Wenn gegen 15 Uhr Scharen von Eltern und Grosseltern mit kleinen Kindern erwartungsfroh zur Stadtkirche St. Nikolaus strömen, steht jeweils ein Ereignis bevor, das im Jahresablauf der Stadt Wil einmalig ist. Bevor sich die St. Nikolausgruppe unter die wartenden Leute mischt, erschallt das imposante Geläute aller neun Glocken. An den übrigen Tagen im Jahr künden lediglich sieben Glocken von frohen und traurigen Ereignissen.Der Auszug der 14 St. Nikolaus-Paare fiel in diesem Jahr mit dem Wiler Weihnachtsmarkt zusammen. Das traditionsreiche Aussenden findet jeweils an jenem Samstag statt, welcher dem eigentlichen St. Nikolaustag am 6. Dezember am nächsten kommt. So hatte diesmal jeder der 14 Bischöfe mit Knecht Ruprecht als Gehilfen bereits zahlreiche Besuche bei Kindern und deren Familien sowie bei älteren Mitmenschen hinter sich.

Winterliche Kulisse
In diesem Jahr war der Auszug besonders stimmungsvoll, präsentierte sich doch die Stadt Wil leicht verzuckert. Eine eisig kalte Bise trieb viele wartende Menschen in das wärmende Kircheninnere.

Nach dem feierlichen Dreiuhrläuten erklang in der Sakristei ein Glöcklein. Würdevoll schritten die 14 rot gewandeten Bischöfe mit ihren weissen Bärten und die schwarz gekleideten Knechte Ruprecht mit schwarzen Bärten durch das Kirchenschiff , ehe sie durch das Hauptportal den Kirchplatz betraten. Gespannte Erwartung konnte den Gesichtern vieler Kinder abgelesen werden.

Kein Kind musste Angst haben
Draussen in der Kälte wandelten die 14 Bischöfe auf den Spuren des gütigen Bischof von Myra, dem herzensguten Kinder- und Menschenfreund. Das eine oder andere Kind begegnete den St. Nikolaus-Paaren vorerst noch etwas ängstlich, doch zeigten sich diese nach dem Anhören der Verslein von ihrer grosszügigen Seite. Als Belohnung verteilte Knecht Ruprecht aus seinem Sack feine gefüllte Biber.

Kaum hatte sich das Gedränge um die St. Nikolaus-Paare aufgelöst, fegte ein Schneesturm über die Altstadt und bescherte dieser samt dem Weihnachtsmarkt einen weissen Teppich.