An der Jubiläumsgala des Haus- und Grundeigentümerverband Wil und Umgebung (HEV) im Wiler Stadtsaal vom Samstag zum100-jährigen Bestehen fielen deutliche Worte zum Stellenwert des Wohneigentums. Den Gründervätern vor 100 Jahren gleich, sollen Abgaben zu Lasten des Eigentums mit geeigneten Mitteln bekämpft werden, so Walter Locher, Präsident des HEV Kt. St.Gallen. Sich für den Schutz des Eigentums einzusetzen, dafür votierten auch Regierungsrat Marc Mächler und Ständerätin Karin Keller-Sutter. In seiner Begrüssung der 360 anwesenden Gäste aus den Reihen der Mitglieder und den politischen Vertretern wies Marcel Mosimann, Präsident des HEV Wil und Umgebung auf die visionären Schritte der Gründerväter vor 100 Jahren hin, deren Idee auch heute noch Bestand habe. Weil Eigentum auch mit Rechten zu tun habe, brauche es den HEV. Mosimann lud die Gäste zum sicher ansprechenden Festmenu ein, musikalisch umrahmt von den Swing Kids unter der Leitung von Dai Kimoto. Drei Redner waren angekündigt, mit Walter Locher, Präsident des HEV Kt. St.Gallen, Regierungsrat Marc Mächler und Ständerätin Karin Keller-Sutter.

100 Jahre Einsatz für das private Eigentum
Der Präsident des HEV Kt. St.Gallen, Walter Locher, nannte es einen Freudentag, den 100. Geburtstag des HEV Wil feiern zu können. Der 100-jährige Einsatz für das private Eigentum sei auch mit Eigenverantwortung und Freiheit verbunden gewesen. Die Herausforderungen von damals zu heute seien trotz bester Lebensbedingungen nicht kleiner geworden. Die laufend steigenden Staatskosten hätten jene zu berappen, welche nicht fliehen könnten, die Grundeigentümer.

Nach Locher nimmt die Beschränkung des Eigentums und seine Abschöpfung zu, weil die politische Akzeptanz zu dessen Schutz im Abnehmen begriffen ist. Die Zielrichtung sei auch nach 100 Jahren dieselbe, Eigentum verteidigen, und auch jungen Menschen die Möglichkeit zur Bildung von Eigentum geben.

Raumplanerische Herausforderungen
Regierungsrat Marc Mächler und St. Galler Bauchef nannte die raumplanerischen Herausforderungen als zentrale Aufgabe, weil das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum zu immer mehr Platzbedarf führe. Die Bevölkerung werde bis 2040 von aktuell 500'000 Einwohner umd 80'000 Personen zunehmen. Seit den 80er Jahren habe der Wohnflächenbedarf pro Kopf von 34m2 auf 45m2 zugenommen.

Verschiedene jüngste Volksabstimmungen auf nationaler und kantonaler Ebene seien ein klarer Fingerzeig: „Wenn wir die Entwicklung von der Politik her nicht besser steuern, zieht das Volk die Notbremse mit Inkaufnahme beträchtlicher Kollateralschäden“. Ein Kollateralschaden wäre nach Mächler die Annahme der Zersiedelungsinitiative der Jungsozialisten (Juso). Im Interesse der Bevölkerung und der Wirtschaft müsse mit dem knappen Boden deutlich haushälterischer umgegangen werden.

Gefordert ist die Entwicklung nach innen
Der aktuell vom Bund genehmigte Richtplan stelle die Leitplanken für die Entwicklung nach innen. Erleichterung für verdichtetes Bauen gebe auch das neue Planungs- und Baugesetz. Noch seien die Probleme allerdings nicht gelöst, weil die Bevölkerung einerseits weiteren Landverschleiss nicht dulde, andererseits aber die Bereitschaft für engeres Zusammenrücken fehle.

Das Umdenken, die Bereitschaft zur Aufgabe von Aussicht aus dem Haus oder der kleinere Abstand zum Nachbar bedürfe noch grosser Überzeugung. Vorteile sieht Mächler in der Schwerpunktsetzung bei der Gestaltung des Aussenraumes. Nicht allein Objekte und Gebäudevolumen seien wichtig. Es gehe auch um das „Dazwischen“, was dem Finden von Kompromissen förderlich sein könne. Nicht nur der Garten gehöre zum Lebensraum, sondern auch der Platz vor dem Haus.

Eigentum bedeutet nicht allein Freiheit
Nach Ständerätin Karin Keller-Sutter bedeutet Eigentum nicht nur Freiheit, sondern schaffe Werte und Einkommen, was gemäss Bundesverfassung schutzwürdig sei. Sie stellte in Frage, ob die steigende Steuerbelastung gerade für Grundeigentümer diesem Schutz noch Stand halte ob steigenden Ideen wie man Einkommen und Vermögen noch stärker besteuern könnte.

