Es sind schwierige Zeiten für die beiden Eishockey-Klubs der Region Wil. Sportlich bewegen sie sich in der 1. Liga zwar in ihren Möglichkeiten. Der EC Wil grüsst von Platz zwei, der EHC Uzwil darf trotz eines Rumpfteams mit nur 15 Spielern auch drei Runden vor Schluss der Qualifikationsphase noch immer hoffen, die Playoffs zu erreichen. Mit dem Abstieg dürfte er nichts zu tun haben.

Doch neben dem Feld rumort es gehörig – und zwar bei beiden Vereinen. Beim EC Wil sind in kurzer Zeit drei Vorstandsmitglieder entlassen worden oder zurückgetreten. Zudem kann er Amortisationszahlungen an die Stadt Wil für die Eishalle Bergholz der Jahre 2017 und 2018 in der Höhe von 64'000 Franken nicht berappen. Immerhin wurde im Verlauf der Woche bekannt, dass mit Roger Dietschweiler ein neuer Präsident in den Startlöchern steht und mit Daniel Knecht ein weiterer Unternehmer bereit ist, im Vorstand mitzuwirken. Am Samstagnachmittag wird der EC Wil an einer Pressekonferenz Details über die Zukunft bekanntgeben.

«Leben von der Hand in den Mund»

Unruhig ist es aber nicht nur beim EC Wil, sondern auch beim EHC Uzwil. Diese Woche traten Vereinspräsident Philipp Herzog, Vizepräsidentin Leila Saladin und Sportchef Patrick Ammann vor die 1. Mannschaft uns mussten erklären, dass die finanzielle Situation äusserst angespannt ist. Zwar ist der Klub laut Herzog bis Ende Dezember seinen Verpflichtungen nachgekommen. Ob das bis zum Saisonende weiterhin der Fall sein wird, steht aber in den Sternen. Denn dem Verein geht das Geld aus.

Zwei Hauptpunkte sorgen für die finanzielle Schieflage. Einerseits schleppt der Verein einen Schuldenberg mit. An der letzten Hauptversammlung wurde ein Minus von 160'000 Franken ausgewiesen – und von den Mitgliedern nicht abgenommen. Laut Herzog ist die Summe gar höher und dürfte sich auf 250'000 Franken belaufen. Andererseits sind die Ausgaben zu hoch. So wird für die laufende Saison mit einem Verlust «in mittlerer fünfstelliger Höhe» gerechnet, wie es Herzog formuliert. Will heissen: Der Schuldenberg dürfte rund 300'000 Franken hoch sein Ende Saison. «Wir leben von der Hand in den Mund. Ich bin mittlerweile jede Woche auf dem Betreibungsamt», sagt Herzog. Unlängst habe ein grösserer fünfstelliger Betrag an das Betreibungsamt abgeliefert werden müssen, um Pfändungen zu bezahlen.»

Offene Vorwürfe an den Vorgänger-Präsident

Und dann wählt Herzog deutliche Worte in Richtung seines Vorgängers, Ugur Uzdemir. Dieser habe versprochen, bis Ende des Jahres 2018 eine «schwarze Null» zu hinterlassen. Dies sei schriftlich in einer Vereinbarung festgehalten worden. «Doch die Zahlung, um die Schulden zu begleichen, ist nicht erfolgt», sagt Herzog. Uzdemir entgegnet zu den Vorwürfen: «Ein grosser Teil der Spieler aus der vergangenen Saison wurde bezahlt, ebenso einzelne Kreditoren. Total sind es 60'000 Franken. Dazu kam im Dezember 2018 ein Betrag von 40'000 Franken für die Spesen der Mannschaft. Der EHC Uzwil schuldet mir 150'000 Franken, welche ich immer noch nicht gefordert habe.»

Der EHC Uzwil steht einmal mehr vor einer ungewissen Zukunft. Alle Vereinbarungen mit den Spielern laufen Ende April aus. Da der Verein das Budget hinsichtlich der nächsten Saison deutlich reduzieren muss, wird auch bei der 1. Mannschaft der Rotstift angesetzt. Welche Spieler dies mitmachen und welche nicht, bleibt abzuwarten. Als es am Tag nach dem Gespräch mit dem Team zum Auswärtsspiel nach Reinach ging, waren alle Spieler in den Bus gestiegen und hatten sich im Aargau beim 6:1-Sieg ordentlich verkauft.

Freiwilliger Abstieg ist kein Thema

Für Herzog ist klar, dass der EHC Uzwil auch nächste Saison in der 1. Liga spielen soll. Er sagt: «Wir haben es durchgerechnet. Der Unterschied bei den Kosten macht zwischen der 1. Liga und der 2. Liga nur ein paar tausend Franken aus. Auch keinen Sinn macht, freiwillig in die 4. Liga abzusteigen und dort neu zu beginnen. Es wäre schwierig, eine Mannschaft zusammenzustellen.» Dies wird mit einem deutlich tieferen Budget aber auch in der 1. Liga nicht einfach. Zumal diese Liga bei gewissen Spielern nicht beliebt ist, da viele Wochentagsspiele stattfinden.

Für Herzog ist auch klar, dass er selber als Präsident weitermachen wird. Denn es gibt auch positive Dinge. «Der Vorstand ist wieder komplett und der ganze Verein funktioniert besser auch schon. Wir spüren, dass der Rückhalt in der Bevölkerung gestiegen ist. Wenn wir nur diese Schulden nicht mitschleppen würden», sagt Herzog.

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Es geht ruppig zu und her - allerdings mehr neben als auf dem Eis.