Thurbo setzt seit je her auf eine Einheitsflotte mit zwei unterschiedlichen Fahrzeuglängen. Damit können die unterschiedlichen Perronlängen im Thurbo Netz genutzt, genügend Kapazitäten im Zulauf zu den Zentren Winterthur und St. Gallen sichergestellt und die Kosten durch schnelles, bedarfsgerechtes Stärken und Schwächen der Züge tief gehalten werden.

Doch die Lebensdauer der bestehenden Flotte – es gibt 110 Thurbo-Züge – ist bald erreicht. Zusammen mit der SBB und Region Alps werden darum neue, einstöckige S-Bahn-Triebzüge bestellt. Um ihre Flotten zu standardisieren und Synergien zu nutzen, haben die drei Bahnunternehmen am Montag eine gemeinsame öffentliche Ausschreibung gestartet. Von den insgesamt 194 Zügen sollen 106 an die SBB, 70 an Thurbo und 18 an Region Alps gehen. Von den Herstellern gefordert wird ein bereits in einem europäischen Land bewährtes Fahrzeugkonzept. Der neue Zug soll für die Schweiz, Deutschland und Österreich zugelassen sein. Die Bahnunternehmen rechnen mit einem Bestellvolumen von maximal 1,5 Milliarden Franken. Das Beschaffungsprojekt ist abgestimmt mit den betroffenen Kantonen, die im Regionalverkehr als Besteller agieren, und dem Bundesamt für Verkehr.

Weitere Züge nötig

Die Züge sind primär als Ersatz für rund 270 bisherige Züge vorgesehen, die bis Ende 2035 aufgrund ihrer erreichten Lebensdauer ausrangiert werden müssen. Neben den 194 Zügen, die heute in einem ersten Schritt ausgeschrieben wurden, benötigen die Bahnunternehmen voraussichtlich mindestens 100 weitere Züge, um sämtliche Altfahrzeuge zu ersetzen und um die vom Parlament beschlossenen Angebotsausbauten und die damit verbundenen, erwarteten Verkehrszunahmen zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund sind Optionen für insgesamt 316 Fahrzeuge ausgeschrieben, die in den nächsten Jahren – je nach Entwicklung des Mobilitätsverhaltens – flexibel eingelöst werden sollen.

Bis Ende 2020 beurteilen die drei Bahnunternehmen im Rahmen einer sogenannten Präqualifikation in einem ersten Schritt die Eignung möglicher Hersteller. Es sollen diejenigen drei Hersteller zur zweiten Stufe der Ausschreibung zugelassen werden, deren bestehende Fahrzeugplattform die Anforderungen aus den Angebots-, Infrastruktur- und Fahrplankonzepten bestmöglich erfüllen. Der aktuelle Projektplan sieht vor, dass die Vergabe 2022 erfolgt, so dass die ersten Züge ab Fahrplan 2026 eingesetzt werden können. (pd/red)