Die Sonne schien noch auf St. Margarethen, als ein Hirtenhund eine Schafherde den Chrebsbach entlang trieb. Die Idylle, die am Sonntag kurz vor 16 Uhr über dem Dorf neben Münchwilen lag, passte gut zum Mann, der wenig später in der Aula der Schule Kastanienhof zum «Münchwiler des Jahres» gekürt wurde. Für viel geleistete «soziale Arbeit für unser Dorf», wie Gemeinderat Manfred Filliger in seiner Laudatio sagte. Da begannen die ersten Gäste zu nicken und nach dem Gelobten Ausschau zu halten. Sie wussten, mit welchem Namen die Rede enden musste: Freddy Stettler.

Die Liste von Stettlers Verdiensten um Münchwilen und Umgebung ist lang: Ende der 1970er-Jahre leitete er den ersten Münchwiler Jugendtreff im Zivilschutzkeller des Pflegheims. Er fuhr psychisch kranke Kinder jahrelang wöchentlich zur Therapie. Er pflegte Demente, leistete Einsätze für die Spitex und Sterbehilfe. Er war und ist noch immer Laienprediger, macht als solcher im ganzen Kanton Thurgau Seelsorge und Vertretungen von Pfarrern.


Der Münchwiler des Jahres zieht weg

Er sei überwältigt, sagte Stettler im Anschluss an die Würdigung beim Apéro. «Mir war gar nicht bewusst, dass das, was ich tue, so stark wahrgenommen wird.» Er habe immer einfach gemacht. Zum Beispiel Menschen in den letzten Lebensstunden beistehen, wenn ihre Angehörigen es nicht konnten. Schon bald ist der Münchwiler des Jahres allerdings Ex-Münchwiler. Er und seine Frau ziehen nach Winterthur. Er werde der Region aber erhalten bleiben, sagte Stettler. So werde er zum Beispiel weiterhin in Münchwilen predigen. 

Wie der «Münchwiler des Jahres» wird auch Gemeindepräsident Guido Grütter bald weniger präsent sein in der Gemeinde - oder zumindest in der Öffentlichkeit. Grütter geht in seine letzten Amtsmonate und tritt per Ende Mai vorzeitig zurück. Händeschüttelnd und ein gutes Neues wünschend empfing Grütter die Gäste am Eingang der Aula zum letzten Mal zum Neujahrsapéro. In seiner Rede blickte er in die nähere politische Zukunft und gab den Münchwilern als Vorsatz mit, von ihren «direktdemokratischen Rechten» Gebrauch zu machen.

Grütter will Nachfolgerin «nichts mehr einbrocken»

Tatsächlich gibt es dazu in nächster Zeit reichlich Gelegenheit. Zum Beispiel am 9. Februar. Neben den Abstimmungen über zwei eidgenössische Vorlagen und das revidierte kantonale Steuergesetz finden dann die Gesamterneuerungswahlen der Friedensrichter statt. Ebenfalls an diesem Wahlsonntag wird in Münchwilen das Gemeindepräsidium neu besetzt. Wahrscheinlich mit Grütters FDP-Parteikollegin Nadja Stricker, die als einzige offiziell kandidiert.

«Sie haben viel zu tun», sagte Grütter am Ende seiner Rede zu den Gästen. Er selbst werde bis im Frühling keine grossen Projekte mehr anreissen, sagte Grütter später beim Apéro. Schliesslich wolle er seiner wahrscheinlichen Nachfolgerin «nichts Neues mehr einbrocken.» Mit den vielen Wahlen und Abstimmungen bis im Mai freue er sich aber nochmals auf eine «organisatorisch-operativ herausfordernde Zeit.»

Das wünschen sich die Münchwiler

Mit dem Lied «Äs Likörli fürs Frauechörli», gesungen vom Frauenchor Eschlikon-Münchwilen, endete der offizielle Teil des Neujahrsapéros. Für das neue Jahr wünschen sie sich die Bürger der Gemeinde verschiedene Dinge für Münchwilen, wie eine Umfrage zeigte. Einen besseren Winterdienst forderte zum Beispiel Damian Schneider und erhielt dafür Zuspruch von umstehenden Gästen: In gewissen Quartierstrassen würden die Trottoirs bei Kälte zu regelrechten Eisbahnen.

Daniela Hälg vom Verein Treffpunkt Münchwilen hingegen hofft, dass sich Ideen wie ein Café beim Spielplatz Kirchenwiese oder ein Co-Working Space realisieren lassen. Davon sei noch nichts konkret, im Verein seien sie erst daran, Konzepte zu entwickeln. Generell finde sie aber, dass «es in Münchwilen zu wenig Treffpunkte gibt, wo man sich generationenübergreifend begegnen kann».