Der Dorfbach fliesst mitten durch Zuzwil – und spaltet derzeit die Gemeinde auch im übertragenen Sinn. Zumindest, wenn es um dessen Sanierung geht. Einig ist man sich, dass der Dorfbach erneuert werden muss. Situationen wie im Juli 2015, als er bei einem Hochwasser im unteren Teil überlaufen ist, soll und darf es nicht mehr geben. Über die Form der Sanierung gehen die Meinungen aber weit auseinander – und das nicht erst seit heute.

Dies wurde auch am Infoanlass in der Zuzwiler Turnhalle am Dienstagabend deutlich. An diesem wurde der Entlastungsstollen erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Und zwar vom Gemeinderat, der eigentlich gar keinen solchen will. Aber der Souverän hatte der Behörde vor 15 Monaten aufs Auge gedrückt, für 110'000 Franken eine entsprechende Studie ausarbeiten zu lassen. Kernstück ist ein 525 Meter langer Micro-Tunnel unter dem Kirchhügel. Das Gestein in diesem ist heterogen und beinhaltet Schotter, Schwemmsand, weichen Lehm, Gletscherablagerungen und Fels. Das haben sechs Probebohrungen ergeben. Die Gesamtkosten sollen sich mit einem Stollen auf 17,7 Millionen Franken belaufen. Würde «nur» das bestehende Gerinne saniert, so wären dafür 8,1 Millionen einzuplanen. Unterschied: fast zehn Millionen Franken

Vergleiche mit Uzwil

Diese Zahlen sorgten am Infoanlass für Diskussionen. Die Stollenbefürworter zogen den deutlich längeren und grösseren Stollen in Uzwil als Referenz herbei, der in etwa gleich viel gekostet hat wie nun jener in Zuzwil kosten soll. Christoph Rüegg, der in Uzwil beim Stollenbau dabei war und nun mit der Firma Amberg Engineering das Zuzwiler Projekt ausgearbeitet hat, wies darauf hin, dass an der Uze «gutmütigeres» Molasse-Gestein vorhanden ist und man die beiden Projekte nicht miteinander vergleichen könne.

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Weil dieser Ordner mit dem Sanierungsprojekt des Dorfbachs noch nicht der Öffentlchkeit zugänglich gemacht wurde, musste Gemeindepräsident Roland Hardegger Kritik einstecken. (Bild: Simon Dudle)

Es wurde auch laut vorgerechnet, welche Auswirkungen der Stollen auf den Zuzwiler Steuerfuss haben könnte. Während das Ad-Hoc-Komitee, welches sich für einen Stollen stark macht, bei einer Abschreibungsdauer von 60 Jahren auf maximal zusätzliche 1,15 Steuerprozente pro Jahr kam, rechnete Hardegger mit etwa deren vier, da man laut Kanton ein solches Projekt in maximal 40 Jahren amortisiert haben müsse.

Perimeter-Beiträge sollen entfallen

Kritisiert wurde auch, dass der Gemeinderat das Projekt zur Gerinnesanierung bisher nicht offengelegt hat. Gemeindepräsident Roland Hardegger versprach, dies zu tun. Beim Ad-Hoc-Komitee wählte man deutliche Worte. So zum Beispiel Felix Looser, für den der Stollen ein «gewaltiger Mehrwert» wäre, da das Dorfbild in der Kernzone geschützt werden könnte. Er sprach von einer «schluchtartigen Absenkung», welche bei einer Sanierung des bestehenden Bachbetts vorgenommen würde. Looser prognostizierte ein «vergiftetes Dorfklima», wenn der Gemeinderat sein Projekt durchdrücken wolle. «Zuzwil würde überflutet. Und zwar von Einsprachen, Regressen, Rekursen und dergleichen», sagte der Komitee-Vertreter.

Am Dienstagabend wurde erstmals das weitere Vorgehen präsentiert. Am 20. Oktober kommt es in Zuzwil zu einer Urnenabstimmung. Dabei werden die Zuzwiler entscheiden, ob sie für 8,1 Millionen Franken die Bachsanierung oder für 17,7 Millionen Franken einen Stollen haben wollen. Zudem liess Hardegger verlauten, dass der Gemeinderat beabsichtigt, auf den viel diskutierten Perimeter-Betrag für Bachanstösser zu verzichten. Somit müssten nicht nur die Anwohner des Baches den Gemeindeanteil der Sanierung bezahlen, sondern alle Steuerzahler Zuzwils. Eines ist klar: Es wird noch viel Wasser den Dorfbach hinunterfliessen, bis dieser für ein nächstes Hochwasser geschützt sein wird.

Das meint hallowil.ch-Chefredaktor Simon Dudle zur Dorfbachsanierung.