Aadorf – Das weihnachtliche Ambiente auf dem Gemeindeplatz gehörte eigentlich nicht ins Programm des WSP Events, dennoch berührte das stimmige Bild vor dem Eingang. Dass der WSP Event nach der letztjährigen Absage in diesem Herbst nun durchgeführt werden konnte, freute nicht nur das engagierte OK des Anlasses, sondern auch die erwartungsvollen Gäste aus Nah und Fern. Wie gewohnt zog der hochkarätige Event, welcher gleichzeitig das zehnjährige Jubiläum feiern darf, riesiges Interesse auf sich. Kulinarisch begann das hochstehende Erlebnis für rund 180 Gäste bereits beim Apéro im Foyer. Die exklusive Auswahl feinster Häppchen vom Hotel Restaurant Heidelberg wusste vollends zu begeistern. In engagierter und professioneller Art und Weise ist es dem motivierten OK-Team wiederum gelungen, interessante wie sympathische Referenten ins Gemeindezentrum zu holen. Susanne Vincenz-Stauffacher (Nationalrätin), Michèle Mégroz (CEO der CSP AG) und der ehemalige Skirennfahrer Marc Berthod lieferten sich mit dem bravourös auftretenden Lukas Studer einen unkomplizierten und offenen Schlagabtausch zum Thema «Druck – Fluch oder Segen».

Ein vielschichtiges und aktuelles Thema

Nebst der hochkarätig besetzten Gesprächsrunde zeigte sich auch das aktuelle Thema «Druck – Fluch oder Segen» äusserst facettenreich. Der Druck von aussen und der Druck, den wir uns selbst auferlegen, nimmt ständig zu. Das kennt auch der souverän durch den Abend führende Lukas Studer zur Genüge. Abergläubisch sei er nicht, dennoch begleite ihn der Glücksstein, vor zwei Jahren von Guy Lachappelle erhalten, Tag für Tag. Und dieser habe ihm, genauso wie seine ehemalige Trikotnummer 15 beim Fussball schon Glück gebracht. Der Inbegriff von mit Druck umgehen können, sei für ihn jedoch die fantastische Siegesfahrt im Slalom von Marcel Hirscher an der Ski-WM 2013 in Schladming gewesen. Wenn Zehntausende Fans vor Ort nur das eine wollen und den Sportler damit fast zerstören, sagte Studer. Locker und beschwingt kam Susanne Vincenz-Stauffacher auf die Bühne. Als Politikerin und Anwältin mit eigener Praxis arbeitet die FDP-Politikerin unter Druck am effizientesten. «Ich brauche das Messer am Hals. Positiven Druck erhalte ich ab und zu auch von meinem überpünktlichen Mann, der meistens schon 15 Minuten vor mir loszieht, wir treffen uns dann beim Apéro», meinte die St. Galler FDP-Politikerin lebhaft. Das mitgebrachte Jasskarten-Set mit ihrem Konterfei sei eine grosse Leidenschaft von ihr. Beim Spielen könne es schon einmal lauter werden. Mit seiner mutigen Ansage, dass er sie beim Spielen im Griff habe, legte sich Sitznachbar Marc Berthod gleich den ersten Druck auf.

Druck kann beflügeln aber auch blockieren

Michèle Mégroz unterscheidet positiven von negativem Druck. Persönlich sei sie für Kurzfristigkeit, denn wenn vor einem Termin viel freie Zeit bleibe, gehe das in negativen Druck über. In ihrer Führungsposition als CEO der CSP AG erlebt die Wirtschaftsvertreterin Druck nicht als Massstab für eine bessere Leistung. Die Verbindung zum Berufs- und Privatleben bezeichnete Mégroz jedoch als Gratwanderung. Entspannung findet sie in abenteuerlichen Skitouren – am liebsten allein. «Aufwärts geht alles gut, abwärts wird’s schwieriger», meinte sie lächelnd. Ihr persönlicher Gegenstand, ein Lawinen-Suchgerät, kommt daher nicht von ungefähr. Was Studer gleich zu einer neckischen Gegenfrage animierte. Der mit weisser Plastiktüte eintreffende Marc Berthod bekam vom aufgestellten Moderator auch gleich sein Fett weg. «Ist das ein Requisit deines Brückenlebens», fragte Studer. Um dann gespielt erstaunt zu erkennen, dass der Beutelinhalt aus ein paar ausgedienten Skischuhen respektive deren Innenleben bestand. Den zehnjährigen Einsatz derselben quittierte er leicht spöttisch mit «eine starke Verbindung». Ein gewisser Druck gehört für Berthod dazu. «Gerade beim Start beflügelt er mich», sagte er. «Wenn die Erwartungshaltung vom Publikum grösser und grösser wird, kann der Druck aber auch hemmen», gab er offen zu. Stets mit neckischem Seitenblick zum Moderator brachte Berthod seine abenteuerlichen Skifahrer-Anekdoten rüber. Frenetischen Applaus und Gänsehaut pur gab es gegen Schluss bei der eingespielten Videopräsentation vom Januar 2007 in Adelboden. Völlig unerwartet konnte Marc Berthod mit der Startnummer 60 den Slalom für sich entscheiden.

