Von Zeit zu Zeit kommt die Kirche zu den Menschen in ihren Alltag. So auch am letzten Freitagabend im April. In der Werkstatt der Schreinerei Anderegg an der Jonschwilerstrasse in Schwarzenbach fand sich eine ansehnliche Gemeinde zu einem praxisnahen, besinnlichen Gottesdienst ein. Kinder aus Bichwil erfreuten mit frischem Gesang und sogar mit einer tänzerischen Choreografie Besucherinnen und Besucher. Diakon Richard Böck, evangelische Kirchgemeinde Oberuzwil, und Diakon Peter Schwager, Martins-Pfarrei Jonschwil, gestalteten die ökumenische Feier. Für den musikalischen Teil waren Organist Christian Schneebeli und Ann-Britt Alder-Wullschleger, Gesang, verantwortlich. Mitwirkung von Kindern
Nicht immer macht es die Quantität einer Gruppe aus. Nur gerade fünf Kinder der vierten Klasse Bichwil nahmen auf Wunsch ihres Religionslehrers Richard Böck nämlich am Gottesdienst teil. Ihre fröhlichen Gesichter und der volle Einsatz bei ihren vorgetragenen Liedern liessen vergessen, dass da nur ein kleines Grüppchen mitmachte. Bestimmt fühlten sich alle Gäste in der Halle schon zu Beginn wirklich willkommen geheissen beim Lied „Eifach super, dass du do bischt“. Die fünf Kinder fügten sich ganz selbstverständlich in die ganze Liturgie ein, wagten gar einmal eine tänzerische Choreografie.

Am Schluss der Feier stand denn auch ein spezieller Apéro-Tisch für sie bereit, mit Gummibärchen und anderen Süssigkeiten, wie Richard Böck betonte, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass diese Köstlichkeiten ausschliesslich für die Kinder reserviert seien…

„Come, Let Us Go in the House of the Lord“
„Komm, lass uns ins Haus des Herrn gehen“ sang Ann-Britt Alder – natürlich in der Originalsprache Englisch - gleich zu Beginn, am Keyboard wunderbar unterstützt von Christian Schneebeli, welcher nebst seinem Orgeldienst in Oberuzwil sich als langjähriger Begleiter des Gospelchors Oberbüren in diesen Rhythmen besonders wohl fühlt. Die vorgetragenen Lieder gingen unter die Haut, man sah es ihrem Gesichtsausdruck an, dass da nicht einfach ein Liedchen gesungen wurde, sondern dass Text und Musik als Botschaft in alle Herzen gelangen sollten. Mit „Go Light Your World“ wurde die Gemeinde zum „Licht sein für Andere“ aufgefordert. Der Mensch sei aufgerufen, mit seinem inneren Licht die oft herrschende Dunkelheit zu vertreiben, verzagten Mitmenschen damit neue Hoffnung zu geben.

„Gabriellas Song“, sehr schön auf Schwedisch gesungen, ist unterdessen zu einem Hit geworden. Er wurde von den beiden Musizierenden ganz berührend dargeboten. Dieses Lied ruft zu selbstbestimmtem Leben auf. Zu wissen, dass man richtig ist, so wie man ist, und dass man sich selber spürt und man seiner Bestimmung folgen darf, das gibt Hoffnung. Das Zwischenspiel gestaltete Tastenkünstler Christian Schneebeli sehr fein und besinnlich… Auch die Gemeindelieder passten zu diesem stärkenden Grundton, der den ganzen Gottesdienst prägte.

Vertrauen in Gott hilft
Richard Böck legte in seinen Predigt-Ausführungen zu einem eher harten Jesustext aus dem Matthäus-Evangelium den Finger auf die wichtigen Lebensthemen. Jesus hatte da vor allem die Schriftgelehrten, die alles buchstabengetreu ausgeführt haben wollten, im Visier. Er schimpfte sie Heuchler und hielt ihnen vor, vor allem die Wirkung nach aussen zu suchen und die Menschen zu ängstigen. Was nützt ein Glaube, wenn er von Angst beherrscht ist? Reicht es, wenn dieser nur äusserlich ist, innerlich aber grosse Leere herrscht? Jesus sprach andrerseits dem Pharisäer Nikodemus zu: „Dein Inneres soll deine Kirche sein.“ Das bedeutet auch, dass Gedanken eine grosse Wirkung haben, es darum drauf ankommt, wie wir sprechen und denken.

