Die Bürgerversammlung Zuzwil winkt alle Anträge des Gemeinderates durch, ausser den einen zur Bachsanierung. Auch einer Steuersenkung um drei Punkte wird zugestimmt, allerdings nicht diskussionslos.Stollen als Alternative
Um die Jahreswende hatte sich in der Gemeinde eine so genannte Ad-hoc-Gruppe gebildet, welche dem Vorschlag des Gemeinderates zur Bachsanierung eine Alternative gegenüberstellte, und zwar in Form eines Hochwasserstollens unter dem Kirchhügel. Die Idee fand in der Bevölkerung Anklang und wurde rege diskutiert.

Der Gemeinderat hatte prompt reagiert und in einem gedrängten Zeitplan durch zwei unabhängige Expertenbüros Abklärungen und Kostenberechnungen durchführen lassen. An der Vorgemeindeversammlung wurde die Öffentlichkeit über die Resultate informiert. Die Botschaft kurz zusammengefasst: Die Stollenvariante kommt mit rund 10 Millionen doppelt so teuer zu stehen wie die Sanierung mit etwa 5 Millionen Franken.

Grundlagen für Entscheidung gefordert
An der Bürgerversammlung sprachen sich mehrere Redner in einer konzertierten Aktion vehement für die vertiefte Prüfung eines Stollenprojekts aus und stellten dem Vorschlag des Gemeinderates zwei Anträge gegenüber. Die Argumentation der Behörde wurde in Frage gestellt mit dem Vorwurf, die Kosten für einen Stollen seien künstlich nach oben, jene für die Bachsanierung nach unten korrigiert worden.

Dass Bund und Kanton die Subventionsbeiträge auf der Höhe der Sanierungskosten plafonieren würden, konnte ebenfalls nicht nachvollzogen werden. Die bisherigen Abklärungen zum Untergrund unter dem Kirchhügel seien absolut ungenügend, die Zahlen dazu unbefriedigend. Genau diese seien als Grundlage aber unabdingbar für eine zukunftsträchtige Entscheidung.

Verschandelung des Ortsbildes
Weiter wurde argumentiert, dass die Ortsschutzbestimmungen mit der Sanierungsvariante nicht respektiert würden und die Wassermassen eines Jahrhundertereignisses mit einem sanften Eingriff nicht gebändigt werden könnten. Also gebe es eine massive Bachverbreiterung auf 12 Meter und eine Sohlenabsenkung auf 4 Meter. Für das Dorfbild sei das nicht vorteilhaft und mit den ISOS-Vorgaben (Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung) inkompatibel. Vorgärten, Gartenhäuschen, Hauszufahrten würden verschwinden und der Bach mit hohen Betonwände eingefasst.

Des Weiteren sei mit so vielen Einsprachen von Grundeigentümern zu rechnen, dass die Sanierung bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag hinausgezögert werde. Auch der Vergleich mit dem Uzwiler Stollen wurde als Referenz herangezogen. „Wer entscheiden muss, will mehr wissen, deshalb muss die Stollenvariante intensiver geprüft werden. Keine Variante ist keine Ausgangslage. Ein Jahrhundertprojekt darf auch etwas kosten und muss genauer abgeklärt werden.“ Dies ein paar O-Ton-Sätze der Stollen-Befürworter.

FDP-Präsident Jean-Daniel Sieber gelang es mit seinem Votum nicht mehr, die Anwesenden von zu hohen Kosten für weitere Abklärungen zu überzeugen. Gemeindepräsident Roland Hardegger legte im Anschluss nochmals die Beweggründe und Sichtweise des Gemeinderates dar und schritt schliesslich zur Abstimmung.

Klarer Auftrag an den Gemeinderat
Unter Anwesenheit von Regierungsrat und Bauchef Marc Mächler stimmten die Bürgerinnen und Bürger mit überwältigender Mehrheit dem ersten Antrag zu, der dem Gemeinderat den Auftrag erteilt, mit einem geeigneten anderen Fachbüro eine Machbarkeitsstudie für einen Stollen auszuarbeiten. Die Zustimmung zum zweiten Antrag, für die Studie sei ein Kredit von Fr. 110‘000.– zu sprechen, erfolgte ebenso klar.

Steuern werden erneut gesenkt
Wie vor zwei Jahren steht erneut eine Steuersenkung an. Der Vorschlag des Gemeinderates, den Steuerfuss um 3 Punkte auf 92 Prozent zu reduzieren, wurde mit wenigen Gegenstimmen gutgeheissen. Raffael Sarbach setzte sich im Namen der SP für eine Beibehaltung des aktuellen Steuersatzes ein, konnte das Stimmvolk aber nicht überzeugen.

FDP-Mann Michael Gschwend sprach sich für eine Senkung aus und führte aus, dass sogar 90 % verträglich wären. Angesichts der Herausforderungen und Unwägbarkeiten der kommenden Jahre sei aber eine moderate Senkung um drei Punkte angemessen.

Applaus für die Arbeit von Gemeinderat und Verwaltung
Rechnung und Budget wurden mit den erwähnten Retouchen mit wenigen Gegenstimmen genehmigt, die Sanierung der Oberdorfstrasse sogar ohne eine einzige. Die erfreulichen Zahlen und Entwicklungen, welche Schulratspräsident Meisterhans präsentierte, verkamen im Vergleich zu den Diskussionen um die Bachsanierung fast zur Randnotiz.

Nachdem der Gemeinderat eine grosse Kröte hatte schlucken müssen, endete die Bürgerversammlung mit einem versöhnlichen Applaus für die tägliche Arbeit der gesamten Gemeindeverwaltung.