Fiona Bischof ist eine starke Frau. Denn die dreifache Mama und leidenschaftliche Fotografin versucht in dieser schwierigen Zeit positiv zu bleiben und nach vorne zu blicken. Denn am 13. Mai musste sie ihr Fotostudio «Lightplay», das in der Wiler Altstadt gegenüber des Rathauses steht, schliessen. Und das für immer. Der Grund: die Corona-Krise und deren Nachwehen. «Anfang März lächelte ich noch über das Virus und stempelte das Ganze als Panikmacherei ab», erzählt sie bei einem Kaffee mit hallowil.ch. Die ganze Geschichte nahm sie erst mit dem ersten Bundesrats-Entscheid – als die Schulen Mitte März geschlossen wurden – ernst. Denn da war sie gezwungen, für das ganze Geschäft Kurzarbeit anzumelden. «Aber auch da hätte ich nicht gedacht, dass das Ganze ein solches Ausmass annehmen würde», sagt sie.

Denn sie, ihr ehemaliger Ehemann – er ist Mitinhaber des Fotogeschäfts – und ihr Team hätten während des Lockdowns versucht, mit speziellen Angeboten gegen den kompletten Einbruch der Einnahmen zu kämpfen. So beispielsweise mit der Zusammenstellung von Fotoalben. «Weil die Krise bei allen zu spüren war, konnten wir da keine Aufträge einholen», erzählt sie weiter. Sämtliche Foto-Aufträge für Firmen-Events seien weggefallen und auch die Geschäfte in der Region hätten keine Möglicheit gehabt, in Fotografien zu investieren. Richtig schwierig sei es für ihr Fotosstudio geworden, nachdem der Bundesrat die ersten Schritte aus dem Lockdown bekannt gegeben hätte. «Damals gab es noch keinen Fahrplan für die Event-Branche und Gastronomie, was wahrscheinlich alle Brautpaare verunsichert hat», blickt Fiona Bischof zurück. Danach sei eine Annullierungs-Welle über das Geschäft, das jährlich etwa 100 Hochzeiten mit ihrer Fotodokumentation begleitet, eingebrochen. Knapp 90 Prozent ihrer Hochzeitsbuchungen seien ins Jahr 2021 verlegt oder sogar storniert worden.

Trotz jahrelangem Erfolg geht das Studio Konkurs

«Das Schwierigste in dieser ganzen Situation war», versucht die Profi-Fotografin ihre Gefühle zu beschreiben, «vor meinen sieben Mitarbeitern und drei Lehrlingen zu stehen und zu sagen, dass alles vorbei ist». Und dass nach einer zehnjährigen Erfolgsgeschichte. Denn in den letzten Jahren waren Fiona Bischof und ihr Team bei über 700 Hochzeiten dabei. «Wir durften so viele schöne Lebensmomente festhalten», blickt die Fotografin zurück. So führten sie auch unzählige Schwangerschaft- und Neugeborenen-Shootings durch.

«Natürlich tut das weh, sein Herzensprojekt begraben zu müssen», versucht Fiona Bischof die richtigen Worte zu finden. Sie liebe ihren Beruf als Fotografin, der sie in den letzten Jahren erfüllt habe. Es sei für sie alles andere als einfach, den Zettel des Wiler Konkursamtes an ihrer Türe hängen zu sehen. Denn das Fotostudio «Lightplay» wurde amtlich versiegelt und darf damit ohne die Einwilligung der Sieglungsbehörde nicht betreten werden. Das ist nämlich strafbar. «Erst vergangene Woche habe ich es über das Herz gebracht, mir die amtliche Versiegelung anzuschauen», gesteht Fiona Bischof. Das seien nun alles Dinge, denen sie sich stellen müsse. Viele ihrer Kunden hätten sich nach dem Konkurs bei ihr gemeldet und Mut zugesprochen, sich für die letzten Jahre bedankt und die Arbeit des «Lightplay»-Teams gelobt. «Es waren sicher um die 70 bis 80 Nachrichten.»

Einzelne Kunden waren wütend

Fiona Bischof bekam in diesem Monat nach dem Konkurs aber nicht nur nette E-Mails von Kunden. Über sie sei auch ein «Shitstorm» geprasselt. Einige Kunden hätten auch mehrere Male bei ihr zu Hause angerufen und sie über Facebook sowie Whats App bombardiert, um der Fotografin ihre Enttäuschung und Wut mitzuteilen. So hat eine verärgerte Kundin, mehrfach bei ihr zu Hause angerufen und auch mit ihren Kindern gesprochen. Auch Kunden, die zum Beispiel zu Weihnachten einen Gutschein geschenkt bekommen haben, werden im «Lightplay» nicht mehr fotografiert. Fiona Bischof versteht die Reaktion und Enttäuschung ihrer ehemaligen Kunden. Verletzt hätten sie trotzdem einzelne Anfeindungen und Aussagen. «Wenn ich das Fotostudio irgendwie hätte retten können», betont sie, «dann hätte ich das definitiv gemacht». Und: «Ich glaube, dass man nicht über jemanden urteilen sollte, wenn man dessen Schuhe nicht einen Tag getragen hat.»

In den vergangenen Wochen hat Fiona Bischof viel über den Menschen, und wie er mit Krisen umgeht, gelernt, wie sie sagt. «Wir hatten vor ein paar Jahren ein Brautpaar fotografiert, das eigentlich noch ein Hochzeitsalbum bei uns einlösen durfte», erzählt sie, «die Auswahl für ein Erinnerungsalbum wurde vom Paar aber nie gemacht», erzählt sie. Bis ins Jahr 2018 habe sie das Paar jährlich angefragt, ob sie das Album fertiggestellen könnten. Nie habe sie eine Antwort erhalten. Erst jetzt nach dem Konkurs sei der damalige Bräutigam auf sie zugekommen. «Aber jetzt sind mir die Hände gebunden», schildert sie, «wenn ich das sogar machen wollte, ist es rechtlich verboten.» Mittlerweile nehme sie die Angriffe nicht mehr persönlich. «Gerade weil ich mit diesem Lebensabschnitt nun auch abschliessen und nach vorne blicken muss», führt sie weiter aus. Wie es für sie beruflich weitergehen wird, weiss sie aktuell noch nicht. Bisher habe sie sich für einen Job als Büroangestellte beworben. «Beim Vorstellungsgespräch meinte mein Gegenüber, dass er mich nicht einstellen könne, weil er wisse, dass mich diese Stelle unglücklich machen und ich spätestens nach einem Jahr künden werde», erklärt Fiona Bischof. Sie sei eben ein Kreativkopf. So hat sie während des Lockdowns ihren Alltag als Mama und die Kinder im Home-Schooling fotografisch festgehalten. «Und ja: Ich würde gerne wieder als Fotografin arbeiten», sagt sie. Sie sei sich aber auch bewusst, dass man es als arbeitslose Fotografin aktuell auf dem Markt nicht einfach habe.