Dem Lindenhofquartier ergeht es wie dem Bahnhofplatz: Er hat ein Image-Problem, obwohl statistisch gesehen nicht mehr passiert als anderswo. Im Lindenhof ist der hohe Ausländeranteil der Grund, weshalb – zumindest hinter vorgehaltener Hand und in anderen Quartieren der Stadt – die Nase gerümpft wird. Vier von fünf Schulkinder haben nicht Deutsch als Muttersprache. Zwar gibt es mit dem Liho-V einen aktiven Quartierverein. Ihm gelingt es aber kaum, Nicht-Schweizer anzusprechen.

Um diese Durchmischung hinzubringen, wurde vor genau einem Jahr der Quartiertreff Lindenhof eröffnet – im ehemaligen reformierten Pfarreiheim an der Rotschürstrasse. Es wurden Angebote geschaffen für alle Kulturkreise – und für alle Lindenhof-Bewohner. Nach einem Jahr wird eine erste Zwischenbilanz gezogen. Felix Baumgartner, Leiter der Fachstelle Integration der Stadt Wil, sagt: «Rund 5000 Besuche im ersten Jahr sind eine positive Überraschung. Man spricht nun wieder positiv über den Lindenhof.» Stadtpräsident Susanne Hartmann ergänzt: «Wir hätten nicht gedacht, dass sich so viele verschiedene Angebote etablieren würden. Es ist mehr als ein Migranten-Treff.»

Diese Angebote gibt es

Den tiefsten Einblick in die Materie hat Dominique Tschannen, der vor Jahresfrist in einem 50-Prozent-Pensum die Leitung des Quartiertreffs übernommen hat. Er sagt: «Mich freut besonders, dass sich viele Freiwillige und auch Organisationen wie zum Beispiel die Pro Senectute gemeldet haben und nun mitmachen. «Sowohl von der Bevölkerung als auch von den ansässigen Organisationen erhielten wir viele positive Reaktionen auf den neuen Treff im Lindenhofquartier.»

Das Angebot ist effektiv vielfältig. Unter dem Stichwort Begegnung gibt es einen Elterntreff, einen Integrationstreff, einen Sonntagstreff, Kafi und Kunst, einen Bastel- und Spielnachmittag sowie einen Kennenlernabend. Unter «Bewegung» läuft ein Yoga-Kurs und Zumba-Aerobic. Zum Thema Bildung gibt es Deutschkurse und einen Albanischen Frauentreff. Zudem gibt es Beratungsmöglichkeiten für Mütter und Väter sowie zum Thema Frühe Förderung. Des Weiteren besteht ein Quartier-Büro, wo Anliegen bei Dominique Tschannen deponiert werden können. Noch grossmehrheitlich auf der Strasse geblieben ist im ersten Jahr die Quartierarbeit, also die Unterstützung bei Ideen und Anliegen im Quartier. Das soll sich nun im zweiten Jahr ändern. Zudem soll der Kreis der Treff-Nutzenden ausgebaut werden.

Pro Quartier ein eigenes Konzept

Einen Quartiertreff gibt es in dieser Form in Wil bisher erst im Lindenhof. Er ging aus dem «Projet Futur» hervor, welches sich intensiv mit dem Lindenhof-Quartier und dessen Bewohnern befasst hat. Sind nun auch Treffs in anderen Quartieren der Stadt geplant? Nein. Aber ausschliessen möchte die Stadt nicht, auch andere Quartiertreffs zu etablieren. Am ehesten im Westquartier, wo es schon einen aktiven Quartierverein gibt. Wenn, denn will die Stadt Wil aber nicht das bestehende Konzept vom Lindenhof auf die anderen Quartiere übertragen, sondern bedürfnisgerechte Angebote schaffen. Vorerst sollen aber weitere Erfahrungen im Lindenhof-Quartier gesammelt werden.

Der Quartiertreff Lindenhof feiert das einjährige Bestehen am Samstag, 24. August, untertags mit einem Sommerfest für die ganze Bevölkerung.

3 Fragen an Quartiertreff-Leiter Dominique Tschannen:

 
Im hallowil.ch-Interview berichtet der Quartiertreff-Leiter, ob er der "Chef" eines Migranten-Treffpunkts ist.