Herr Sarbach, was stimmte des OK genügend optimistisch, die Kulturbühne 2021 durchzuführen?

Es geht uns einerseits darum, nach der nun schon ein Jahr anhaltenden, schwierigen Zeit für die Kultur ein klares, positives Zeichen zu setzen. Andererseits hat der Bundesrat verschiedene, konkrete Öffnungsschritte ab 1. April bei den Kantonen in die Vernehmlassung gegeben - davon beispielsweise Openair-Veranstaltungen bis 150 Personen und Kulturveranstaltungen bis 50 Personen. Das sind doch positive Zeichen!

Gibt es auch einen Plan B oder C?

Sollte es wirklich nochmals 6 lange Wochen beim Status Quo bleiben, dann haben nicht nur wir ein Problem. Die meisten angemeldeten Veranstaltungen können in verschiedenen Varianten durchgeführt werden, notfalls mit nur 50 Gästen. Für die grösseren Veranstaltungen wird es schwieriger, da müssen wir mit Absagen rechnen. Im Fall der Fälle werden wir versuchen, einige ausgewählte Veranstaltungen und Künstler in digitaler Form zu den Menschen bringen zu können.

Soll die Kulturbühne in herausfordernden Zeiten auch ein Signal aussenden?

Genau. Veranstaltungen und damit die Kulturschaffenden sind jene, welche als erstes von den Massnahmen betroffen waren und als letzte wieder einschränkungsfrei arbeiten werden können. Wir möchten Zuversicht und Optimismus ausstrahlen.

Wie viele Kulturschaffende und Gruppen haben sich für eine Teilnahme beworben?

Insgesamt waren es knapp 100 Bewerbungen für Kulturveranstaltungen aller Art - von Musik, Tanz und Theater, über bildende Kunst und Literatur. Das sind an die 160 Einzelkünstler*innen und Gruppen.

Konnten alle berücksichtigt werden?

Fast alle. Da wir selber nicht als Veranstalter auftreten, ist es wichtig, dass die Kulturschaffenden ihre Veranstaltungen alleine oder zusammen mit anderen organisieren und durchführen. Das war zum Teil nicht möglich, da geeignete Räume fehlten, respektive schon besetzt waren, oder die Vorbereitungszeit zu knapp wurde. Wir konnten aber auch einige Kulturschaffende untereinander vernetzen und zu seinem gemeinsamen Auftritt bewegen.

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OK-Präsident Mike Sarbach will mit der Kulturbühne 2021 Zuversicht und Optimismus ausstrahlen. 

Wie ist die Kulturbühne ursprünglich entstanden?

Die Hauptaufgabe von ThurKultur ist es ja, unzählige Gesuche zu prüfen und Förderbeiträge zu leisten. Dabei fällt schnell auf, wie lebendig und vielfältig das kulturelle Schaffen in der ThurKultur-Region ist. Wir hatten immer wieder über verschiedene Möglichkeiten diskutiert, diese Vielfältigkeit für die breite Bevölkerung sichtbar zu machen, den Austausch unter den Kunst- und Kulturschaffenden zu fördern, das Publikum in der Region ‘wandern’ zu lassen und das Gefühl der Gemeinsamkeit zu stärken. Aus diesen Diskussionen ist im Jahr 2016 letztlich die Idee für das Projekt «Kulturbühne» gereift. Sie lehnte sich stark an die «Tage der Kultur» von 2011 an, welche kurz vor der Gründung von ThurKultur durch den damaligen Verein Kultur Südthurgau erfolgreich durchgeführt wurde.

Dann wurde diese Idee aufgenommen?

Zufälligerweise war die Kulturkommission der Stadt Wil gleichzeitig dabei, einen ähnlichen Anlass in Wil zu planen und hat eine Zusammenarbeit angeboten. So kam es letztlich dazu, dass ThurKultur zusammen mit der Stadt Wil die Kulturbühne 2018 unter dem Leitspruch «Gemeinsam vielfältig» lanciert hat.

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Musik in unterschiedlichen Stilrichtungen ist ein wichtiger Mosaikstein im Programm der Kulturbühne. 

Welche Lehren hat das OK aus der ersten Durchführung gezogen?

Die grösste Neuerung ist, dass die Kulturbühne neu 10 Tage dauert statt einer Woche. Zwar waren auch die meisten Veranstaltungen unter der Woche gut besucht; es liegt aber auf der Hand, dass Freitag und Samstag die beliebtesten Wochentage sind. So können sich diese Veranstaltungen auf zwei Wochenenden verteilen - davon haben sowohl die Kunst- und Kulturschaffenden als auch das Publikum etwas. Zudem haben wir neben der «Sichtbarmachung» auch die direkte Unterstützung intensiviert. Neben Bemühungen, die Künstler*innen miteinander zu vernetzen oder beispielsweise bezüglich möglichen Präsentationsorten zu beraten, werden wir ausgewählte Veranstaltungen - welche aus rein finanziellen Überlegungen nicht stattfinden könnten - auch direkt mit Beiträgen unterstützen. 

Detaillierte Informationen zur Kulturbühne 2021: https://www.kulturbuehne2021.ch/?fbclid=IwAR3ZzsO56tkbcWHeIcOloo-rzcCOulF44SMxviJ6TzIOXxRZ2r6LBgOSVSo