Beat Bollinger, Präsident des Vereins KV4.0, beruflich Bankleiter bei Raiffeisen Wil, betonte eingangs der Medieninformation: «Für das KV stehen keine rosigen Aussichten bevor, die KV-Lehre allein reicht immer weniger.» Die Herausforderung zeige sich in der laufenden Digitalisierung, welche bis zu 100'000 KV-Jobs bedrohe. Diese und weitere Schlagzeilen dokumentierten den intensiven Strukturwandel in der kaufmännischen Berufsbildung.

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Hochkarätige Besetzung seitens Unternehmungen und politischen Vertretungen anlässlich der Vorstellung des neuen KV-Modells.

Gemeinsam mit regional verankerten Unternehmen wie Raiffeisen, der St.Galler Kantonalbank und Bühler Uzwil sowie der Gemeinde Uzwil und dem Kanton St.Gallen hat das BZWU diese Herausforderungen aufgenommen und lanciert mit «KV4.0» ein innovatives Ausbildungsmodell, um den wichtigsten Lehrberuf der Schweiz wieder attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten. Dass die Idee KV 4.0 bald grössere Kreise ziehen wird zeigte sich mit den Anwesenheiten von Bruno Müller, Leiter des kantonalen Amtes für Berufsbildung; Christophe Bettin, Bereichsleiter Berufsbildung und Jugendarbeit, Stiftung Movetia und Zaira Orschel, Projektverantwortliche Berufsbildung, Stiftung Movetia.

Unter Einhaltung der Vorgaben der Berufsbildung
Das BZWU geht in der KV-Ausbildung neue Wege und hat sich gemeinsam mit regionalen Ausbildungsbetrieben mit den Anforderungen des Arbeitsplatzes der Zukunft auseinandergesetzt und nach flexibleren Methoden und Kooperationen in der kaufmännischen Berufslehre gesucht. Resultat dieser engen Zusammenarbeit ist das innovative Ausbildungsmodell «KV4.0», welches den zukünftigen Ansprüchen auf dem Arbeitsmarkt umfassend Rechnung trägt. Das Angebot läuft ausserhalb des Berufsschulangebotes, wird auch selbständig finanziert, hält aber die Vorgaben der st.Gallischen Berufsbildung ein. Die Sicherung der ersten Schulklasse finanzieren die Gründungsmitglieder mit dem ersten geleisteten Beitrag von 12'000 Franken. Nach Bruno Müller, Amtsleiter Berufsbildung, gilt die Initiative klar auch dem Halten der Attraktivität des Kantons.

Urs Thoma, Prorektor des BWZU und Geschäftsführer des Vereins «KV4.0» betonte in der Vorstellung des Konzeptes: «Die Entstehungsgeschichte von KV4.0 ist schweizweit einmalig. Erstmals durchbrechen wir als Berufsfachschule das starre Korsett der dreijährigen Lehre und präsentieren gemeinsam mit der Wirtschaft einen neuen Bildungsansatz.» KV4.0 heisst internationale Erfahrung sammeln, echte Aufgabenstellungen aus der Wirtschaft lösen, jedoch auch andere Berufsumfelder kennen lernen und sich wertvolle Zukunftskompetenzen aneignen.

KV4.0 – clevere Antwort auf die zukünftigen Anforderungen
Wie Beat Bollinger, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Wil und Umgebung und Präsident des Vereins KV4.0, ausführte, werden sich die Anforderungen in den kaufmännischen Berufen weiter wandeln: «Neben einer soliden fachlichen Ausbildung sind heute zeitüberdauernde Fähigkeiten und Fertigkeiten gefordert.

Gesucht sind Fachleute, die Probleme selbständig lösen, vernetzt und multikulturell denken, neue Technologien beherrschen, aber auch vielfältig kommunizieren und gut mit Menschen umgehen können. Diese Zukunftskompetenzen können nur bedingt im Schulzimmer erlernt werden.»

Eine spürbare Aufwertung der KV-Lehre
Zudem hat sich der Kampf um leistungsstarke und motivierte Schüler dramatisch zugespitzt, wie Bollinger weiter ausführte. Die kaufmännische Berufsausbildung und vor allem die Berufsmaturität stehen unter dem Druck der steigenden gymnasialen Maturitätsquoten und der demographischen Entwicklung. Mit dem KV4.0-Praxisjahr erfährt die KV-Lehre eine massive Aufwertung und wird gerade für engagierte und motivierte Jugendliche zur spannenden Alternative gegenüber dem gymnasialen Weg.

KV4.0 – einfach mehr KV
Die Kaufmännische Lehre mit KV4.0 dauert neu insgesamt vier Jahre. Um Zeit für neue Kompetenzen zu erhalten, wird die reguläre Ausbildung nach dem 2. Lehrjahr für das KV4.0-Praxisjahr unterbrochen und die Lernenden erhalten für ein Jahr einen Praktikumsvertrag. Im Anschluss an das KV4.0-Praxisjahr führen sie ihre Lehre im 3. Lehrjahr mit dem ursprünglichen Lehrvertrag fort.

