Wie die IG Kultur Wil auf Umwegen erfahren hat, findet am kommenden Freitag, 2. Dezember, in Flumserberg eine Medienkonferenz der Genossenschaft Konzert und Theater St. Gallen (KTSG) mit den Bergbahnen Flumserberg AG sowie Flumserberg Tourismus statt. Gemäss Einladung wollen die Verantwortlichen über ihre Absicht informieren, die St. Galler Festspiele im Zweijahresturnus alternierend in St. Gallen und auf dem Flumserberg durchzuführen.

Im Sommer 2021 hatte die Kantonsregierung entschieden, dass die Festspiele ab 2023 nur noch jedes zweite Jahr auf dem St. Galler Klosterplatz stattfinden dürfen. Ein illustres Komitee von Wiler Institutionen wandte sich damals mit einem Schreiben an KTSG und schlug die Stadt Wil als zweiten Austragungsort der Festspiele vor. Begründet wurde die Idee unter anderem mit der langen Musiktradition der Äbtestadt sowie mit der geplanten touristischen Anbindung des Hofs zu Wil an den St. Galler Stiftsbezirk. Der Brief wurde von Vertretern der IG Kultur Wil, des Stadtrates, des Ortsbürgerrates, des Vereins Classic Openair, der Altstadtvereinigung, des Vereins Wil Tourismus und des Vereins ThurKultur unterzeichnet. Das Komitee ersuchte die Festspielleitung um ein Treffen.

Ende September 2021 bestätigte KTSG den Erhalt des Schreibens. Man könne auf den Vorschlag keine abschliessende Antwort geben, weil man den anstehenden Wechsel in der Direktion nicht vorgreifen wolle. Das Angebot aus Wil würde aber in die Überlegungen einbezogen. Die IG Kultur Wil und ihre Mitinitianten wurden um Verständnis und Geduld gebeten. In der Antwort auf eine Einfache Anfrage von Erwin Böhi, Kantonsrat und Vizepräsident der IG Kultur Wil, äusserte sich kurz darauf auch die St. Galler Regierung positiv zu den Bestrebungen, die Festspiele nach Wil zu bringen.

Aufgrund dieser ermutigenden Signale hätte die IG Kultur Wil erwartet, dass die Festspielleitung zu gegebener Zeit auf das Gesprächsangebot zurückkommt. Bis heute ist jedoch keine Mitteilung aus St. Gallen mehr eingetroffen. Dass nun offenbar bereits ein fertiges Konzept für die Festspiele in Flumserberg vorliegt, nimmt die IG Kultur Wil mit Enttäuschung und Befremden zur Kenntnis: «Wir empfinden es als Affront, dass man uns auf diese Weise vor vollendete Tatsachen stellt. Die Festspielleitung hätte uns zumindest informieren können, dass Wil aus dem Rennen ist», sagt Sebastian Koller, Präsident der IG Kultur Wil. Vizepräsident Böhi findet: «Die Nicht-Kommunikation uns gegenüber zeugt von fehlender Sensibilität für die regionalpolitische Bedeutung der Kultur in unserem Kanton. Die Kulturstadt Wil hätte mehr Respekt verdient.»