Bei der dritten von insgesamt sieben Aufführungen des Theaters „Familie von Flüe“ in der Kirche Heiligkreuz konnten die sechs Laienspielerinnen und –spieler und die Erzählenden das Publikum tief berühren.Die Toggenburger Theatergruppe aus Kirchberg und Umgebung machte nach den ersten beiden Terminen in der Kapelle Müselbach einen Abstecher ins thurgauische Heiligkreuz. Dass sich dieser Entscheid gelohnt hat, zeigte der grosse Publikumsaufmarsch in der Kirche. Mit zusätzlichen Stühlen erweiterte der Mesmer das Platzangebot und dennoch war die Kirche bis auf die letzten Plätze gefüllt. Natürlich trug dazu auch der gute Ruf des Regisseurs Peter Bernhardsgrütter und weiterer Mitwirkenden aus der Nachbargemeinde Niederhelfenschwil bei. Vor und nach der Aufführung bot das benachbarte Restaurant Kreuz Speis und Trank an, was denn auch in der gemütlichen Gastwirtschaft gerne benutzt wurde. Beim regen Austausch würdigten die Teilnehmenden die ausgezeichnete Leistung der Darsteller.

Berührende Eigenproduktion
Regisseur Peter Bernhardsgrütter ist stolz auf sein Team. „Nach nur knapp zwei Monaten Probezeit waren die Schauspieler bereit. Besonders zu erwähnen ist die grossartige Leistung von Doris Scherrer, die als Dorothee mit über 180, zum Teil langen Texteinsätzen auf der Bühne agiert“. Die von ihm teilweise umgeschriebene und nach eigenen Vorstellungen angepasste Textvorlage komme als Theaterstück erstmals zur Inszenierung. Dabei konnte er auf die Unterstützung der Zuckenrieter Hugo Forrer (innere Stimme) und Pascal Egli (Bühnenbild und Technik) sowie Anna Rosa Rütsche (Maske) und Klärli Wick (Kostüme) zählen. Mit Alphornklängen umrahmte Roger Wiget das Stück. Stefan Segmüller und seine Tochter Lorena lockerten die schwermütige Geschichte mit Jodelgesängen auf und der Sänger erinnerte mit zwei Bruder Klaus-Liedern an den Schutzpatron der Schweiz, der im Stück einen zwiespältigen Eindruck hinterliess.

Ein Ja aus Liebe
Das Bühnenstück schildert das Leben der Familie von Flüe. Margrit Stadler erwähnt als Erzählerin, dass Niklaus von Flüe aufgrund von Überlieferungen ein geachteter Bauer und Politiker war. Er heiratete die vierzehnjährige Dorothee, die ihm zehn Kinder schenkte. Nach zwanzig Ehejahren verliess er die Familie und zog später in den Ranft, wo er als Einsiedler weitere zwanzig Jahre lebte. Auf der Bühne erinnert sich Dorothee im Dialog mit der unsichtbaren „inneren Stimme“, von Hugo Forrer gesprochen, an das karge Leben mit ihrem geliebten Mann. Zwei Nachbarn (gespielt von Urs Rütsche und Paul Gemperle) überraschen sie mit der Kunde, dass Niklaus wegziehe. Als verlassene Frau begründet sie bei ihren beiden ältesten Kindern Hans (Philipp Guldimann) und Lisabeth (Anita Huber) ihren Entschluss zu einem überzeugten Ja mit der tiefen Liebe zu Niklaus.

Innerer Kampf
„Es war das Schwerste, das ich je erlebt habe und ein innerer Kampf mit Gott und meinem Gatten“, bekennt sie im Gespräch mit dem Pfarrer (Sebastian Huber). Sie zitiert das von Bruder Klaus sehr oft gebetete „Mein Herr und mein Gott“. Der aufmüpfige Hans und seine Schwester Lisabeth können den Entschluss ihrer Mutter nur schwer akzeptieren und geraten sogar fast aneinander. Die ernste Geschichte um die liebende und starke Dorothee regt zum Nachdenken über die heutige Situation vieler Familien an. Es fehle oft der Wille zu einem Neubeginn und sich zu öffnen für die Nächsten. So sei das Theaterstück aktueller denn je, sagt Peter Bernhardsgrütter. Während dem ganzen Geschehen auf der Bühne herrschte in der Kirche Mäuschenstille.

Spieldaten:
Sa. 16. Sept. 19.30 Uhr Kapelle Müselbach
So. 17. Sept. 19.00 Uhr Kapelle Müselbach
Mo. 18. Sept. 19.30 Uhr Kirche Heiligkreuz (TG)
Mi. 20. Sept. 19.30 Uhr Klosterkirche Wattwil
Do. 21. Sept. 19.30 Uhr Kirche Libingen
Fr. 22. Sept. 20.00Uhr Kapelle Müselbach
Sa. 23. Sept. 19.30 Uhr Kirche Niederbüren
Fr. 29. Sept. 19.30 Uhr St. Otmarsberg Uznach