Der Begriff KV4.0 steht sowohl für die Anforderungen der Industrie 4.0 und der Digitalisierung als auch für die vier Kernbereiche des zusätzlichen Praxisjahres. Das KV4.0-Praxisjahr besteht aus vier Modulen. Beim «Seitenwechsel» arbeiten die Lernenden während neun Wochen in einem neuen Berufsfeld und erhalten Einblick in eine unbekannte Branche oder sogar einen anderen Beruf. Dies ermöglicht es, neue Aufgabenstellungen, Prozesse und Unternehmenskulturen kennen zu lernen. Im «Praxisprojekt» geht es darum, im Team echte Aufgaben- und Problemstellungen aus der Praxis der Partnerbetriebe von KV4.0 zu bearbeiten und entsprechende Lösungsansätze und Konzepte zu präsentieren.

Praxisjahr: In einem fremden Umfeld beruflich wie privat behaupten
Während des Praxisprojektes werden die Lernenden auch im Projektmanagement, Web-Design, Präsentationstechnik etc. geschult. Im Anschluss daran gilt es die Koffer zu packen und nach England zu fliegen. Im «Auslandeinsatz» müssen sich die Jugendlichen in einem völlig fremden Umfeld beruflich wie privat zu behaupten.

Nach einem Intensiv-Sprachkurs absolvieren die KV4.0-Lernenden während dreieinhalb Monaten ein Betriebs-Praktikum in England und wohnen bei einer Gastfamilie. Da die KV4.0-Teilnehmenden während dem KV4.0-Praxisjahr immer wieder mit neuen Situationen konfrontiert sind, werden sie in drei sogenannten «Onboardings» auf die einzelnen KV4.0-Module und den Wiedereinstieg ins abschliessende 3. Lehrjahr vorbereitet.

KV4.0 – für Lernende und Lehrbetriebe
Junge Kaufleute ab Lehrbeginn 2018 erhalten die Chance, sich unabhängig von Profil (B/E/BMWL) und Branche für das KV4.0-Praxisjahr zu qualifizieren. Für das KV4.0-Praxisjahr durchlaufen sie nach dem Start in das zweite Lehrjahr ein Bewerbungs- und Selektionsverfahren.

Gesucht sind motivierte Schüler/-innen, welche sich während der Ausbildung durch ein hohes Engagement und Interesse auszeichnen. Alle Lehrbetriebe aus der Ostschweiz mit der Bereitschaft, besondere Lernende zu unterstützen und zu fördern, können das Ausbildungsmodell KV4.0 anbieten. Als KV4.0-Partner treten sie dem Verein KV4.0 bei und finanzieren ihren kaufmännischen Lernenden das Praxisjahr mit Kosten um 1’000 Franken pro Monat. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen finden interessierte Lernende und Lehrbetriebe auf der Website www.kv4punkt0.ch.

Die Ausbildungsschritte KV4.0:
Das erste Lehrjahr gilt der Qualifikation für die neue Ausbildung. Das zweite Lehrjahr ist sozusagen das Bewerbungsjahr, die Auswahl erfolgt via ein Casting. Das nachfolgende Praxisjahr steht für eigene Initiativen und untersteht nicht der KV-Qualifikation. Das zwar vierte, aber eigentlich dritte Lehrjahr läuft wieder im Rahmen der KV-Ausbildung mit Vorbereitung des Abschlusses.

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Wir sind KV4.0

KV4.0 ist durch die Initiative verschiedener Bildungspartner aus der Region Wil-Uzwil entstanden.
Namhafte Lehrbetriebe, das Amt für Berufsbildung des Kantons St.Gallen sowie die Berufsfachschule BZWU haben sich im Verein «KV4.0» zusammengeschlossen und eine Ergänzung zur bestehenden Kaufmännischen Berufslehre konzipiert. Dies mit dem Ziel die kaufmännische Grundbildung noch attraktiver und marktfähiger zu gestalten.

Mit KV4.0 ist ein vielfältiges, neues Ausbildungsmodell entstanden, das sich sehr eng an den praktischen Bedürfnissen des zukünftigen Berufsalltages orientiert. KV4.0 bietet jungen Berufslernenden die Möglichkeit, internationale Erfahrung zu sammeln, echte Aufgabenstellungen aus der Wirtschaft zu lösen, aber auch andere Berufe und Branchen kennen zu lernen.

Gründungsmitglieder Verein KV4.0
> Berufs- und Weiterbildungszentrum Wil-Uzwil
> Bühler AG, Uzwil
> Gemeinde Uzwil
> Raiffeisenbank Regio Uzwil
> Raiffeisenbank Wil und Umgebung
> St.Galler Kantonalbank
> Amt für Berufsbildung St.Gallen