Zur Eigenmietwertbesteuerung wies Keller darauf hin, dass diese in den 30er Jahren zunächst befristet, in den 60er Jahren dann in der Bundesverfassung verankert worden sei. Mehrere Versuche zur Reduktion oder Abschaffung des Eigenmietwertes seien gescheitert, zuletzt in der Volksinitiative des Hauseigentümerverbandes „Sicheres Wohnen im Alter“. Die Ablehnung seitens der Politik sei auch in drohenden Steuerausfällen begründet worden. Hoffnung mache der Vorstoss von Ständerat Graber zusammen mit der Rednerin Karin Keller, den reinen Systemwechsel zu fordern, was nun auch der HEV Schweiz unterstütze. Für ein Gelingen müssten allerdings die Kantone ins Boot geholt werden. Opposition sei aber sicher, da z.B. die Banken eine andere Position einnehmen werden.

Gegenteilige Förderung von Wohneigentum
Die Ständerätin kritisierte bezüglich Förderung von Wohneigentum die Haltung der FINMA (Finanzmarktaufsicht), welche mit der Verschärfung der Mindestanforderungen bei Hypothekarfinanzierungen gegen die Förderung von Wohneigentum agiere.

Der Wunsch vieler junger Menschen, in eigenen vier Wänden leben zu können, dürfe nicht zum Traum verfallen, sondern bedürfe der politischen Förderung. Eigentum ist nach Ständerätin Keller weder Ausdruck von Gier und reinem Materialismus, sondern Voraussetzung für Freiheit und Entfaltung.

Städtische Entwicklung über 100 Jahre
Statt dem Verfassen einer Chronik zum Jubiläum hatte der HEV Stadtarchivar Werner Warth eingeladen für eine Vorstellung der städtischen Entwicklung über das vergangene Jahrhundert. Darin konnte er nicht nur das Wachstum der Stadt aufzeigen, sondern auch Zusammenhänge, welche den HEV betreffen.

Im Bild stellte er nicht nur die Gründerväter des HEV vor, sondern gleich auch das Haus in dem die Gründung des HEV Wil stattfand. Von der Einladung zur Gründung des HEV konnte er gar das Original vorstellen. Ebenso eindrücklich erschienen die Flugaufnahmen der Stadt wie sich die Besiedelung in den 100 Jahren entwickelte.

Aufstrebende Jugend musizierte
Die geladenen Gäste der Jubiläumsgala durften sich eines freudvoll geschmückten Stadtsaales erfreuen und ein feinst mundendes Festmenu geniessen. Für noch mehr Genuss sorgten die jungen MusikantInnen der Swing Kids unter der Leitung von Dai Kimoto.

Was nach einer Jugendmusik mit Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren aussah, entpuppte sich im Aufspiel schnell als überaus professionell auftretende Band. Die Swing Kids sind in den 15 Jahren der Leitung durch den heute 68-jährigen Japaner zu einer weltbekannten Grösse geworden. Vor wenigen Wochen erst kamen die Swing Kids von ihrer Tour in Argentinien zurück.

Im Gespräch wies Dai Kimoto darauf hin, dass sie unterdessen rund 15 Länder bereist hätten, dazu gehöre seiner Herkunft angepasst auch Japan. Seine Bläserinnen und Bläser hole er vielfach bereits mit 8 bis 9 Jahren in die Gruppe, wenn sich musikalisches Talent zeige. Bei Gefallen blieben sie dann bis zum Alter von 17 bis 18 Jahren. Die Jugendlichen üben zwei Mal die Woche, geografisch vom Bodensee bis Mörschwil herkommend. Aktuell tritt Kimoto mit 13 Jugendlichen auf.

Die Kids brillierten nicht allein im Auftritt im Verband. Mehrfach zeigten sie ihre Qualitäten auch mit Soloauftritten. Unterdessen kann Dai Kimoto auch auf talentierte Sängerinnen zurückgreifen.

Der HEV Wil und Umgebung ist im Wachsen begriffen
Dass der Einsatz beim HEV bei seinen Mitgliedern positiv ankommt, zeigte sich in der doch beachtlichen Beteiligung am Gala-Abend zum 100-jährigen Bestehen. Unterdessen zählt der der HEV 2077 Mitglieder, seit 2014 um 77 Mitglieder angewachsen.

Nach Geschäftsführerin Barbara Nadler gibt es durchaus auch Austritte z.B. infolge Aufgabe des Wohneigentums, welche dann mit Neueintritten ausgeglichen werden.