Basierend auf alltäglichen Gebrauchsrelikten, aus der Mode gekommenen Dekorationsobjekten und Funden aus den Printmedien schafft sich der Künstler mittels Zeichnung, Collage, Plastik, Skulptur, Video und Ready-made-Verfahren neue Bild- und Objektfügungen von suggestiver Ausstrahlung. Jedes Artefakt für sich allein ist vieldeutig und bestechend. Durch seine ideellen Umdeutungen der gewählten Bilder und Gegenstände setzt der Künstler Widerhaken in die Phantasie der Schauenden und ködert raffiniert deren Neugier. Ausgangspunkt für sein Sammeln und künstlerisches tun sind seine weitreichenden Kenntnisse der Natur und die in ihr entdeckten besonderen Fundstücke sowie sein umfangreiches Bildarchiv.

Für die Ausstellung in Wil macht er die Kunsthalle selbst zur Bühne. Die Loggia ist zum trennenden «Vorhang» gestaltet, der den Blick auf das Geschehen dahinter versteckt und dieses dadurch umso rätselhafter erscheinen lässt. Anders als auf einer herkömmlichen Theaterbühne separiert Michael von Brentano seine Kunst-Protagonisten nicht durch elegante Samtdraperien, sondern durch bunt-schrille, profane Werbeplakate. Obwohl Teil der Ausstellung, irritieren die mit Affichen zugkleisterten Glasflächen der Kunsthalle und lassen gar an einen etwaigen «Shutdown» der Kunst denken – so vertraut ist heute aus den Medien der Anblick leerstehender Lokale. Versucht man, die vom Künstler so in Szene gesetzten Inserate nicht als billige Eyecatcher für den nächsten Grillabend zu sehen, so nimmt man die Absurdität der beworbenen Waren erst richtig wahr und erfasst deren kuriose wie glückverheissende Feilbietung als exaltiertes Varieté der Gegenwart. 

Natur in spezieller Darstellung
Viele der Exponate sind aus dem Garten und der Umgebung des Naturliebhabers. Doch das zeigt sich nicht auf den ersten Blick und lässt rätseln. Gerne liess sich Michael von Brentano auf Gespräche mit Besuchern ein, erklärt Ursprung, Herkunft und Verarbeitung der fremdartig scheinenden und doch vertrauten Elemente, die das allgemeine Wissen über Botanik und menschliche Anatomie ins Leere laufen lassen - die erlernte Gewissheit gerät ins Wanken. Dabei beginnt man fast automatisch zu rätseln, welchen Ursprung wohl das oder jenes Werk habe – immer findet man es in der Natur. Zum Beispiel das rosarote Werk, das an ein menschliches Organ erinnert, ist ein in Silikon gegossener dürrer Blütenkopf einer mächtigen Sonnenblume. Der Künstler lässt die Mehrdeutigkeit seiner Werke offen, animiert zum genauen Hinsehen und stimulierenden Entdecken. In der Vielschichtigkeit und Vielfältigkeit der Exponate macht er schliesslich deren Gemeinsamkeit deutlich und verweist – ob menschlich, tierisch oder pflanzlich, auf denselben natürlichen Ursprung allen Seins – ein philisophisch weites Feld und künstlerisch ein Quell der Inspiration.

Öffnungszeiten:
Die Ausstellung dauert bis zum 14. Oktober, Donnerstag bis Sonntag 14 – 17 Uhr. Führung: 26. September 19 Uhr, Künstlergespräch: 14.Oktober, 16 Uhr. Auskunft unter info@kunsthallewil.ch