Am 31. Dezember 2016 wurde der Rollladen des Flawiler Dorfkiosks an der Wilerstrasse 29 zum letzten Mal heruntergelassen. Es war das Ende einer Ära: Über 60 Jahre war der Kiosk im Zentrum des Dorfs betrieben worden. In den letzten drei Jahren stand der Kiosk leer, bald sollte er abgebrochen werden. Die Grundeigentümer Silvia und Roland Keller planen auf dem Grundstück einen Garagenneubau. Quasi in letzter Minute wird der ehemalige Dorfkiosk nun doch gerettet. Und dies auf spektakuläre Art und Weise. Wie der Gemeinderat in einer Mitteilung schreibt, wird der Kiosk auf den Pausenplatz des Oberstufenzentrums gezügelt. Dort soll er in Zukunft als Pausenkiosk dienen. «Damit bleibt ein Stück Flawiler Kioskgeschichte erhalten», schreibt der Gemeinderat. Die Demontage des Kiosks ist für kommenden Frühling geplant.

Baubewilligung im Januar 1954 erteilt

In seiner Mitteilung wirft der Gemeinderat auch einen Blick in die Geschichte des Flawiler Dorfkiosks. Im Januar 1954 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung für einen Kiosk an der Wilerstrasse 29. Erste Betreiberin war Ottilia Böni, zugleich auch Besitzerin des Grundstücks. Die Unterlagen – von Besitzerin Silvia Keller aus dem Archiv zu Tage gefördert – lassen vermuten, dass Ottilia Böni bis 1978 mit dem Kiosk ihre Existenz bestritt. Nach der Vermietung an die Schmidt-Agence im Jahr 1979 wurde der Kiosk neu gebaut, 1982 schliesslich verkaufte Ottilia Böni das Grundstück an Mia und Emil Keller. Diese gaben es 2008 an ihren Sohn Roland und dessen Frau Silvia weiter. Betreiberin des Kiosks waren nach der Schmidt-Agence noch die Kiosk AG und später Valora. Im Juni 2013 gab der Konzern den Standort aus Rentabilitätsgründen auf. Die damalige Geschäftsführerin Elsy Bosshart führte den Kiosk noch bis Ende 2016 selbständig weiter.

Baucontainer als Pausenkiosk

Als der Oberstufenlehrer für Gestaltung Dani Müller vom bevorstehenden Abbruch des Dorfkiosks erfuhr, kam ihm die Idee, den Kiosk zu zügeln. Daran fanden nicht nur die Schulleitung und das restliche Team der Oberstufe Gefallen, sondern auch Silvia und Roland Keller. Sie sind bereit, das Kioskhäuschen kostenlos an die Gemeinde abzugeben. Das traditionsreiche Kioskhäuschen kommt wie gelegen. Die Schulleitung habe sich schon länger Gedanken darüber gemacht, wie sie den bestehenden Pausenkiosk – seit zehn Jahren ein alter Baucontainer – ersetzen könnte, schreibt der Gemeinderat. Der inzwischen in die Jahre gekommene Container wurde vorübergehend aufgestellt, als das Znüni-Verkaufszimmer zum Hauswartbüro umgebaut wurde.

Gemeinderat genehmigt Nachtragskredit

Nach baulichen Abklärungen haben die Schulleitung und das Team der Oberstufe beim Gemeinderat beantragt, den alten Baucontainer durch den geschichtsträchtigen Kiosk zu ersetzen. Auch der Rat fand Gefallen an dieser Idee. Er genehmigte einen Nachtragskredit in der Höhe von 20'000 Franken für die Umplatzierung und die Wiederverwendung des Dorfkiosks. Damit möchte der Gemeinderat etwas «Kultur» in Flawil erhalten. (pd/rop)