Als Grund für die Überarbeitung der Standortstrategie führt der Schulrat die Entwicklung der Schülerzahlen und damit zusammenhängende pädagogische Gründe an. Standortpolitische Faktoren für die Gemeinde Kirchberg und das Dorf Dietschwil werden vom Schulrat komplett ausser Acht gelassen. Daher wehrt sich die Dietschwiler Bevölkerung gegen eine allfällige Schliessung mit einer Petition. Diese verlangt vom Schul- und Gemeinderat, dass eine Schliessung der Schule Dietschwil erst nach abgeschlossenem Neubau des Sonnenhofs 2025 und unter Berücksichtigung der innenpolitischen Strategie der Gemeinde Kirchberg evaluiert werden soll.

Die Schulleitung der Primarschule Kirchberg und der Schulrat der Gemeinde Kirchberg evaluieren aktuell einen Strategiewechsel bezüglich der Schulstandorte in den Dörfern. Eine Arbeitsgruppe (AG) unter Federführung des Ressorts «Führung und Qualität» des Schulrates untersucht unter anderem die Option, die Schule Dietschwil zu schliessen. Der Entscheid zur Schulschliessung kann vom Schulrat in Eigenregie, ohne Einbezug des Gemeinderates oder der betroffenen Bevölkerung getroffen werden.

Nicht nachvollziehbar: Schliessung der Schule Dietschwil im Sommer 2022

Für die Beurteilung beschränkt sich die AG dabei auf Faktoren, welche ausschliesslich für den Schulbetrieb relevant sind. Als Nebenziel werden auch Kostenreduktionen angeführt. Diese Kosten können allerdings nur dann eigespart werden, wenn alle Dietschwiler Kinder in bestehende Klassen im Dorf Kirchberg eingegliedert werden können. Was in der Kostenbeurteilung gänzlich fehlt, sind Mehrkosten für den Schulbus, da ein geeigneter, sicherer Schulweg zwischen Kirchberg und Dietschwil fehlt. Ausserdem führt der Schulrat pädagogische Gründe an. Diese sind nicht nachvollziehbar, da verschiedene wissenschaftliche Studien die Mehrklassenmodelle, welche in Dietschwil gelebt werden, als modernes, leistungseffizientes Schulmodell ausweisen.

Fehlende Übereinstimmung 

Was in der Beurteilung ebenfalls komplett fehlt, sind Faktoren, welche die politische Gemeinde und das Dorfleben betreffen. So würde das Dorf Dietschwil durch den Wegfall der Schule einen der letzten Standortvorteile für Familien mit Kindern verlieren. Neben dem fehlenden ÖV-Angebot, den fehlenden Einkaufsmöglichkeiten, einer schlechten Verkehrsanbindung und fehlender dörflicher Infrastruktur (Restaurants, Post, Versammlungsmöglichkeiten) fällt damit noch der letzte Anziehungspunkt für Familien weg, welcher Dietschwil auch für gute Steuerzahler attraktiv macht und zu einem aktiven, lebendigen Dorfleben beiträgt. Der Umstand, dass die allfällige Schulschliessung nur wenige Tage nach der Publikation der «Strategie Innentwicklung» der Gemeinde Kirchberg kommuniziert wurde, zeigt deutlich auf, dass der Schulrat in seiner Arbeit nicht mit dem Gemeinderat abgestimmt ist: So wird Dietschwil im Strategiepapier als «Ortschaft im Grünen mit eigener Dorfschule» positioniert, welche noch weiter in der «individuellen Identität» gestärkt werden soll. Gerade die Schule ist aber eines der letzten verbleibenden identitätsstiftenden Elemente von Dietschwil, ist lokaler Treffpunkt und ein wichtiger Standortfaktor für das Dorf. Eine Schliessung der Schule würde damit der Gemeindestrategie fundamental widersprechen.

Falscher Zeitpunkt für einen Entscheid

Aufgrund der von der Gemeinde in der Vergangenheit beschlossenen Richt- und Zonenpläne verändert sich Dietschwil aktuell immer noch stark und wächst nachhaltig. Mehr als 20 Einheiten für Familien sind geplant. Auch das Dorf Kirchberg wächst stark mit ca. 140 geplanten Wohnungen im Dorfkern. Aktuell ist nicht abschliessend bekannt, wie sich die Bautätigkeit in der Gemeinde auf die Schülerzahlen auswirken wird.

Gleichzeitig steht mit dem Ausbau des Schulhauses Sonnenhof im Dorf Kirchberg ein grosses Bauprojekt an, welches die schon prekären Raumverhältnisse im in den Schulzimmern während der Bauphase noch weiter negativ beeinflussen wird. Das Projekt ist frühestens im 2025 abgeschlossen. Die zusätzlichen Kinder aus Dietschwil würden die Platzprobleme in der Bauphase (2022-2025) zusätzlich verschärfen.

Entscheid im Jahr 2025

Dietschwil verfügt aktuell über einen kleinen, funktionierenden Schulbetrieb. Die Dietschwiler*innen verlangen vom Schulrat an dieser Schule festzuhalten. Dies aus folgenden Gründen:

  • Es ist nicht klar, ob der Schulraum in Dietschwil auch in Zukunft benötigt wird. Die geplanten Bauprojekte in Dietschwil und in der Gemeinde führen gemäss Aussage der Gemeinde zu weiterem Bevölkerungszuwachs und höheren Schülerzahlen.
  • Der anstehende Schulumbau im Dorf Kirchberg führt während der Bauphase zu einer weiteren Verknappung von verfügbarem Schulraum im Sonnenhof während der Bauphase. Zusätzliche Schüler aus Dietschwil verschärfen dieses Problem weiter.
  • Die Schliessung der Schule wird Dietschwil als Wohnort unattraktiv machen. Die erwarteten negativen Auswirkungen auf die Steuereinnahmen können ein Vielfaches der allfälligen Kosteneinsparungen für den Schulbetrieb betragen. Dies muss zuerst analysiert werden. Der Schulrat hat als Teil der Gemeinde Kirchberg neben den für den Schulbetrieb relevanten Punkten auch standortpolitische Faktoren zu berücksichtigen.

Deshalb ist ein Entscheid, wie mit der Schule Dietschwil zu verfahren ist auf Basis der bekannten Fakten nicht möglich. Der Schulrat sollte die Planung auf Eis legen und frühestens im 2025 wieder aufgreifen, verlangt das Petitionskomitee.