Ist das Glas voll?
Richard Böck forderte mit seinem Einstieg in den Gottesdienst zum Denken heraus. „Bist du eher ein positiver Mensch? Kannst du die Wunder der Natur sehen? Oder gar das Schöne in einem Mitmenschen?“ in der Predigt machte er später mit einer praktischen Vorführung deutlich, wie sinnlos es ist, sich an kleinen Dingen aufzuregen. Er füllte ein grosses Glas mit Steinen auf, fragte dann in die Runde: „Und, ist das Glas voll?“ Für manche schien das so zu sein, andere sahen die vielen leeren Zwischenräume. Diese füllte er mit Kieselsteinen auf, bis nichts mehr hineinging. Und doch gab es immer noch Platz im Glas. Diesmal nahm er ein Schäufelchen und leerte feinen Sand in die Zwischenräume. Und noch immer hätte mindestens Wasser Platz gehabt...

Sinnbild für unser Leben
Die grossen Steine symbolisieren die wichtigen Dinge im Leben eines Menschen, so beispielsweise: Familie, Unterkunft, Nahrung, Glaube. Kieselsteine stehen für Annehmlichkeiten wie Auto, Ferien und kulturelle Angebote. Und mit dem Sand kommen all die kleinen Annehmlichkeiten zum Zug, die manchmal so nerven können, aber eigentlich so gar nichts Lebensbedrohliches an sich haben. Es ist deshalb klug, nicht alle Energie für diese kleinen Details zu brauchen. So einfach das tönt, so anspruchsvoll kann es sein, sich nicht an Kleinigkeiten zu reiben, sondern dankbar dafür zu sein, was man haben darf. Gottvertrauen hilft, das Leben auch in schwierigen Zeiten besser zu bestehen.

Liturgisches
Der Jonschwiler Diakon Peter Schwager war an dieser Feier vor allem für die anbetenden Liturgieteile zuständig. Bereits aus seinen Begrüssungsworten spürte man gut heraus, wie sehr er sich darüber freute, dass so viele Menschen den Weg in die Schreinerei Anderegg unter die Füsse – oder auch Räder… - genommen hatten. Fürbitten und das gemeinsam gesprochene „Unser Vater“ - welches sich unterdessen nur noch in der Reihenfolge der ersten beiden Worte unterscheidet - gehören zum festen Bestandteil jeden Gottesdienstes und verbinden alle gläubigen Christen weltweit untereinander. Peter Schwager legte auch die Kollekte wärmstens ans Herz. Dieses Geld soll hungernden Menschen im kriegsgebeutelten Nahost-Staat Yemen zukommen.

Apéro mit Gesprächen
Es ist zur schönen Tradition geworden, dass bei solch speziellen Gottesdiensten ein Apéro angeboten wird. In Schwarzenbach hätte man ganz gut ohne Znacht im Magen vorbeikommen können, so reichhaltig war das Buffet mit Meterbroten verschiedenster Füllungen gedeckt. Mit einem gefüllten Glas in der einen und einem Stück Brot in der andern Hand trafen sich nun Bekannte und noch nicht Bekannte zu eifrigem Gespräch. Diesmal waren Personen aus den „Aussenstationen“ der reformierten Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil aus verständlichen Gründen stark in der Überzahl.

Im September wird es einen weiteren solchen Werkstattgottesdienst geben. Näheres wird zu gegebener Zeit in der Tagespresse zu finden sein.



St.Martins-Pfarrei Jonschwil

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil

Go Light Your World

Lean On Me

Gabriellas Song aus dem wunderbaren Film „As it is in Heaven“ aus Schweden, in schwedischer Sprache gesungen.

Gabriellas Song

Hier kann das Experiment mit dem gefüllten Glas nachverfolgt werden.

Sinnbild des Lebens

Man kann aber auch so aufzeigen, wie ein Perspektivenwechsel das Leben und die Sichtweise verändern kann. Ursprünglich hat diese Darstellung Martin von Barabü kreiert.

Puzzle des Lebens

Und das ist das Original…

Martin von Barabü – Puzzle des Lebens