Die Gebrüder Daniel und Martin Hubmann haben die Erwartungen an der OL-EM im Tessin erfüllt. Beide Europameister fügen ihrer Bilanz jedoch auch ein „Aber…“ an. Die Medaille auf Langdistanz hatte Daniel nur wegen falscher Routenwahl verpasst.Für die WM und Weltcup bereit
Wer an der Heim-Europameisterschaft eine Medaille gewinnt, kann nicht unzufrieden sein. „Dem ist so“, bestätigt Daniel Hubmann die Einschätzung und fügt an, mit Einzel-Gold im Sprint und Staffel-Silber habe er die hohen Erwartungen wohl erfüllt, dürfe insgesamt zufrieden sein.

„Die Rennen haben mir gezeigt, dass ich physisch weiterhin mitzuhalten vermag“, so Daniel Hubmann. „Für den Weltcup oder die WM stimmt mich dies zuversichtlich.“ Nach einer kurzen Erholungsphase wird er am Samstag den GP Bern bestreiten.

Die verpasste Medaille
Die Bestnote 6.0 gibt sich der siebenfache Welt- und sechsfache Europameister trotz der neusten EM-Erfolge nicht. „Es wäre noch mehr möglich gewesen“, analysiert OL-Profi Hubmann selbstkritisch. „Auf der Langdistanz habe ich bei Posten 25 durch eine falsche Routenwahl und die Postensuche rund drei Minuten verloren. Am Ende lag ich zwei Minuten zurück. Es hätte also zumindest für eine Medaille reichen können. Dieser Fehler ist ein Wermutstropfen in der Bilanz.“

Auch über die Mitteldistanz wurde der „Trainer Leistungssport mit eidgenössischem Fachausweis“ durch eine technische Unsicherheit zurückgeworfen. Hat sich demnach der temporäre Aufenthalt im Tessin in einer von einem OL-Fan zur Verfügung gestellten Wohnung (nicht) ausbezahlt? „Schwierig zu sagen, was es sportlich effektiv gebracht hat. Aber es war in der Vorbereitung optimal, im Tessin ideale Trainingsbedingungen vorzufinden.“

Dritter ohne Medaille
Von der möblierten Wohnung profitieren durfte auch der jüngere Bruder Martin Hubmann. Er wurde mit dem Sieg in der Mixed-Staffel seinem Ruf, auf der Kurzdistanz schnell zu sein, wiederum gerecht. In der Vergangenheit wurde er deshalb bei Titelkämpfen vorwiegend in den Städten und nicht im Feld und Wald eingesetzt. Obwohl er sich wiederholt auch für Starts über die Mittel- und Langdistanz empfohlen hatte.

Inzwischen wissen alle, was Hubmann der Jüngere im Ausdauerbereich zu leisten vermag. Als Sechster klassierte er sich auf der Langdistanz direkt hinter seinem sechs Jahre älteren Bruder, brauchte genau eine Minute länger. Sein Wermutstropfen: Er verlor zu Beginn viel Zeit, fiel aus den Top 10 und fand (erst) auf der zweiten Streckenhälfte den Rhythmus. Aus dem Sprint-Spezialisten (Weltmeister, Vize-Weltmeister, Europameister) wurde im Tessin – nicht unerwartet - ein Allrounder.

Gefreuter Dritter auch ohne Medaille
Eigentlich kann Martin Hubmann ebenfalls zwei Podestplätze vorweisen. Mit Schweiz 2 wurde er im Staffel-Rennen hinter Schweiz 1 Dritter. Das Reglement besagt jedoch, dass pro Nation nur eine Equipe medaillenberechtigt ist. „Über die Leistung kann ich mich trotzdem freuen. Wir sind Dritte geworden. Mit oder ohne Medaille“, sieht der zu den Profis wechselnde Bauingenieur und bisherige Wissenschaftliche Assistent (50 %) die Sache mit dem Reglement nicht so eng.