1959 war ein bedeutendes Jahr für die Zuckenrieter Katholiken. Die neu erbaute Georgskapelle konnte durch den damaligen Bischof Josephus Hasler feierlich eingeweiht werden. Das Gotteshaus ersetzte eine im Jahr 1611 erbaute kleine Kapelle, die wegen Baufälligkeit abgerissen wurde, was heute wohl kaum mehr möglich wäre. Kapellpräsident Peter Imbach nahm im Festgottesdienst die Gelegenheit wahr, einen Blick zurück in die über 400-jährige Geschichte der Georgskapelle zu werfen. Er erwähnte auch, dass die Zuckenrieter Bevölkerung mit dem Fünfrappenverein und einer Sondersteuer massgeblich zum Bau der neuen Kapelle beitrugen. Grosse Verdienste erwarb sich dabei Leo Jung (1898 – 1983), der sich fast vier Jahrzehnte als initiativer Kapellpräsident und in anderen Ämtern für das Dorf und die Georgskapelle einsetzte. Die Leo Jung-Strasse und ein Gedenkstein beim Friedhof erinnern an ihn. Die Kapellgenossenschaft Zuckenriet ist eine der letzten eigenständigen Körperschaften im Bistum, wie auch der Bischof bemerkte.


Kapelle als Ort der Zuflucht

Am 50-jährigen Jubiläum vor zehn Jahren nahm auch der St.Galler Bischof Markus Büchel teil. Auch beim diesjährigen Jubiläum zeigte er mit seiner Teilnahme am Patrozinium seine Verbundenheit mit Zuckenriet. Der Festgottesdienst in der kürzlich renovierten Kapelle fand am letzten Samstagabend im April statt. Die geplante Prozession vom Standort der ehemaligen, kleinen Kapelle an der Dorfstrasse musste wegen stürmischen Winden und Regen abgesagt werden.

Beim feierlichen Einzug von Bischof Markus Büchel, dem Seelsorgeteam und den Ministranten war das Gotteshaus voll besetzt. Der Bischof zelebrierte die Eucharistiefeier, assistiert von Diakon Primo Grelli und Katechet Urs Vescoli. In seiner Predigt sprach er seine Verbundenheit mit Zuckenriet an, die vor vier Jahrzehnten begann, als er im Dorf Militärdienst geleistet habe. In einer Zeit, in der täglich von Krieg, Terror und Unglücksfällen berichtet werde, seien Gotteshäuser Orte der Zuflucht und des Vertrauens auf Gottes Liebe und Güte. Der heilige Georg sei als ein Kämpfer gegen Böses bekannt und sei für seinen Glauben eingestanden. Bischof Markus erinnerte an Ostern, als Jesus seinen Jüngern begegnete. In der Taufe werde die Verbundenheit mit Christus bewusst.


Berührende Gedanken im Gesang

Der Festgottesdienst wurde vom Johanneschor Niederhelfenschwil unter der Leitung von Bernhard Zingg mit Liedern aus der volkstümlichen Messe „I rüefe d’Sunne und de Mond“ umrahmt. Diese Gottesdienstmusik komponierte 2016 der in Uzwil wohnhafte Musiker und Komponist Roman Bislin-Wild mit Texten von Anton Rotzetter, die der ehemalige Uzwiler Pfarrer Georg Schmucki in eine Ostschweizer Mundartfassung umschrieb. Zur Eröffnung rief der Johanneschor den Wind und die Sonne an. An der Orgel spielte Antonia Widmer und die schöne Bläserbegleitung übernahm Diego Kienzler.

Zur Gabenbereitung von Brot und Wein rief der Chor nach göttlichem Feuer. Das Kommunionlied „Wenn du ghöre wötsch“ riet zum Hören auf das eigene Herz. Das Schlusslied „De echti Fride“ im beschwingten 7 / 8-Takt rief zum echten Frieden auf, und dabei in Liebe und Geduld aufeinander zuzugehen. Beim Apéro im Primarschulhaus, den die Brass Band Zuckenriet mit einem Ständchen bereicherte, bestand die Möglichkeit, mit dem Bischof persönlich ins Gespräch zu kommen.