wohl fast immer im Büro sein, andere 50/50 und weitere vielleicht auch nur einen Tag pro Woche. Wichtig dabei ist, dass die Mitarbeiter in jedem Team selber entscheiden, wann es einen Mehrwert bietet, gewisse Dinge im Büro gemeinsam zu tun. Es gibt also keine festen Regeln, sondern es wird flexibel und situationsbezogen agiert.

Mit Ihrer Arbeit begleiten Sie Unternehmen auf dem Weg, innovative Arbeitsräume der Zukunft zu gestalten. Wie sieht das genau aus?

Das Ziel ist nicht, innovativ zu sein, sondern mit dem Raum optimale Voraussetzungen zu schaffen, dass Menschen ihre Ziele diejenigen des Teams sowie des Unternehmens besser erreichen können. Es lohnt sich, zuerst einmal auf die heutigen wie auch auf die zukünftigen Jobprofile und die dazugehörigen Arbeiten zu schauen. Davon leitet man ab, welche Art von Raum hierzu optimal wäre. Wenn man dies für alle Mitarbeiter analysiert, hat man ein perfektes Anforderungsprofil für die Räumlichkeiten.

Wie werden wir denn in den nächsten fünf, sechs Jahren arbeiten? Was wäre ein realistisches Szenario?

Ja, in die Zukunft schauen, das möchten wir alle – aber auch ich habe da leider keine weise Glaskugel. Was wir sicherlich wissen: Die Welt verändert sich eher schneller, als uns lieb ist. Wir tun uns deshalb gut daran, nicht zu warten, bis wir uns verändern müssen, sondern akzeptieren, dass konstante kleine Veränderungen einfacher und erfolgreicher sind. Dies ist zeitgleich die beste Garantie, dass wir als Unternehmen längerfristig erfolgreich sein werden und somit auch unseren Mitarbeiter längerfristige Sicherheit geben können.

Es brauchte eine Pandemie dazu, beispielsweise, um das Homeoffice zu etablieren. Worin liegen die Herausforderungen, um neue Arbeitsformen zugänglich zu machen?

Die Herausforderung ist, dass auch Führungskräfte nur Menschen sind, die sich mit Veränderungen schwertun. Leider fehlt da oft die Selbstreflektion. Weil man sich selber schwer tut mit gewissen Themen, projiziert man dies auf alle Mitarbeiter und reguliert diese – obwohl diese gar keine «Hilfe» möchten und nötig haben.

Arbeiten, wann man möchte, Work/Life-Balance, aber auch Fachkräftemangel – die Wirtschaft und die Unternehmen müssen sich grossen Herausforderungen stellen, die in manchen Fällen gegensätzlicher nicht sein könnten. Kann man diese Gratwanderung überhaupt schaffen?

Absolut. Es ist aktuell eine super Chance für Unternehmen – und überhaupt keine Gratwanderung. Wenn man auf die Bedürfnisse der Menschen eingeht, bekommt man dies um ein Mehrfaches zurück mit sehr viel Loyalität, Motivation und Mitarbeiterbindung. Leider wird oft für einige Wenige, die problematisch sind, reglementiert. Man schaut zu wenig auf die grosse Mehrheit. Das heisst, der Fokus liegt auf der falschen Zielgruppe, weil es vermeintlich einfacher ist. Dies jedoch führt dann genau zu den «Herausforderungen», welche eigentlich oft hausgemacht sind.

Grosse Unternehmen wie Google und easyCredit gehören zu Ihrer Kundschaft. Wie sehr unterscheidet sich die dortige Arbeitsform und -räume mit denen unserer heimischen Unternehmen? Hinken wir da sehr hinterher? Oder gar nicht mal so?

Bilder von Arbeitsräumen zu vergleichen, ist da leider nicht hilfreich. Jedes Unternehmen muss für sich das optimale Set-Up für die Zusammenarbeit finden, deshalb ist nicht New Work gefragt, sondern Optimal Work. Ich bin immer wieder erstaunt ¬– obwohl Mitarbeiter der grösste Kostenfaktor für ein Unternehmen sind, wie wenig man sich darum kümmert, ob die Mitarbeiter das räumliche und technische Set-Up haben, um ihre Arbeit effektiv und effizient auszuüben. Man würde einen Handwerker auch nicht mit einem stumpfen Bohrer auf die Baustelle schicken. Aber genauso müssen sehr viele Angestellte arbeiten. Da lohnt es sich, regelmässig hinzuschauen, um ein optimales Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter zu ermöglichen.