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Auch Irma und Urs Schatt (vorne) liessen sich den hochstehenden Event im Aadorfer Gemeindehaus nicht entgehen.


Nicht jeder mag dich!

Das Leben in der Öffentlichkeit habe auch seine Schattenseiten. Das sei nichts für Zartbesaitete. «Nicht alle mögen dich», weiss Susanne Vincenz-Stauffacher. Das bekam die engagierte Politikerin bei den Ständeratswahlen zu spüren, als ihre Strassenplakate bösartig verunglimpft wurden. «Meine zwei Töchter brachten das Ganze mit der Spraydose wieder in Ordnung». Gerade kürzlich habe sie wieder Schmähbriefe erhalten. Diesen negativen Druck gelte es auszuhalten. Der Druck als Mutter und Berufsfrau sei enorm. Bei der Erinnerung, dass eine ihrer Töchter 2016 beim Attentat in Nizza nur ganz knapp dem Tod entkommen ist, kommen Emotionen hoch. Mit dem Druck im Berufsleben könne sie gut umgehen, im Privaten eher weniger. Sport ist für Susanne Vincenz-Stauffacher kein Ausgleich zum Berufsleben. «Sport stresst mich», meinte sie lachend. Auch das Skifahren habe sie bald wieder aufgegeben. Sie laufe lieber mit ihrem Hund durch die Gegend oder gehe Langlaufen. Blitzschnell und charmant flocht sie gleich Werbung für die Hundeloipe im Toggenburg ein. Die Leidenschaft fürs Langlaufen teilt Marc Berthod nicht. Dann schon eher Eishockey, lachte er.

Jeder geht anders mit Druck um

Das dritte Thema befasste sich mit der Frage, ob sich Führungspersonen bei hohem Druck im Team austauschen dürfen. Für Michèle Mégroz ist das kein Problem, in ihrem Unternehmen herrsche eine offene Kultur, sagte sie. Susanne Vincenz-Stauffacher sieht das in ihrem Fall etwas anders. In der Politik sei es nicht sinnvoll, zu viel Privates preiszugeben. Die Hemmschwelle sei somit sicher grösser als in der Wirtschaft, betonte sie. Ins gleiche Horn bläst auch Marc Berthod. Belastende Situationen seien kein Thema für ein Abendessen. Und würden auch nicht mit Berufskollegen diskutiert. Am Schluss des Abends war klar, auch wenn durchaus einige Parallelen auszumachen waren, gehen die drei Podiumsgäste unterschiedlich mit Druck um.

Herrliche Wortspielerei, humorvoll, spritzig und unterhaltend

Die Verbindung von sehr sympathischen und gesprächsbereiten Gästen und einem exzellent moderierenden Lukas Studer machte den diesjährigen WSP-Event zu einem hochstehenden wie äusserst unterhaltsamen Abend. Den ultimativen Schlusspunkt setzte der Kunstschaffende Valerio Moser. In einem kabarettistischen Feuerwerk liess er die hochspannende Diskussionsrunde noch einmal Revue passieren, was die geladenen Gäste mit einem langanhaltenden Applaus quittierten. Mit kulinarischen «Heidelberg-Versuchungen», serviert von den gutgelaunten Spielerinnen des VBC Aadorf, gutem Wein und angeregten Gesprächen fand der professionell organisierte WSP-Abend später seinen erfolgreichen Abschluss. Mit dem Erlös des Events wird die Sporthilfe Schweiz und der VBC Aadorf unterstützt.

Christina Avanzini