Für Bettina und Pascal Gmür-Huber bot sich die Gelegenheit ihren Traum vom Eigenheim auf dem Land zu realisieren. Für sie stand der nachwachsende Rohstoff Holz und eine ökologische Bauweise im und um das Haus im Vordergrund. Pascal Gmür ist seit Kindsbeinen fasziniert von Bäumen und dem Wald: «Es ist genial, wie der einheimische Rohstoff vor unserer Haustüre nachwächst.» Im Forstwirtschaftsstudium konnte er das Wissen über den Wald und das Holz vertiefen. Es liegt auf der Hand, dass somit nur ein Holzhaus aus Schweizer Holz für seine Familie in Frage kommt.

Die Vollholzbauweise aus dem Appenzellerland nutzt die positiven Eigenschaften des nachwachsenden Rohstoffes. Die Aussenwände, das Dach und die Decken bestehen aus 18 Zentimeter reinem Fichtenholz, welches ohne Leim mit Buchendübeln zusammengehalten wird. Diese enorme Masse sorgt für ein angenehmes Wohnklima. Zusammen mit der Strahlungswärme des Speicherofens im Wohnbereich ist das sichtbare Holz «heimelig». Die Bodenheizung und das Warmwasser werden mit selbst geerntetem Stückholz geheizt. Eine traditionelle gestemmte Appenzellerfassade ziert das Holzhaus. Die weiteren Fassaden weisen einen stehenden Bretter- beziehungsweise Leistenschirm aus Weisstanne auf. Für eine lange Lebensdauer ist es zentral, dass das unbehandelte Holz richtig montiert wird.

120 Kubikmeter Holz verbaut

Für den Bau des Hauses der Familie Gmür-Huber wurden rund 120 Kubikmeter Holzbauteile für die Konstruktion, Dämmung, Fenster, Treppen, Böden und Fassaden verbaut. 95 Prozent davon stammen aus der Schweiz. So konnte die Wertschöpfung vom Wald über die Sägerei zum Holzbauer und Schreiner grösstenteils in der Region behalten werden. Es dauert keine 20 Minuten bis das für den Bau benötigte Holz im Schweizer Wald wieder nachgewachsen ist. Im verbauten Holz wird zudem für die ganze Lebensdauer des Hauses CO2 gebunden. Rund eine Tonne in jedem Kubikmeter Holz oder etwa so viel, wie ein Mensch während zweier Jahre ausatmet. «Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Bauherren auf den Bau- und Rohstoff Holz aus der Region setzen werden. Sie helfen damit dem Klima, unterstützen die einheimische Wirtschaft und schaffen für sich einen gesunden Wohn- und Lebensraum», betont das Label «Schweizer Holz». Die Holzwirtschaft bemühe sich in den letzten Jahren vermehrt, die Wertschöpfung möglichst im eigenen Land oder Region zu halten. Ein Instrument, um die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren sei eben das Label «Schweizer Holz». Ende November sei der Wohnersatzbau der Familie Gmür-Huber in der Gemeinde Flawil ausgezeichnet worden. «Dieses gute Beispiel könnte andere Besitzer und Bauherren motivieren, auch auf den heimischen Rohstoff zu setzen», erhoffen sich die Verantwortlichen des Labels. 


Holzfassade harmonisiert mit dem Naturgarten

«Im Garten sollen Insekten, Vögel und Kleintiere ihren Platz haben», so die Familie Gmür-Huber. Daher hat der Bauherr zwei Wildhecken mit insgesamt rund 40 Baum- und Straucharten gepflanzt. Hinzu kommen einige Kulturbeerensträucher. Jeder Strauch blüht zu einem anderen Zeitpunkt, weist verschiedene Blätter und eine unterschiedliche Herbstfärbung auf. Die Früchte und Beeren wiederum werden von verschiedenen Vögeln und Tieren genutzt. Zwei Stein- und Asthaufen dienen Vögeln, Reptilien oder Kleinsäugern als Unterschlupf. Der Wildbienensandhaufen wurde bereits besiedelt. Drei Viertel der rund 600 einheimischen Wildbienenarten nisten in der Erde beziehungsweise in Sandböden. Die Krautsäume werden von Wildblumenwiesen, einer Ruderalfläche und Blumenrasen gebildet. (pd)