Der eher klassisch orientierte Chor ist aus dem Kammerchor Oberthurgau hervorgegangen und hat Mitglieder aus den Kantonen Thurgau, St.Gallen sowie Appenzell AR und AI. Er will wenig bekannte Werke an kleinen Orten zur Aufführung bringen und legt dabei den Schwerpunkt auf gepflegten Chorgesang. Im angenehm temperierten Kirchenraum der Oberuzwiler Grubenmannkirche kamen die schönen Stimmen der Sängerinnen und Sänger sowie der Solisten und Solistinnen besonders ausdrucksstark zur Geltung. Das Konzert kam beim Publikum sehr gut an.Gastdirigentin
Der erst seit dem 1. Januar 2017 als künstlerischer Leiter und Dirigent tätige David Bertschinger musste für diese Konzertreihe wegen eines Unfalls pausieren. Manuela Eichenlaub, Hauptlehrerin für Schulmusik an der Pädagogischen Maturitätsschule PMS in Kreuzlingen, sprang für ihn ein und führte den Chor sicher durch das anspruchsvolle Programm. Der Chor folgte den Vorgaben der Dirigentin sehr präzis, ohne dass diese sich mit grossen Gesten bemerkbar machen musste. Das Zuhören – und Zuschauen - war eine einzige Freude. Am Schluss des Konzerts bedankte sich Manuela Eichenlaub bei allen Solistinnen und Solisten mit einem herzlichen Kuss.

Vielschichtiger Konzerttitel
„Diesseits und Jenseits“ heisst das Programm der aktuellen Konzertreihe. Diesseits und jenseits des Ozeans, aber auch diesseits und jenseits der Linie, die das Leben vom Jenseits trennt. Im sehr ausführlichen und übersichtlich gestalteten Programmheft konnte jeder einzelne Text nachgelesen werden. Wenn sich Sprache und Musik zu einem Ganzen vereinigen, berührt das das Herz der Zuhörerschaft. Dies war bei den gesungenen Liedern durchwegs der Fall. Nicht umsonst berührt gute Musik als „universelle Herzenssprache“ die Menschen, egal, welche Sprache sie sprechen.

Homogener Klang
Man hört es dem Konzertchor an, dass hier sorgfältiger Stimmaufbau betrieben wird. Dazu kommt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Frauen- und Männerstimmen. Wenn auch viele Mitglieder schon gut sichtbar etwas reiferen Jahrgängen angehören, so tönt doch der Chorklang frisch und jung. Die Sopranstimmen hatten oft hohe Partien zu bewältigen, und dennoch hörte man keinen einzigen gepressten Ton.

Hans Huber
Um 1900 war der Schweizer Komponist Hans Huber ein berühmter Musiker und Pianist, heute leider weitgehend vergessen. Sein Schaffen war stark von Johannes Brahms und andern deutschen Hochromantikern geprägt. Dennoch fand er eine eigenständige Musiksprache. Im Oberuzwiler Konzert waren Frühlings- und Liebeslieder mit teils sehr zu Herzen gehenden Texten und recht unterschiedlichen Stimmungen zu hören. Huber vertonte verschiedene Gedichte des in der Mitte des 19. Jahrhunderts schreibenden Sprachkünstlers Ludwig Pfau, welche sich um Liebesgefühle aller Art drehen. Aber auch zwei Texte von Conrad Ferdinand Meyer – „Liebesflämmchen“ und „Schlussgesang“ - setzte Huber in Töne um.

Sklavenleid
Gospelchöre haben auch in der Schweiz grossen Zulauf. Die Lieder, die oft von tiefer, einfacher Frömmigkeit zeugen, rühren an die Emotionen. Der englische Komponist Sir Michael Tippet (1905 – 1998) schrieb das Oratorium „A Child of Our Time“. Er war Pazifist und engagierte sich stark politisch. Den Titel seines Werks entnahm er dem Roman „Ein Kind unserer Zeit“ des ungarischen Autors Ödön von Horvàth. Dieser beinhaltet die Grausamkeiten der nationalsozialistischen Untaten an der jüdischen Bevölkerung. Dazu bearbeitete Tippet bekannte Spirituals aus dem amerikanischen Süden, etwa „Nobody knows the Trouble I’ve Seen“ oder „Go Down Moses“. Chor und wechselnde Solisten sangen diese Lieder besonders berührend.

