Getauft wurde der Raum auf den Namen „WiLab“, was eine Kombination aus den Wörtern „Wil“ und „Laboratorium“ darstellt. Und das Interesse am WiLab war riesig, als am Montagabend die Schulleitung des BZWU in die ehemalige Autogarage im Untergeschoss der Schule einlud. Nebst einer Vielzahl an Berufsschulleitern, Pädagogen und Lernenden, waren auch etliche Personen des Bildungsdepartementes des Kanton St. Gallen in die Äbtestadt geeilt. Sie wollten zusammen mit ihrem Chef, Bildungsminister Regierungsrat Stefan Kölliker, einen ersten Blick auf das zu werfen, was BZWU-Rektor Marco Frauchiger in seiner Begrüssung als einen „neuen Weg des Lernens“ bezeichnete.

Platz für Querdenker statt „Fabrik“

Frauchiger erläuterte auch, was er damit konkret meinte: „Früher hat man in einer Klasse mit einem Lehrer und vor einer Wandtafel genau 45 Minuten Schule gehabt, bis die Glocke zur Pause oder zu Mittag geläutet hat. Dieses Lernen hat ungefähr der Anforderung der Arbeitswelt der Fabriken des 19. Jahrhunderts und des 20. Jahrhunderts entsprochen. Die heutige Berufs- und Arbeitswelt verlangt jedoch nach anderen Kompetenzen, wie beispielsweise die Fähigkeit, querzudenken. Dementsprechend steht bei diesem Unterricht die Neugier, die Freude am Lernen, das Selbermachen und das Lernen aus Fehlern im Vordergrund“, schilderte Frauchiger.


Ein Klassenzimmer ohne Zentrum

Tatsächlich braucht man als „älteres Semester“ durchaus ein paar Minuten, um sich beim erstmaligen Betreten des Lernraumes sich in diesem zurechtzufinden. Da gibt es aufgehängte Stühle, in denen man Schaukeln kann, Sofas, die sich auch zum Entspannen statt zum Lernen eigneten, eine Tribüne wie in der „SRF Arena“, oder einen „Aquarium“ genannten Raum mit transparenten Glaswänden, wo sich Gruppen zum Arbeiten zurückziehen können – und doch zugleich den Überblick haben, was sonst noch im 350 Quadratmetern grossen Zimmer so läuft. Etliche kreuz und quer stehende Tische und Pulte lassen mitnichten ein „klassisches“ Klassenzimmer-Gefühl aufkommen – und das ist durchaus so gewollt.

Eine grosse Umstellung für die Lehrer

Denn wer sich hier für ein oder zwei Lektionen aufhält, soll nach seinen eigenen Bedürfnissen lernen können. Und zwar nicht nur, was die Wahl des Arbeitsortes betrifft, sondern auch die Art des Lernens. Einen Frontalunterricht gibt es nicht mehr. Nur eine kurze Einführung, danach arbeiten die Berufsschülerinnen und -schüler entweder komplett selbständig an einem Thema oder können einen Lehrer als Hilfe beiziehen. Doch während es für die Jugendlichen nach den gemachten Online-Lernerfahrungen während des Covid-19-Virus-Lockdowns einfach eine weitere Potenzierung des selbständigen Lernens ist, sehen sich die Lehrkräfte richtig herausgefordert, da der Lernraum ihre Arbeitsweise verändert. Oder wie Urs Thoma, Prorektor Kaufmännische Berufe/Detailhandel erklärte: „Der Stellenbeschrieb einer Lehrperson wird sich grundlegend verändern. Wer hier arbeitet, tut dies als Content-Entwickler, als Referent, als Lerncoach oder als Fachcoach, welcher Inputs gibt“.

Kölliker: „Diese Schule steht für Innovation“

„Das kompetenzorientierte Lernen hat nun auch die Berufsbildung erreicht“, freute sich auch Regierungsrat Stefan Kölliker, der das BZWU als Bildungsleuchtturm anpries, der auch schon von Alt-Bundesrat Johann Schneider-Ammann als nationales Vorbild gelobt worden sei. „Diese Schule steht wirklich für Innovation. Und ich bin sicher, dass hier das Lehren und das Lernen neu gedacht und belebt werden“, so Kölliker.