Es ist weitherum bekannt, dass die Bichwiler Chilbi gerade für die Kleinsten ein vielfältiges Angebot zu vernünftigen Preisen zu bieten hat. Jedes Jahr staunt man wieder, welche Ideen sich die verschiedenen Vereine sowie die Lehrkräfte einfallen lassen. Auch hungern muss an der Bichwiler Chilbi niemand. Und weil das Wetter sich nicht an den Wetterbericht hielt und die ganzen zwei Tage einfach nur schön war, stand einer tollen Chilbi nichts im Wege. Zeitweise war kein Durchkommen auf der Dorfstrasse, ein Zeichen dafür, dass die Chilbi im Jahreskalender bei vielen dick Jahr für Jahr dick angestrichen ist. Attraktion an Attraktion
Dieses Jahr war das Säulirennen ein ganz besonderer Hit. In früheren Jahren hatten jeweils lebende Meerschweinchen die Nerven der Kleinen strapaziert. Aus Rücksicht auf diese wurde jetzt auf mechanische Plüschtierchen umgestellt. Die Kinder hatten trotzdem ihren Nervenkitzel, denn nicht selten waren die Ersten nach dem Start keineswegs die Sieger. Auch Taktik half hier nicht weiter, es hiess, untätig zuzuschauen, ob die Nummer des Säulis mit der auf der gekauften Karte übereinstimmte. Überwacht wurde alles von Bichwiler Lehrkräften, die sich wie jedes Jahr aktiv an der Chilbi einbrachten.

Herzige Spiele für die Kleinen
Auch für die ganz Kleinen ist an der Bichwiler Chilbi gesorgt. Da gab es Papierfische, die aus einem kleinen Teich herausgeangelt werden sollten. Zusammen mit dem Papa gelang es manchmal auch, an der Baggerschaufel angehängte Gewichte in dafür vorgesehen Röhren zu versenken. Dabei war offensichtlich, dass vielfach der Papa die grössere Freude hatte als der Nachwuchs… Für manche Kleinen lag das Glück der Erde dagegen auf dem Rücken der Pferde – oder eher der Ponys, die auf der Wiese neben dem Schulhaus geduldig eine kleine Runde drehten, umsichtig geführt von ihren Betreuenden.

Das Gefährt des Tages waren sicher die unzähligen Kinderwagen, denn als Bichwilerin oder Bichwiler ist es Ehrensache, auch nach der Familiengründung an die Chilbi zu kommen – oder erst recht!

Nostalgie
Auch „Evergreens“ waren wieder in Bichwil anzutreffen. Die unverwüstliche und noch immer heissgeliebte Schifflischaukel war schon am Samstagnachmittag, dann aber am Sonntag praktisch ständig mit Wagemutigen besetzt. Manchmal war fast zu befürchten, die Schaukel würde gleich rundherum schwingen.

Auch ein hübsches, altmodisches Karussell – in früheren Zeiten noch Reitschule genannt – stand auf dem Platz. Manchmal musste allerdings der Papa mit, damit der oder die Kleine sich wirklich aufzusteigen getraute. Und natürlich stand auch das Leierkasten-Paar wieder an der Dorfstrasse und beglückte mit seinen heimeligen Klängen die Vorüberflanierenden.

Die „Jungschi Oberuzwil“ war mit ihren Farbkübeln und Stiften zu Gast und verwandelte kleine Buben oder Mädchen in Tiger, Katzen oder andere hübsche Tierchen. Und selbstverständlich war die Santa-Fé-Bahn wieder vor Ort, um sich als Knirps oder kleine Dame den Duft der weiten Welt ein wenig um die Ohren sausen zu lassen.

Beizen und Strassenküchen noch und noch
Eine Chilbi ist ein geselliger Anlass. Mit der Familie flaniert man durch die verstopften Strassen, entdeckt da eine Bekannte, dort einen lange nicht mehr gesehenen Kollegen. Darum stehen auch überall Festbänke herum, damit man absitzen und sich austauschen kann, natürlich am liebsten mit einer feinen Wurst, einem kühlen Bier oder einem würzigen Raclette.

In der Raclettestube packten diesmal nebst den Turnriegen bereits Kinder der Jugendriegen an, brachten die bestellten Köstlichkeiten an die – hoffentlich richtigen – Tische und spürten dabei schnell, wie müde man vom Servieren werden kann. Die Plätze waren sowohl im Zelt als auch in der KOWA-Halle, aber auch auf dem Vorplatz ständig vollbesetzt. Dem Vernehmen nach gab es in Bichwil Leute, die erst lange nach der Morgendämmerung ins Bett kamen. Auch das gehört zu einem Bichwiler Anlass…

Gottesdienst
Zum allerersten Mal fand im grossen Raclettezelt ausgangs Riggenschwil ein ökumenischer Gottesdienst statt. Die beiden Seelsorger René Schärer, evangelischer Pfarrer, und Toni Ziegler, katholischer Pastoralassistent, machten sich in einer gut halbstündigen Feier über den Sinn von Feiern und Festen Gedanken. "Chilbi" hiess ja ursprünglich "Kirchweih", also ein Fest zur Einweihung der Kirche.

