«Ich war in den US-Staaten und verliebte mich auf Anhieb in diese Tiere.» So fasst Pascal Nyfeler seine mittlerweile siebenjährige Erfolgs- und Liebesgeschichte zu diesen Tieren zusammen. Wenn der Tuttwiler Züchter über die Geschichte der Texas Longhorn, ihren Ursprung vor vielen hundert Jahren, oder über die Schwierigkeiten eines Lebend-Imports aus Kanada oder den USA in die Schweiz spricht, blüht er auf. 

Bis heute haben die Texas Longhorn kaum etwas von ihrem Glanz verloren. Zwar waren sie zwischenzeitlich, der Weltgeschichte geschuldet, etwas weniger interessant für Züchter und Farmer. Einmal stand die Rasse sogar am Rande eines Aussterbens. Dank umsichtigen Züchtern wie Pascal Nyfeler (30) sind die dank ihren langen Hörnern auffälligen Tiere auch vermehrt in Europa und der Schweiz zu sehen. Nyfeler gilt in Fachkreisen als Vorreiter bei Import und die Zucht von Texas Longhorn in der Schweiz.

Schuld ist die Route 66

Es war im Jahr 2013, als Pascal Nyfeler mit dem Auto auf der berühmt-berüchtigten Route 66 fuhr und zum ersten Mal eine Texas Longhorn erblickte. «Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Für mich war sofort klar, dass ich mich über diese Rasse informieren muss. Ich fand heraus, dass es damals in Europa eigentlich noch fast keine Texas Longhorn gab. So waren wir die Ersten, die Lebendimporte aus Kanada organisierten.» Rund 25 Tiere fanden den Weg in die Schweiz und teilten sich – nach zwei vorangegangenen Quarantänen in Kanada und der Schweiz – zwischen fünf Züchtern auf. «Die erste Kuh (mittlerweile mit eigenem Kalb) und ein Rind leben heute noch bei mir», sagt Nyfeler. Während er das erzählt, verfüttert den dreien trockenes Brot.

Die Spannweite zwischen den Hörnern ist imposant. Zwischen 250- bis 280 Zentimeter kann sie laut Nyfeler betragen. «Die Hörner sind selbstredend das Auffallendste an diesen Tieren. Kaum ein Fussgänger, der an meinen Tieren vorbeigeht, ohne ein Foto zu schiessen oder mir Fragen zu stellen.» Wann immer er die Zeit dafür hat, beantwortet der junge Züchter die Fragen breitwillig und mit seinem ganzen Fachwissen.


Vielfarbig, ruhig und sympathisch

Da die Texas Longhorn in unseren Breitengraden nicht eher unbekannt sind, werden Pascal Nyfeler oft Fragen zu Farben und Fleisch gestellt. «Farblich ist in einer Zucht alles möglich. Vielfach verändert sich die Farbe des Fells im Laufe der Jahre. Weil es arm an Fett Cholesterin ist, ist das Fleisch sehr gefragt.» Nyfeler selbst geniesst ein gutes Stück Longhorn-Fleisch am liebsten vom Grill und nur spärlich gewürzt. Auf die Frage, ob die langen Hörner für Mensch und Tier nicht gefährlich sind, winkt der Fachmann ab. «Für Menschen und Artgenossen sind diese Langhörner eher weniger gefährlich einzustufen als die kurzen, spitzigen Hörner der uns hier bekannten Rassen.» 

Tatsächlich sind die Tiere auch einem «Fremden» gegenüber augenscheinlich wohlgesinnt. Die Tiere, die Nyfeler in Gruppen von April bis Anfang Winter weiden lässt, geniessen es auch, wenn sie gestreichelt werden. Die Milch der Kühe wird ausschliesslich für die Kälber gebraucht. «Eine Longhorn-Mutterkuh produziert im Vergleich zu den hier bekannten Rassen weniger Milch; nur so viel, dass es für ihr Kalb reicht.» 

Nyfeler verkauft Zucht- und Schlachttiere. Der Import sei ein teures Unterfangen. «Nichtsdestotrotz importiere ich immer wieder Munis für neues Blut in meiner Zucht.» Sein Stall in Tuttwil sieht nicht anders aus als andere Ställe; Eine weiche Unterlage, genug zu fressen und genügend Freiraum für die langen Hörner.  Wobei: Für die Haltung von Texas Longhorn wird nicht unbedingt mehr Platz benötigt, sagt Nyfeler. Er betont, dass die Tiere so geschickt mit ihrer riesigen Spannweite umgehen, dass bauliche Massnahmen gar nicht erst nötig werden.

Keine Zeit für Langeweile

Langeweile ist Pascal Nyfeler fremd. Nebst seinen Texas Longhorn Tieren besitzt er Legehennen und rund 50 Papageien. Regelmässige Besuche im Fitnesscenter sorgen dafür, dass er körperlich fit bleibt und verschaffen ihm in seinem Nebenjob als Security-Mitarbeiter Respekt. Hauptberuflich arbeitet er bei Anicom, einer Vermarktungs-Agentur der Schweizer Bauern, im Aussendienst. Fast scheint es, als hätten Nyfelers Tage 25 Stunden. Alles unter einen Hut zu bringen brauche planerisches Geschick und absolute Hingabe den Tieren gegenüber. Das Poesiealbum-Motto «Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum», trifft beim sympathischen Hinterthurgauer voll ins Schwarze.

Die Geschichte der Texas Longhorn

Die Rinderrasse der Texas Longhorn entwickelte sich in Amerika, wo sie sich optimal der rauen Gegend anpasste. Die langen Hörner bildeten sich wegen der Dornen und Büsche des Wilden Westens. Um 1900 war die Rasse vom Aussterben bedroht, da sie mit anderen eingewanderten Rassen gekreuzt wurde. Im Jahre 1927 wurden die Texas Longhorns in Oklahoma und Nebraska unter Schutz gestellt und 1964 wurde in Amerika die erste Züchtervereinigung gegründet. Heute umfasst das Herdebuch mehrere tausend Tiere.

Die Texas Longhorns haben sowohl punkto Zucht als auch Fleischproduktion grosses Potenzial. Der niedrige Cholesterin-Fettgehalt und der sehr tiefe Kalorienwert begünstigen eine gesundheitsbewusste Ernährung. Die Tiere sind sehr intelligent und lernfähig, sie werden eingespannt und teilweise sogar geritten.

Die Swiss Texas Longhorn Association, STLA, mit Gründung im Jahr 2005, ist der erste Zuchtverband für die Rinderrasse der Texas Longhorn in der Schweiz, gar in Europa. Pascal Nyfeler amtet im Vorstand als Kassier. (Quelle: STLA)