Das jahrelange Werweissen um die Neugestaltung des Flawiler Marktplatzes könnte ein Ende finden. Dann nämlich, wenn das in einem Wettbewerb aus fünf Vorschlägen preisgekrönte Projekt die Akzeptanz der Bevölkerung findet. Die Jury und der Gemeinderat haben sich einstimmig dafür ausgesprochen. Es sieht in der Platzmitte eine einfache Hallenkonstruktion aus Holz vor, die sowohl für Märkte als auch für Feste und kulturelle Anlässe genutzt werden könnte. Unter dem Begegnungsplatz ist eine Tiefgarage mit 62 Plätzen geplant.Schon vor rund 40 Jahren habe man sich in Flawil die Köpfe über die Neugestaltung des Marktplatzes zerbrochen, hielt Gemeindepräsident Elmar Metzger zu Beginn der Medienorientierung fest. Damals sei die Bevölkerung aufgerufen gewesen, Vorschläge einzureichen. Mit einem Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1980 belegte Elmar Metzger, dass schon damals der Bau einer Tiefgarage vorgeschlagen worden sei.

Letzter freier Zentrumsplatz
Die neuen Vorschläge stammen nicht aus der Bevölkerung. Sie sind aus einem Projektwettbewerb hervorgegangen. Der Gemeinderat hatte dafür klare Rahmenbedingungen vorgegeben. Der letzte freie Zentrumsplatz in Flawil war als Aufenthaltsraum und Begegnungsplatz zu gestalten. Das alte Feuerwehrdepot wird abgebrochen, die beiden Bäche offengelegt. Das neue Gebäude muss als Markt- und Kulturhalle benützbar sein. Die Magdenauerstrasse soll in den Begegnungsraum einbezogen werden. Die Parkplätze müssen in den Untergrund verschwinden.

Ausstellung im alten Feuerwehrdepot
Aus den 28 interessierten Architekturbüros wurden fünf eingeladen, eine Projektstudie zu erstellen. Der Vorschlag einer Zürcher Architektengemeinschaft (Architekt, Landschaftsarchitekt, Bauingenieur und Verkehrsplaner) hat sowohl die Jury als auch den Gemeinderat überzeugt. Er wird weiterbearbeitet. Vorher sollen sich aber auch die interessierten Flawiler ins Bild setzen können. Das Siegerprojekt und die übrigen vier Vorschläge sind im alten Feuerwehrdepot ausgestellt. Sie können am Freitag, 19. Mai von 16 bis 19 Uhr, am Samstag, 20. Mai von 10 bis 15 Uhr und am Mittwoch, 24. Mai von 16 bis 19 Uhr besichtigt werden. Zum Siegerprojekt wünscht sich die Behörde Reaktionen der Besucher.

Breit abgestützter Vorschlag
Die Realisierung eines visionären Projektes erfordert in der direkten Demokratie Fingerspitzengefühl und einen langen Atem. Der Flawiler Gemeinderat hat deshalb das Projekt von einer breit abgestützten Gruppe aus Nachbarn und Interessenvertretern begleiten lassen. Auch in der Jury haben Laien mitgewirkt. Jurypräsident Bernhard Müller, ein Facharchitekt, betonte, dass das Siegerprojekt gleichermassen von den Fachleuten und den Mitgliedern der Begleitgruppe gelobt worden sei.

Überzeugt am Projekt habe der Umgang mit dem Bach und mit dem Raum. Die längliche Markt- und Kulturhalle erinnere an die berühmten Grubenmann-Brücken und habe das Potential eine Ikone zu werden. Auch wenn das Siegerprojekt vermutlich zu den kostengünstigen gehöre, habe nicht der Preis sondern die gesamthaft kluge Lösung den Ausschlag gegeben.

Dorfanger als Vorbild
Landschaftsarchitekt André Schmid gab einige Überlegungen preis, welche zum Siegerprojekt geführt haben. Man habe das Dörfliche betonen und ein gewisses Gegenstück zur Bahnhofstrasse setzen wollen. Als Vorbild habe der Dorfanger gedient, wie er bei den Alemannen üblich gewesen sei: ein Platz innerhalb des Ortes, wo die Gemeinschaft gepflegt worden sei. Wie der Dorfanger sei auch der Flawiler Gemeinschaftsplatz von vielen Bäumen gesäumt.

Die Halle habe man anfänglich am Rand des Platzes vorgesehen, war von Architekt Sintzel zu erfahren. In der Mitte platziert werde die einfache Holzkonstruktion aber mehreren Ansprüchen gerecht.