Ein Quartett aus der Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil namens „Ensemble Peter Weiss“ umrahmte die Feier mit besinnlichen Zwischenstücken. Sie begleiteten auch die modernen Lieder, die ab Liedblatt mitgesungen werden konnten. Mutig wurde gar ein nicht gerade einfacher Kanon angestimmt, in der Hoffnung, die Gottesdienstgemeinde mache mit, was sie denn auch tat...

Zwei haben es besser als einer allein…
Das Gottesdienstmotto lautete. „Zwei haben es besser als Eine/Einer allein.“ In der Bibel gibt es viele Texte zu Festen, die die damaligen Menschen feierten. Jesus ging zu den Menschen. Jeder Mensch hat Anrecht auf Erholung, dazu ist der Sonntag da. Gott hat dem Menschen diesen Tag geschenkt, an diesem ist es nun, dies auch zu nutzen, zu feiern, sich zu erholen, einfach zu sein.

Aber nicht alle Menschen haben Grund zum Feiern. An diese wurde im abwechselnd gesprochenen, von dem Ruf „Kumbaya, my Lord“ beantworteten Fürbittegebet gedacht. Nach jeder Bitte wurde ein farbiges Öllicht angezündet. Mit einem zur Chilbi - siehe Kasten unten - passenden Segen wurden die Anwesenden in den Chilbibetrieb entlassen.

Musik, Musik
Traditionsgemäss spielt die Musikgesellschaft - die letzten Jahre unter ihrem Dirigenten Dominik Eugster - ein Ständchen auf dem Platz neben der ehemaligen Bäckerei Stillhard. Diese Formation hat den Vorteil, dass man sie weitherum hört. Da hatte es der Jodlerclub Uzwil etwas schwieriger. Aber auch er stellte sich tapfer auf die Strasse und erfreute die Umstehenden mit einigen traditionellen Jodelgesängen. Und in der Nähe der Reitschule stand auch wieder das Leierkasten-Paar und erfreute mit Oldies, die zum Mitsummen einluden. Und doch war nirgends ein ohrenbetäubender Lärm zu hören, alles verlief so richtig wohltuend und friedlich.

Auch Einheimische vor Ort
Anita Müglich verkaufte ihre selbstgemachten Sachen an einem Stand, unterstützt von ihren Töchtern. Die Firma WILDWOOD von Familie Hanspeter Wild stellte knifflige Spiele vor, die Nerven brauchten. An einem andern Stand war Büchsenschiessen möglich, es konnte mit schwerer Holzkugel gekegelt– vom Bichwiler Kegelclub angeboten -, aber auch Armbrustschiessen geübt werden. Es gab noch unzählige andere Angebote.

Selbstverständlich gab es auch Magenbrot und andere Süssigkeiten zu kaufen, nur der Duft von Marroni, der fehlte leider. Das diesjährige Fehlen der in andern Jahren allgegenwärtigen Wespen wurde allerdings nicht bedauert, diese waren dieses Jahr schliesslich schon im Hochsommer äusserst aktiv gewesen…

Die Bichwiler Chilbi ist nicht mehr von der Agenda wegzudenken. Da hatte das Chilbikomitee ein glückliches Händchen, als es auf Initiative von einigen einsatzbereiten Frauen und Männern dieses Dorffest neu belebte.


Und noch etwas aus der Rubrik "Unglücksfälle und Verbrechen", wie sie früher in allen Zeitungen zu lesen war...

"Leider kam die von den Vereinen wie jedes Jahr sorgfältig zusammengestellte Broschüre nicht in die Bichwiler und Oberuzwiler Haushalte, weil bei der Post irgendein Formular verlorengegangen war, so dass die Büchlein statt verteilt eingestampft wurden."

Nächstes Jahr klappt es bestimmt wieder…

Primarschule Bichwil

Bichwiler Chilbi 2011

Bichwiler Chilbi 2012

Bichwiler Chilbi 2013

Segen zum Abschluss des Gottesdienstes

Der Herr segne dich.
Er erfülle deine Füsse mit Tanz und deine Arme mit Kraft.

Er erfülle dein Herz mit Zärtlichkeit und deine Augen mit Lachen.

Er erfülle deine Ohren mit Musik und deine Nase mit Wohlgerüchen.

Er erfülle deinen Mund mit Jubel und dein Herz mit Freude.
Amen

Wobei im Original auch dieser Teil dazugehört:

Er schenke dir immer neu die Gnade der Wüste:
Stille, frisches Wasser und neue Hoffnung.

Er gebe uns allen immer neu die Kraft, der Hoffnung ein Gesicht zu geben.
Es segne dich der Herr.

Aus Afrika