Alternative Energien sind in aller Munde. Mit dem Branchentreff wollte die Gemeinde Uzwil neben der laufenden Beratertätigkeit im Energiebereich Anstoss geben für mehr Verständnis was hinter den Technologien verborgen ist und wie der Einsatz von Elektromobilität sich schweizweit und international entwickelt. In seiner Begrüssung wies Verwaltungsleiter Thomas Stricker auf die bereits laufenden Anstrengungen seitens der Gemeinde hin wie die Nutzung von Elektro-Autos auf Gemeindegebiet. Im Förderbereich hätten sie im 2017 70 Vorhaben für Energiesparmassnahmen mit 300'000 Franken gestützt. Neben 33 Solar-, 12 Batterieanlagen seien auch 11 Haussanierungen darunter. Keine Förderbeiträge gebe es für Elektrofahrzeuge.

Elektromobilität löst nicht alle Probleme
Urs Schwegler von E-Mobile machte zur Markteinführung von Elektro-Fahrzeugen deutlich, dass sich darin die Chance biete, nicht mehr von fossilen Brennstoffen abhängig zu sein. Hinzu kommt nach Schwegler, dass bei Elektro-Fahrzeugen der Wirkungsgrad bis zu 4-fach besser ausfalle. Zum Stromverbrauch könne man ebenso beruhigen. Wenn z.B. alle Fahrzeughalter auf Elektro umstellen würden, käme dies einem 10 bis 15 Prozent höheren Strombedarf gleich. Das sei allerdings keine Bagatelle, dafür positiv die wegfallende Abhängigkeit. Zu bedenken gab Schwegler weiter, dass mit Elektro-Fahrzeugen keine Verkehrsprobleme gelöst werden.

Energie speichern noch entwicklungsfähig
Schwegler wies weitergehend auf die Entwicklungsschritte hin. Erste Elektro-Fahrzeuge haben Mitsubishi und Tesla auf den Markt gebracht. Bisher lief es über Hybrid-Fahrzeuge mit zusätzlichem Benzinmotor, bis 2020 könne mit reinen Elektro-Autos mit grösserem Aktionsradius gerechnet werden. Schwegler konnte an Hand von Grafiken auf die steigenden Zahlen bei Neuzulassungen bei Elektro-Fahrzeugen hinweisen. Bezüglich Förderung von Elektro-Fahrzeugen werde China bald einmal die Spitzenposition übernehmen.

Schrittweise Entwicklungen hat die Batteriespeicherung hinter sich. Erste Batterien konnten 30 kWh aufnehmen, Bei Jaguar gibt es unterdessen 90kWh-Speicher. Weil Batterien teuer sind, sollten sie auch als Solarspeicher im Haus genutzt werden. Probleme sind nach Schwegler weiterhin die teils längere Ladezeit für Batterien, wenn keine Schnellladestationen vorhanden sind.

Einschätzungen zum Energieverbrauch und Rohstoffvorkommen
Mit dem Beizug von Marcel Gauch von der EMPA St. Gallen erhielten die Anwesenden eine tieferen Einblick über die Zusammenhänge beim Einsatz von Energieträgern und wie es mit Rohstoffen für Solaranwendungen auf lange Sicht aussieht. Gauch nahm die Entwicklung des Alls beim Urknall beginnend zum Anlass, um Klarheit über die Herkunft der Rohstoffe auf dem Planet Erde aufzeigen zu können. Wenn wir z.B. Erdöl verbrennen müsse man sich im Klaren werden, dass der Jahresverbrauch von Erdöl drei Mio. Jahre Entwicklungszeit hinter sich hat. Die Elementenbildung für die verschiedenen Metalle hätten Generationen von Sternebildungen und -Explosionen hinter sich. Das für Batterien notwendige Lithium sei bereits zur Zeit des Urknalls entstanden, andere Metalle viel später.

Die Verfügbarkeit von Metallen sei eigentlich über den ganzen Planet relativ gleichmässig vorhanden. Einzig Kobalt sei auf dem afrikanischen Kontinent in deutlich grösserer Menge vorhanden. Das Wissen müsse verstärkt einsetzen, dass alle Stoffe nicht unbegrenzt verfügbar sind. Es bedürfe einer verstärkten Kreislaufbildung, um die Werkstoffe nach dem Lebenszyklus eines Gerätes wieder zurück zu gewinnen.

Mobilität und Rohstoffeinsatz
Marcel Gauch kritisierte die zahlreichen Fehlinformationen über Solarenergie und Batteriespeicher, welche teils gar als wissenschaftlich fundiert im Umlauf seien. Weil die Studien zu pessimistisch ausgefallen seien, habe die Autoindustrie länger nicht auf Elektro-Antriebe umgeschaltet. Gauch prognostizierte, dass bis 2025 jedes 10. Auto mit Elektro-Antrieb unterwegs sei, bis 2035 gar 50 Prozent aller Fahrzeuge.

Bezüglich Lithium wies Gauch darauf hin, dass das Metall keineswegs nur in geringen Mengen vorkomme. Lithium könne man überall finden. Ausserdem mache der Anteil Lithium in einer Batterie wenige 2 Prozent aus. Viel grösser sei der Anteil Kupfer und Aluminium. Der Batterietrend laufe zudem in Richtung Schwefel-Natrium-Magnesium. Es gehe auch um die Reduktion von Kobalt. Jedenfalls werde die Speicherung von Energie zu einer grossen Herausforderung werden.

Nach Marcel Gauch gilt es verstärkt neue Ideen zu wagen. Noch immer ständen viele Entscheidungsträger auf der Bremse und behinderten so den Fortschritt. Die nachfolgende Diskussionsrunde wies in die gleiche Richtung, dass die Energieerzeuger vermehrt mit Batterieherstellern und der Autoindustrie kooperieren sollten.

Bereits am kommenden 8. September bietet sich auf dem Raiffeisenplatz Niederuzwil die nächste Gelegenheit, sich über Solaranwendungen und Elektro-Fahrzeuge ins Bild zu setzen.