Die Ära von 1974 bis 1981 gilt mittlerweile als legendär. Damals hiess der Wirt im Freischütz, der heutigen Vionthek, in der Wiler Altstadt Rolf Gersbach. Der umtriebige Gastronom schaffte es dank vielfältigen Beziehungen immer wieder, national und international bekannte Formationen aus der Jazz- und Bluesszene nach Wil zu locken.

Darunter waren etwa Oskar Klein, Champion Jack Dupree, Peter Jacques Trio, Trio Grande, Bob Wallis, Charly Antolini und Töbi Tobler. Bald bezeichnete die Presse Wil als Jazz-Hochburg und als Jazz-Oase.

Dixieland zum 1. August

Gelegentlich wurde bei schönem Wetter neben dem Freischütz auf dem Lindenplatz konzertiert. So spielte etwa an einem 1.August die britische Dixieland-Gruppe Bob Wallis & His Storyville Jazz Band auf.

Altstadtgeschäfte und weitere Firmen ermöglichten durch Sponsoring die Auftritte der bekannten Musiker. Gastronom Gersbach wurde schliesslich von der Stadt für sein kulturelles Engagement auszeichnet.

Musiklokale in der Altstadt

Längst hat der Wirt im Freischütz gewechselt, doch noch immer treten bisweilen Musiker im Lokal auf – natürlich nicht zur Pandemiezeit.

Unter dem Gastronom Errico Mirto ist es etwa die Wallbanger-Jazzgroup aus dem Thurgau, die mit ihrem Sound Stimmung ins Lokal bringt. Und auch Gino`s Kunstcafé sowie die Gastrolokale El Pincho zum Wilden Mann und die Café Bar La Moka werden zu gelegentlichen Konzertlokalen.

Hindernis Corona 

Eine musikalische Tournee durch neun Lokale die Vor- und die Altstadt ermöglicht die Veranstaltungsreihe Musig i dä Beiz – ausserhalb der Pandemie. Sie ist die Nachfolgeveranstaltung von Rock am Freitag und basiert auf einer Kooperation der Wirtinnen und Wirte von Ginos Kunstcafe, Trinkstube zum Hartz, Tiger, Barcelona, Böckli Bar, El Pincho, Linde, Vinothek sowie Art´s Restaurant Bar entstanden.

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Die Tage des ehemaligen Landhaus an der Unteren Bahnhofstrasse sind gezählt. Einst war es eine der ersten Adressen für Unterhaltungskultur. 

Ungefähr am Standort der heutigen Niederlassung der UBS bestand bis 1985 das Restaurant Dufour. Es hatte einen ähnlichen Kultstatus wie der Freischütz. Fast jede Woche spielte damals eine Gruppe aus der Stilrichtung Folk, Rock, Jazz oder Blues, darunter Angy Burri and the Apaches, Span, die Swiss German Jazz Corporation oder das Appenzeller Space Schöttel.

Eröffnung der Gartensaison

Musiklokale haben in Wil eine lange Tradition. Als beispielweise 1893 das Restaurant Neu-Toggenburg erstmals Gäste empfingen, spielte die Blechmusikgesellschaft Schmidberg-Ulisbach auf.

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Die Stadtmusik Wil spielte früher gelegentlich in Gastlokalen. 

Als die Äbtestadt 1855 ans Bahnnetz angeschlossen wurde, entstand ein Jahr später in Bahnhofsnähe ein stattliches Haus. Erbauerin war die Familie Müller, die damals das Hotel Schöntal führte; dieses stand am Standort des heutigen Centralhofs. Das Neuschöntal lockte bald regelmässig musikinteressiertes Publikum an.

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Live-Musik war ein wirkungsvoller Publikumsmagnet. 

Wie der Wiler Geschichtskundige Willi Oblrich schreibt, wurde jeweils Ende Mai mit einem grossen Konzert die Gartensaison des Lokals eröffnet. Musikgesellschaften aus dem ganzen Kantonsgebiet waren zu Gast.

Stadtmusik im Landhaus 

Auch die örtlichen Vereine hatten in verschiedenen Gaststätten ihre Auftritte. So berichtet beispielweise die Chronik der Stadttharmonie Wil von einer musikalischen Abendunterhaltung im Jahr 1874 im Restaurant Sonne an der Grabenstrasse.

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Die Wiler Kulturvereine traten früher im Landhaus auf. 

Ab 1880 begann sich das Hotel Landhaus als Unterhaltungsort zu profilieren. Verschiedene externe und lokale Musikkapellen konzertierten an der Unteren Bahnhofstrasse. 1916 trat die Stadtmusik Wil, die heutige Stadtharmonie, mit Marschmusik, Potpourrris und Overtüren auf, wie die Vereinschronik berichtet. Im Anschluss gab es das humoristische Schauspiel «D`Anarchiste».

Böhmische Musik 

An der Ecke Konstanzer-/Fürstenlandstrasse wurde im Pfauen ab 1875 ebenfalls Gastronomie und Kultur in Kombination angeboten. Die Stadtmusik St. Gallen war ebenso zu Gast wie die Tiroler- und Kärntner-Sängergesellschaft Alpenrose, die Musikgesellschaft Union Wyl, die vollständige Bürgermusik Gossau mit ihren 22 neuuniformierten Musikern, die «berühmte böhmische Musikgesellschaft», die Concordia Rorschach, die Blechharmonie Flawil und der Musik-Verein Eintracht Bichelsee.