Wie Barack Obama anno dazumal für die USA als erster schwarzer Präsident, ist Nadja Stricker im Frühjahr dieses Jahres für den Hinterthurgau, in einem etwas überschaubareren Kontext, eine Art Pionierin geworden. Sie war und ist das erste weibliche Gemeinde-Oberhaupt der Geschichte im Bezirk Münchwilen. Die Erwartungen waren hoch. Im Interview spricht Münchwilens «First Lady» über ihre ersten Monate im Amt, ihre persönlichen und beruflichen Erfahrungen und Wünsche sowie über das Coronavirus.

Nadja Stricher, seit bald einem halben Jahr sind Sie die erste Gemeindepräsidentin im Hinterthurgau. Normalität und Berufsalltag haben Sie aufgrund der Corona Pandemie bisher wohl kaum erlebt. Wie ist es Ihnen in diesen ersten Monaten im Amt ergangen?
Ich fühle mich sehr wohl in meinem Amt. Ich denke, dass ich mich, trotz der besonderen Zeit, bereits gut im Berufsalltag eingelebt habe. Eine wichtige Herausforderung ist es ja, immer wieder auf neue Situationen reagieren zu können. Und insofern ist die Corona-Pandemie nur eine von weiteren Aufgaben, welche auf mich, die Verwaltung und den Gemeinderat zukommen werden, und mit welchen wir uns auseinandersetzen müssen.

Was waren Ihre grössten Herausforderungen oder Schwierigkeit in dieser ersten Zeit im Amt?
Ich musste mich schnell und vor allem tief in komplexe Sachverhalte einarbeiten. Erwähnenswert ist dabei vor allem das Grossprojekt Wil West. Ich erinnere mich, dass ich in meiner zweiten Woche im Amt an vier Sitzungen in den verschiedensten Gremien, welche alle im Zusammenhang mit Wil West standen, teilgenommen habe.

Ihre grössten Highlights?
Die vielen persönlichen Gespräche mit sämtlichen Mitarbeitenden, aber auch mit unzähligen Münchwilern während der ruhigen Zeit in den Sommerferien waren für mich wertvoll. Ein Höhepunkt war die Neuzuzügerbegrüssung, welche bei schönem Wetter im Sutter-Park durchgeführt werden konnte. Und die gut besuchte Mitwirkungsveranstaltung «Vision 2045».

Welche Herausforderungen und Entscheidungen stehen in der nächsten Zeit an?
Im Mai 2021 soll den Stimmbürgern der Kredit für die Sanierung des Gemeindehauses vorgelegt werden. Zudem soll das Werkhof-Projekt ebenfalls wieder aufgenommen werden mit dem Ziel, dass die Münchwiler Stimmbürger im Jahr 2022 über eine gute Lösung befinden können. Momentan begleitet uns auch die Revision der Ortsplanung mit ihren diversen Planwerken. Eine Herausforderung ist es, die Bevölkerung in diesen Prozess einzubinden.

Wie hat sich Ihr privates und persönliches Leben durch das Amt verändert?
Als Gemeindepräsidentin hat die Intensität meiner Berufstätigkeit zugenommen. Die Tage sind länger geworden. Trotzdem versuche ich, eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben aufrechtzuerhalten, obwohl dies nicht immer einfach ist. Ansonsten hat sich mein privates Leben nicht stark verändert: Einer meiner Lieblingstätigkeiten ist es nach wie vor, bei einem Schnitzelbrot mit Freunden einen Match auf dem Fussballplatz zu verfolgen.

Wie sehr belastet Sie die aktuell herausfordernde Situation um Covid-19?
Bewusst belastet mich die Situation eher weniger. Ich bin von Natur aus Optimistin und sehe auch die positiven Aspekte in dieser schwierigen Lage. Unbewusst habe ich aber schon das Gefühl, dass die eingeschränkte Möglichkeit der Sozialkontakte zusammen mit der düsteren Winterzeit auch bei mir zwischendurch aufs Gemüt schlagen. Ich versuche mich durch Bewegung an der frischen Luft fit zu halten.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn irgendwann wieder eine gewisse Normalität eintrifft?
Wieder Menschen in ungezwungener Atmosphäre zu treffen. Und auf die vielen Anlässe der Gemeinde, die wir in diesem Jahr absagen mussten und im nächsten Jahr nachholen wollen.