„Es isch Zyt zum Znüniässe.......“ die vier Buben und sechs Mädchen sitzen am grossen, schweren Holztisch auf der gedeckten Veranda und sind beschäftigt, ihre kulinarischen Schätze aus ihren Täschli und Ruchsäckli zu klauben, während die beiden Spielgruppenleiterinnen das Znüniliedli anstimmen. Von den Kindern hört man wenig, zu stark sind sie mit ihren mitgebrachten Köstlichkeiten beschäftigt. Neugierig schauen sie zu den anderen Kindern: Hat das Gspänli auch wieder so feine Knuspereien bei sich und lässt sich vielleicht auf einen Tausch mit meinen Rüeblirädli oder dem Apfelschnitz ein? Für den vierjährigen Lenny ist der Tausch gelungen, er darf sich eine gepuffte Köstlichkeit aus der Znünibox seines Freundes klauben und gibt dem ein paar gesunde Darwidas. Lange sitzen mögen die Kinder aber nicht, viel zu viel gibt es noch zu entdecken. Noch ein kleiner Schluck vom hofeigenen Süssmost, dann ab die Post zu neuen Abenteuern.

Tiere machen Kinder stark

Den 30 Hektaren grossen Milchwirtschaftsbetrieb haben Patricia und Pascal Brändle vor sechs Jahren übernommen. Pascal wuchs auf dem Hof auf, Patricia ist im Säuliamt auf einem Hof gross geworden. Ihre beiden Kinder sind sechs- und vierjährig. „Ich war immer schon ein Tierlikind“, sagt die 31-Jährige von sich. Schon als Siebenjährige hatte sie ihr eigenes Pony, später kam ihr Hund Nero dazu, mit dem sie sich zur Hundeinstruktorin ausbilden liess. Sie lernte zuerst Bäcker-Konditorin, später Landwirtin und schloss die Ausbildung als Betriebsleiter und Lehrmeister ab. Heute hat sie zwei Kinder, Lia ist sechs, Lenny ist vier Jahre alt. „Die Tiere haben mein Leben schon sehr früh bereichert und mir geholfen mit den unterschiedlichsten Situationen besser umzugehen,“ erzählt Patricia Brändle. So kam es, dass sie auch anderen Menschen die Harmonie zwischen Mensch und Tier beibringen wollte und deshalb begann sie nach der Ausbildung, Kurse in Agility, mit Welpen, Junghunden und zur Erziehung von Hunden zu geben. Ihr Ziel sei es immer, Mensch und Hund zu einem funktionierenden Team zusammen zu bringen. Deshalb war es klar, dass sie seit dem vergangenen Sommer, die Bauernhofspielgruppe, die schon seit zwei Jahren auf dem Hof stattfand, in eigener Regie weiterführen wollte. Tiere lehren Kindern oft mehr als wir Erwachsene es tun können, ist sie überzeugt und stieg gleich in die Ausbildung zur Spielgruppenleiterin ein. „Wenn ich etwas mache, will ich es richtig machen, erzählt sie. Deshalb absolviere sie immer auch die entsprechenden Ausbildungen, lerne andere Leute kennen und erweitere ihren Horizont.

Durch Spielen lernen

In der Zwischenzeit haben die zehn Kinder zusammen mit ihren beiden Spielgruppenleiterinnen bereits die Hühner gefüttert, den gwundrigen Zwergziegen leckeres Gras gereicht, die Schafe geknuddelt und auch den Kühen ein paar Gabeln Heu in die Futterkrippen gegeben. Nun wartet Joey, der zweite Hund von Patricia Brändle auf seinen Einsatz. Freudig wedelt der Bordercollie mit dem Schwanz, fasst den Spielball mit der Schnauze und lässt ihn vor den Kinderfüssen fallen. Eins nach dem anderen wirft den Ball so weit wie möglich weg und freut sich, wenn Joey ihm nachrennt und ihn blitzschnell wieder zurückbringt. Die Kinder kreischen vor Freude und tschutten den Ball immer wieder weit. Während Lenny am Hunde-Übungsgerät mühelos herumturnt, balanciert der etwas ängstliche Devin an der Hand von Andrea Gredig, der zweiten Spielgruppenleiterin, über das Übungsgerät. Auch sie ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, liebt Tiere und das Draussensein bei jedem Wetter. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen in der Spielgruppenleiterinnen-Ausbildung.

Den Tieren nahe kommen

Nun aber ruft Pascal Brändle zum Einsatz. Er will die Kühe auf die Weide treiben und bei diesem Spektakel wollen die Kinder natürlich dabei sein. Die einen stehen ganz vorne bei der Absperrung, andere sind lieber etwas im Hintergrund. „Die Kühe sind ja mächtig grosse Tiere“, sagt ein kleines Mädchen zu seinem Gspänli. Dann dürfen sich die Kinder noch von den Kälblein beschnuppern lassen, den Ponys und dem Pferd einen Besuch abstatten und den Hasen frisches Gras ins Gehege geben. Ein paar Mädchen streicheln den Ponys zärtlich über die Nüstern. Nun aber dürfen die Kinder frei spielen, während sich die einen sofort auf die Kinder-Fahrzeuge setzen und im Sand herumbuddeln, machen sich andere am Nageltotz zu schaffen, indem die kleinen Kinderhände versuchen, mit kindgerechten Hämmerlein, Nägel ins Holz zu schlagen.

Sicherheit geniesst höchste Priorität

Patricia Brändle erzählt, dass sie im Moment drei Gruppen auf dem Hof anbieten und eine vierte Gruppe sei auf den Sommer geplant. Das Interesse sei riesig, die meisten Kinder kommen aus der Region. Unterstützung bekommt die schon in Kürze ausgebildete Spielgruppenleiterin auch von ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter. Beide assistieren ihr je an einem Vormittag und darüber sei sie sehr glücklich. Die Sicherheit geniesse auf dem Hof oberste Priorität, erzählt sie. Zudem hält sie die Kinder auch an, sich an die Abmachungen zu halten, Tore zu den Gehegen zu schliessen das Vertrauen, das die Tiere den Kindern entgegenbringen, nicht zu missachten. Kinder lernen damit Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen und respektvoll und achtsam mit Menschen, Tieren und Pflanzen umzugehen, ist sie überzeugt.