Duke Ellington
Dieser Name hat bis heute nichts von seinem Glanz verloren. Der amerikanische Jazzpianist und äusserst fruchtbare Komponist Edward Kennedy „Duke“ Ellington schrieb fast 2000 Kompositionen. Im Programm stand sein eher nachdenklich machendes Stück „Come Sunday“ aus der Suite „Black, Brown and Beige", eine Art Gebet, von Chor und Bariton sehr eindringlich vorgetragen und von Marc Hunziker am Flügel gefühlvoll unterstützt. Das Stück konnte zwei Mal genossen werden, denn am Schluss wählte Dirigentin Eichenlaub es nach stürmischem Applaus als Zugabe. Dieser war wohltuend genau nach den Programmvorgaben erfolgt, was den Spannungsbogen über die einzelnen Themenzyklen hinweg nie unterbrach.

Amerikanische Lieder
Der Komponist Aaron Copland –vor der Emigration aus Litauen hiess die jüdische Familie „Kaplan“ – integrierte viele Elemente des Jazz in seine Werke. Er war mit Leonard Bernstein eng befreundet und beeinflusste diesen massgeblich. Copland schrieb auch für viele Filme die passende Musik. Der Chor sang vier Stücke aus Coplands Werk „Old American Songs“, die seine Vielseitigkeit der Klanggestaltung zeigten. Das letzte Stück mit dem klingenden Namen „Ching-a-Ring Chaw“ setzte einen energiegeladenen neckischen Schlusspunkt, der sowohl Chor wie Publikum gleichermassen begeisterte.

Eingespieltes Pianistenpaar
„Vom Luzernersee“ nennt sich eine zehnteilige Ländlerkomposition von Hans Huber. Hier konnte das Ehepaar Yvonne Lang und Marc Hunziker alle Register seines Könnens ziehen und den raumfüllenden Bösendorfer Flügel so richtig zum Strahlen bringen. Beim Spiel spürte man die grosse Vertrautheit der Beiden. Die vierhändig zu spielenden Stücke ertönten wie aus einem Guss. Die Spielfreude war auch an der Körperhaltung ablesbar. Vom zartesten Ton bis zum zackigsten Schluss war alles dabei. Das Duo begleitete den Chor bei den Huber-Liedern effektvoll und doch nicht dominant. Die englischsprachigen – jenseitigen – Lieder begleitete Marc Hunziker allein.

Bekannte Solistinnen und Solisten
Im abwechslungsreichen Konzert durften immer wieder die ausdrucksstarken Stimmen der Solistinnen und Solisten als Quartett genossen werden. Letizia Scherrer, Sopran, und Anja Powischer, Alt und Mezzosopran, verschmolzen mit ihren Stimmen zu einer wunderbaren Einheit, was besonders beim Lied von Hans Huber „Liebesflämmchen“ zu hören war. Der einzige „Nichteinheimische“ unter dem Solistenquartett, der Tenor, Marcus Ullmann, wurde in der Musik-Hochburg Dresden ausgebildet und studierte sogar noch beim grossen Dietrich Fischer-Dieskau. Er beglückte das Publikum mit seinem schönen Organ im Lied „Abschied“, einer gefühlvollen Trauerballade.

Der Bass-Bariton Bernhard Bichler hatte in Oberuzwil dagegen praktisch ein Heimspiel, war er doch vor einiger Zeit als Interims-Dirigent des Männerchors Frohsinn aufgefallen. Er beeindruckte im Lied „A Boatmen‘s Dance“ als humorvoller Interpret, stand auch im entsprechenden „Outfit“ da.

Geld, Geld, Geld
Ohne Finanzen können solch aufwendige Konzerte nicht durchgeführt werden. So steht denn auch eine ganze Liste an Sponsoren im Konzertführer. Dabei wird zwischen „Partnern“ und „Konzertbeiträgen“ sporadischer Sponsoren unterschieden. Auch die hiesige Clientis Bank hat einen Betrag für diese Konzertreihe geleistet. Thurkultur, aber auch das Kulturamt des Kantons SG und andere Institutionen sowie mehrere Stiftungen haben ebenfalls Geld gesprochen. So kann auch ein Publikum abseits der grossen Zentren hochstehende Konzerte zu einem guten Preis besuchen. Das ist gut investiertes Geld…


Am 2. Juli kann das Konzert nochmals genossen werden, und zwar um 19:00 Uhr in der katholischen Kirche Rotmonten in St.Gallen

Wer mehr über den Chor wissen möchte, findet auf der sehr schön gestalteten, äusserst informativen Homepage des Vereins bestimmt die gewünschten Informationen.

Konzertchor Ostschweiz

2014 schrieb die Aargauer Zeitung über Hans Huber:

Unvergessener Hans Huber

Ludwig Pfau

Letizia Scherrer

Anja Powischer

Markus Ullmann

Bernhard Bichler

Marc Hunziker

Yvonne Lang

Und hier einige Hörbeispiele…

Ching-a-Ring-Chaw

Nobody Knows – arrangiert von Michael Tippet

Hintergründe zu „A Child of Our Time“

Long Time Ago