Die Generationengemeinschaft Schär besteht in dieser Form seit Januar 2020. Bis 2014 lebten hier viele Schafe, heute sind es Black Angus Kühe, ein Black Angus Stier, eine Dexter Kuh mit Kalb, eine Katze, rund 100 Freilandschweine und drei Dahomey Kühe Samt Kälber. Letztgenannte sind weltweit als die kleinsten Rinder überhaupt bekannt. «Im Vordergrund steht jedoch der Ackerbau, welcher saisonal bedingt und besser zu bewirtschaften ist, wenn man noch anderweitig berufstätig ist. Den Hof habe ich im Jahr 2013 meinem Vater abgekauft. Zu jener Zeit wurde intensive Schafmast betrieben, was sehr zeitaufwändig war», erklärt Martin Schär. Ein Betrieb mit vielen Tieren sei schlecht zu bewirtschaften, wenn man den ganzen Tag auswärts arbeitet. Deshalb wurden 2013 bis 2014 die Schafe abgebaut und verkauft. Dass es nicht ganz ohne Tiere geht wurde indes schnell bemerkt. «Was macht man mit dem Gras, welches unter den Bäumen wächst, wo man nicht mit dem Traktor untendurch fahren kann? Es wurden Alternativen gesucht. Im Internet stiess ich dann auf das kleinste Rind der Welt. Das Dahomey Rind. Die Infrastruktur der Schafe konnte auch für diese Tiere perfekt genutzt werden.» Das Dahomey Rind hat lediglich eine Widerristhöhe von 90 bis 110 Zentimetern und ein Gewicht von rund 300 Kilogramm. Durch diese kleine, leichte Rinderrasse entstand die Idee der Weidehaltung für Mutterkühe. Die Tiere sollen selber entscheiden können, wann sie auf die Weide wollen, oder wann sie im Stall liegen wollen. Und das während 365 Tagen», erklärt der Landwirt.

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In der Schweiz gibt es lediglich rund 300 Dahomey Rinder, einige davon hausen im Stall von Martin und Christoph Schär. Dahomey Rinder gelten als die kleinsten Rinder weltweit.

Einfache Gesellschaft – gleichwertige Partner

Die Generationengemeinschaft wird durch Martin als Vater und Christoph als Sohn bewirtschaftet. Christoph (25) sagt, dass sie dies als gleichwertige Partner in einer einfachen Gesellschaft ausüben. «Wenn der Bedarf da ist, helfen uns Kollegen und Freunde aus, das ist natürlich saisonal bedingt. Für uns war es von Anfang wichtig, dass wir die Verantwortungsbereiche klar trennen. Will heissen, dass ich mich um den Ackerbau und die Mutterkuhhaltung kümmere und mein Vater hält die Fäden betreffend Administration, Buchhaltung und die Freilandhaltung der Schweine in der Hand.» Martin Schär (49) hat bisweilen sein ganzes Leben auf dem Hof verbracht und freut sich, in einem seiner beiden Söhne eine geeignete Nachfolgeregelung gefunden zu haben.

Nicht Bio dafür alles für das Tierwohl

Unzählige Lebensmittel werden direkt ab Hof, via der eigenen Homepage, verkauft. Die meistgestellte Frage von Passanten, welche bei den Schweinen vorbei schauen ist oft, wo man das Fleisch beziehen kann. Die Schweine werden in der Ochsen Metzgerei Wattinger in Altnau geschlachtet, teilweise verkauft und an zwei weitere Metzgereien in Kreuzlingen und Tägerwilen weiterverkauft. Das Fleisch wird auch noch im Spar und im CC vertrieben. Natürlich ist es auch möglich, direkt bei mir, per Internet ein gemischtes Fleischpaket zu bestellen», sagt Martin Schär. Zudem werden Weizen, Urdinkel und Sonnenblumen für die Lebensmittelindustrie angepflanzt und Gerste, Soja und Mais werden als Futtermittel angepflanzt und verkauft. Auf die Frage was den beiden Landwirten die Landwirtschaft bedeutet kommen beide ins Schwärmen. «Die Landwirtschaft ist die grüne Oase der Menschheit. Die Landwirtschaft ernährt die Bevölkerung. Doch leider wissen nicht mehr viele Leute, wo und wer die Nahrungsmittel produziert. Das Arbeiten in der Natur ist etwas vom Schönsten», sind sich die beiden einig. Sie unternehmen alles Mögliche, um ihren Tieren ein lebenswertes Dasein zu ermöglichen. «Die Tiere sind Lebewesen wie wir. Man kann viel von ihnen lernen. Das soziale Zusammenleben ist einzigartig. Es kann aber auch ziemlich brutal sein, so ist die Natur, es entsteht Leben und es endet wieder ein Leben», sagt Christoph Schär. Ihr Hof ist sehr gut arrondiert, und alle Parzellen sind im Umkreis von 300 Meter erreichbar. «Wir produzieren so naturnah wie möglich, zwar nicht Bio, dafür mit so wenig Chemie wie möglich, aber so viel wie nötig. Die ganze Produktion ist nach IP Suisse Label ausgerichtet. Unsere Tiere werden praktisch nur mit hofeigenen Produkten gefüttert. Die Mutterkühe werden ausnahmslos durch eigene Futtermittel versorgt, für die Schweine reicht die hofeigene Futtermittelproduktion hingegen nicht aus. Es werden aber alle Futterkomponenten aus dem Raum Ostschweiz zugeführt», sagt Martin Schär.

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Martin Schär schaut täglich für das Tierwohl.

Stets unter Kontrolle

Den Tieren ihre natürlichen Triebe und Bedürfnisse zu ermöglichen, haben sich die Schärs auf die Fahne geschrieben. «Auslauf, Futter und Aufenthaltsort sollen sie jederzeit frei wählen können. Dies ist nicht nur für die Tiere von Vorteil, auch für uns ist es eine Arbeitserleichterung. Die Pflege und Fürsorge der Tiere werden dadurch zeitlich unabhängiger. Bei den Freilandschweinen arbeite ich zusammen mit dem Schweizer Tierschutz, welcher die Tiere und deren Haltung regelmässig kontrolliert», sagt Martin Schär, der sich in seiner (zu) knappen Freizeit in der Feuerwehr und im Schützenverein engagiert. Zudem hat er Spass an Modellfliegern. Auch hierbei zeigen sich Parallelen. So ist auch Christoph als Feuerwehrmann und Turnvereinsmitglied bekannt.