Auch wenn viele Menschen sich an Familie Johler und ihre Fellnasen erinnern: Viele Leute sehen die illustre Schar zum ersten Mal. Denn die Familie lebte zwischen 2013 und 2017 in Bichelsee – und ist im März zurückgekehrt. «Wir treffen viele interessierte Spaziergänger und Wanderer. Deren Fragen und die oft interessanten Begegnungen freuen uns. Denn so können wir das oft falsche Bild von Eseln korrigieren», sagt Conny Johler.

Auch würden viele Menschen, die für ihre Rasse eher gross gewachsenen Hausesel für Maultiere oder Maulesel halten. «Doch während Maultiere und Maulesel eine Mischung aus Esel und Pferd sind, handelt es sich bei unseren Tieren um Hausesel. Allerdings muss ich zugeben, dass unsere Tiere schon ein bisschen grösser sind als die meisten anderen in der Schweiz anzutreffenden Esel», sagt Conny Johler.

Nicht zum Reiten

Eine der häufigsten Fragen lautet: «Kann man die reiten?» Conny erklärt: «Nein. Reiten im eigentlichen Sinn ist nichts für Esel.» Der Grund: Esel sind schmal gebaut, haben einen langen Rücken – und sind vom Körperbau her keine Lasttiere. Sollen sie gesund alt werden, sollte man selbst gut trainierten und korrekt gebauten Eseln keine Lasten von mehr als einem Fünftel ihres Körpergewichts zumuten. «Unsere Esel wiegen etwa 250 Kilogramm. Daher können Kinder durchaus auf dem Esel sitzen und durch die Gegend geführt werden. Erwachsene aber sind zu schwer.»

Auch der Hund und die Katze, die wie die Esel bei Johlers ein tierliebes Zuhause haben, klettern schon mal auf die Rücken der Esel – wie bei den Bremer Stadtmusikanten. Das beschert Familie Johler samt Eseln bisweilen öffentliche Auftritte wie Conny Johler berichtet. «Ab und zu sieht man uns mit den Tieren in Altersheimen, Kindergärten oder Schulen, aber auch bei Festen, Film- und Fotoaufnahmen, an Kursen für Führungskräfte oder an einer Gewerbeausstellung. 2019 waren wir an der Olma präsent. Wir nehmen gerne solche Plattformen an, informieren über die Esel und geniessen es mit anderen zusammen, wenn die Welt sich für einmal etwas langsamer dreht.»


Störrischer Esel?

Dazu muss man wissen: Die Esel der Johlers sind Sportskanonen und topfit, denn Wanderungen und lange Strecken gehören zum liebsten Hobby der Familie. «2017 wanderten wir einen ganzen Monat, einfach für uns – als Ferien. Auch sonst nutzen wir fast jede freie Stunde, um mit den Tieren zu wandern. Nur selten kommen andere Leute mit. Die Esel sind unser Hobby. Sie erarbeiten nicht unseren Lebensunterhalt. Daher machen wir alles, was den Esel von seiner guten Seite zeigt. Auch unser Fitnessprogramm wird durch die Esel bestimmt. Im Mai rannte ich mit zwei Eseln eine Strecke von 24 Kilometer, als persönlichen Wettkampf», erzählt Conny Johler.

Womit sie zugleich das hartnäckige Gerücht vom sturen, lauffaulen Esel widerlegt. «Natürlich haben wir extra die nicht sture Eselsorte mit speziell grossen Ohren», lacht sie – und erklärt dann: «Esel sind nicht grundsätzlich störrisch. Sie sind einfach immer nur genauso störrisch wie der Mensch am anderen Ende des Führstricks. Der Esel schätzt zuerst ab, ob er jemandem vertrauen kann.»

Esel-Logik: Ganz schön clever

Und woher kommen die Anekdoten von Eseln, die nicht vorwärts wollen? «Um dieses Verhalten zu verstehen, muss man die Natur der Esel anschauen. Esel sind, wie Pferde, Fluchttiere. Sie stammen aber aus Wüstengebieten. Dort einfach kopflos davonzurennen, bedeutet Lebensgefahr. Auch sind Esel langsamer als Pferde, könnten einer Gefahr nicht zwingend immer davonlaufen. Daher überlegen Esel, schätzen die Bedrohung ab – beispielsweise vor einer Brücke. Der Esel will nicht ins Wasser fallen und weiss nicht, ob die Brücke stabil genug ist. Nach Esel-Logik heisst die Lösung: ‹Such einen Weg, der am Wasser vorbeiführt», sagt Conny Johler.

Jörg Rothweiler