Mit der Sanierung der Mörikonerstrasse packen Zeno und Hanna Stadler die Gelegenheit und realisieren einen Tunnel für ihre Kühe um sich, den Verkehrsteilnehmern und schliesslich ihren Kühen das Leben zu erleichtern.
Zeno Stadler kennt die Situation als Landwirt an der Stadtgrenze nur allzu gut. Seine Familie betreibt in vierter Generation den Betrieb Schweizerbund in Bronschhofen, nahe der Stadtgrenze zu Wil. Zeno selber wuchs hier auf und weiss, wie schwierig es heute ist, mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen über die Strassen in seiner nächsten Umgebung auf seine Felder zu kommen. Er ist sich bewusst, dass sich der Verkehr alle 20 Jahre ungefähr verdoppelt und hautnah hat er das Verkehrsaufkommen auf der angrenzenden Autobahn (A1) und dem vor ungefähr 15 Jahren realisierten Kreisel vor seinem Hof miterlebt. Bis vor einigen Jahren war der Verkehr Richtung Bronschhofen, bei der Kirche Dreibrunnen vorbei, noch ertragbar, erklärt er bei einem Augenschein. Doch in den vergangenen Jahren habe der Verkehr auch auf dieser Nebenstrasse extrem zugenommen. Zumindest zu den Stosszeiten am Morgen, Mittag und Abend sei an ein Überqueren mit Tieren überhaupt nicht zu denken. Die Strasse darf mit 80 Stundenkilometern befahren werden, da Stadler’s keine unmittelbaren Nachbarn haben und die Mörikonerstrasse als Ausserortsstrecke taxiert ist. Die hohe Geschwindigkeit mache die Sache noch gefährlicher.

Nützt auch der Allgemeinheit
Weil sie Situation beim Überqueren der Strasse mit den Kühen immer schwieriger wurde, haben Zeno und Hanna Stadler schon länger mit dem Gedanken gespielt, einen Kuhtunnel unter der Mörikonerstrasse zu bauen. «Wir sind immer zu zweit beim Überführen, sperren mit einer Schnur auf der einen Seite die Strasse ab und auf der anderen Seite steht meist Zeno und sorgt dafür, dass die Kühe rasch über die Strasse marschieren,» erzählt Hanna. Das Ganze dauert meist nur zwei Minuten, trotzdem müssen sie sich öfters bissige Bemerkungen von ungeduldigen Automobilisten anhören, die sich über die Wartezeit ärgern. Selbstverständlich achten Stadler’s immer darauf, ihre Kühe nicht zu den Stosszeiten über die Strasse zu führen und bei Dunkelheit stellen sie grosse Scheinwerfer auf, damit die Kühe gut sichtbar sind. Als sie nun gehört haben, dass die Mörikonerstrasse in den nächsten zwei Jahren saniert wird, hat Zeno Stadler die Gelegenheit gepackt und mit den zuständigen Stellen Kontakt aufgenommen. Die Baueingabe sei akzeptiert worden und die Einsprachefrist sei bereits vor einem Monat abgelaufen. «Der Tunnel nützt vor allem der Allgemeinheit», ist er überzeugt, deshalb sieht er auch kein Problem in der Umsetzung, zumal das Bauprojekt aus seiner eigenen Tasche berappt wird. Er rechnet mit Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich.

Auch für Fussgänger
Der Tunnel wird 15 Meter lang und drei Meter im Durchmesser breit sein. Es ist ein grosses Stahlrohr, das in den Boden verlegt wird, erklärt der Bauherr. Der Tunnel wird von der Hofseite unter der Strasse hindurch auf die andere Seite verlegt und von dort können die Kühe auf zwei verschiedene Wiesen direkt geführt werden. Der Tunnel wird eine geringe Steigung aufweisen, die sowohl für die Kühe, aber auch für die Reinigung praktisch ist. Für Maschinen wird der Durchgang zu klein sein, hingegen sollen zwei Kühe bequem nebeneinander durch den Tunnel gehen können. Auch Fussgänger können ihn benutzen. Stadler nimmt an, dass der Tunnel innerhalb eines Monats gebaut wird, da bei der Sanierung die Strasse komplett gesperrt werden soll. Wann das Projekt umgesetzt wird, weiss er allerdings nicht. «Wir hoffen, sobald als möglich», auch wenn die Sanierung der Mörikonerstrasse wieder ein grösseres Verkehrsaufkommen bringen wird, sind wir doch glücklich, wenn wir dann mit dem Kuhtunnel bessere Bedingungen für uns, die Kühe und die Allgemeinheit erreichen konnten.