Das Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen prüfte vor rund zehn Jahren mit einer Studie Zusammenschlüsse von Abwasserreinigungsanlagen (ARA) im Einzugsgebiet der Thur. Demnach schien eine regionale, grössere Anlage nach dieser Studie am sinnvollsten. Nebst wirtschaftlichen hat sie auch bedeutende ökologische Vorteile, insbesondere aus Sicht des Gewässer- und Trinkwasserschutzes für die Thurebene. Als beste Lösung kristallisierte sich eine Zusammenlegung der vier Abwasserreinigungsanlagen von Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil. In Uzwil soll am heutigen Standort der bestehenden ARA die ARA Thurau neu gebaut werden.

Gründe für den Beitritt

Die Abwasserentsorgung und die Wasserversorgung sollen langfristig im regionalen Verbund gelöst werden. Der Zeitpunkt für eine grosse ARA ist optimal: Alle vier beteiligten ARA haben Sanierungsbedarf, es müssen also keine kürzlich getätigten Investitionen vernichtet werden. Die Kapazitäten der geplanten ARA reichen bis ins Jahr 2050 und wären aufgrund der vorhandenen Reservefläche bis ins Jahr 2100 ausbaubar. Das Abwasser wird besser gereinigt und weist damit eine höhere Qualität ohne Mikroverunreinigungen wie beispielsweise chemische Rück- stände auf. Ausserdem ist der Thur-Abschnitt ohne Abwasser-Einleitungen länger, was wiederum einen positiven Effekt auf den Fluss, den Naturraum und das Naherholungsgebiet hat, heisst es im aktuellen Mitteilungsblatt. Ein Alleingang für die Sanierung der bestehenden Zuzwiler ARA ist langfristig nicht zielführend.

Kosten

Das Vorprojekt für die ARA Thurau rechnet mit Gesamtkosten von 142,4 Mio. Franken. Nach Abzug der Subven- tionen kostet das Projekt ARA Thurau 128,9 Mio. Franken, davon entfallen 24,86 Mio. Franken auf Zuzwil. Die angeschlossenen Gemeinden tragen die jährlich wiederkehrenden Kosten für Betrieb, Abschreibungen und Kapital von geschätzten 9,74 Mio. Franken über die Abwassergebühren. Die Finanzierung erfolgt also nicht über Steuern. Für Zuzwil beläuft sich der Anteil an den Betriebskosten inklusive Amortisation und Kapitalkosten auf jährlich 1,4 Mio. Franken. Der Kostenverteiler orientiert sich am nötigen Investitionsbedarf der beteiligten ARA Jonschwil, Uzwil, Wil und Zuzwil sowie an der zugeleiteten Abwassermenge. Mit der Abwasser-Mengengebühr muss nebst der ARA Zuzwil auch das kommunale Abwassernetz unterhalten werden. Gemäss Berechnungen ist davon auszugehen, dass die Abwassergebühr mit einem heutigen Stand von Fr. 1.30 pro m3 in den nächsten Jahren leicht angepasst werden muss.

Zweckverband

Nach Abwägung verschiedener öffentlich-rechtlicher und privatrechtlicher Rechtsformen haben sich die Gemeinden für einen Zweckverband ausgesprochen. Die Verteilung der Delegiertensitze erfolgt abgestuft nach Einwohnerzahl, was für Wil fünf Sitze, für Uzwil vier Sitze und die übrigen drei Gemeinden Jonschwil, Oberuzwil und Zuzwil je zwei Sitze ergibt.

Abstimmung in allen Gemeinden

Der Beschluss des Gemeinderates zum Beitritt in den Abwasserverband Thurau beinhaltet die Punkte Beitritt zum Zweckverband, Genehmigung der Verbandsvereinbarung sowie den Kreditbeschluss für den Investitionsanteil von 24,86 Mio. Franken, die je für sich unterschiedliche Zuständigkeiten aufweisen. Aufgrund des sachlich engen Zusammenhangs für die Realisierung des Projekts ARA Thurau haben die Stimmberechtigten über das Gesamtprojekt in einer Abstimmungsfrage zu entscheiden. Dies wird auch bei den anderen Gemeinden Jonschwil und Oberuzwil sowie der Stadt Wil der Fall sein. Angesichts der Projektdimension und der regionalen Zusammenarbeit ist dies auch explizit gewünscht. Die Stimmberechtigten der Gemeinde Uzwil erteilten bereits im Mai 2022 die Zustimmung.