Während der Corona-Zeit gingen auffällig viele Meldungen von Bürgern über sogenannte Autoposer bei der Kantonspolizei St.Gallen ein. Verkehrsteilnehmende, die mit ihren Fahrzeugen vermeidbaren Lärm verursachen oder unnötig herumfahren und den Motor hochdrehen, sind für Drittpersonen extrem störend, heisst es in einer am Montagmorgen verschickten Mitteilung der Kantonspolizei. 

240 sogenannte Auto-Poser wurden im Kanton St. Gallen seit der Verhängung des Lockdowns am 17. März angezeigt, davon 45 in Wil. Dies teilt die Kantonspolizei auf Anfrage von hallowil.ch mit. Die Verzeigten waren mehrheitlich zwischen 19 und 28 Jahre alt, teilt die Kantonspolizei mit. Kantonsweit wurden 22 Autos und zwei Motorräder stillgelegt. In Wil resultierten aus 29 Fällen von technischen Änderungen 4 Stilllegungen. In 16 Wiler Fällen handelte es sich um Verursachen von vermeidbarem Lärm.

Technische Veränderungen nicht pauschal verboten

Kantonsweit wurden 75 Verkehrsteilnehmende angezeigt worden, weil sie Drittpersonen störten. Weiter wurden 165 Auto- oder Motorradfahrer ebenfalls bei der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen zur Anzeige gebracht, weil sie nicht erlaubte, technische Veränderungen an ihren Fahrzeugen vorgenommen hatten. 

Die Kantonspolizei St.Gallen macht in ihrer Mitteilung darauf aufmerksam, dass technische Veränderungen an den Fahrzeugen nicht pauschal verboten sind. Diese müssten aber vom Strassenverkehrsamt geprüft werden. Nicht eingetragene und nicht genehmigte, typenfremde Fahrzeugteile wie beispielsweise Felgen oder Manipulationen an Auspuffanlagen sind nicht erlaubt. Besonders Letzteres ist eine von vielen Varianten, um die Geräuschemissionen von Fahrzeugen zu manipulieren. (kapo/red)

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Autoposer-Problematik: Hat die Polizei Wil vernachlässigt? (30.6.)

Sie sind eines der grossen Themen im Frühjahr und Sommer 2020: die vornehmlich jungen Autoposer, welche auch in Wil auf den Strassen unterwegs sind, um ihre Autos möglichst laut und schnell zu präsentieren – hauptsächlich abends und nachts. Immer wieder kommt es auch zu Menschenansammlungen. Das war vor allem im Frühjahr ein Problem, als wegen der Corona-Pandemie Gruppierungen mit mehr als fünf Personen verboten waren.

Dem Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi ist zu Ohren gekommen, dass es in der Nacht des 18. Aprils Zwischenfälle gegeben habe in Wil. Anwohner des Allee-Schulhauses hätten wegen Lärmbelästigung und Missachtung des Versammlungsverbots die Polizei informiert. Diese sei dann gekommen – und von den Automobilisten bedroht worden. Die Ordnungshüter hätten sich zurückgezogen und den Anwohnern mitgeteilt, dass sie mit der nächtlichen Ruhestörung leben müssten. Die Anordnung, nichts zu machen, sei «von oben» gekommen. Böhis Befürchtung: Die Stadt Wil wird von der Polizei vernachlässigt.

«Nächtliche Ruhestörungen werden nicht geduldet»

Darum hat Böhi im Kantonsrat eine Einfache Anfrage eingereicht in dieser Thematik. Nun liegt die Antwort vor. Die Regierung widerspricht den Vorwürfen Böhis – und doppelt damit die Aussagen, welche die Kantonspolizei schon gegenüber hallowil.ch gemacht hatte (siehe Artikel unten). Zwar habe aufgrund von zahlreichen Einsätzen in der Region Fürstenland-Neckertal in jener Nacht ressourcenbedingt priorisiert werden müssen, die Stadt Wil habe aber Priorität genossen. Da an jenem 18. April in der Äbtestadt effektiv «ein erhöhtes Aufkommen von Personen aus der Autoposer-Szene» festgestellt worden war, habe die Kantonspolizei die Präsenz erhöht und bei verschiedenen Vorkommnissen interveniert. «Zahlreiche Fahrzeug- und Verkehrskontrollen zeigten aber, dass die Massnahmen des Bundes bei einzelnen Autoposer-Gruppierungen auf wenig Akzeptanz stiessen», schreibt die Regierung.

Mindestens zwei Einsatzpatrouillen seien in Wil im Dauereinsatz gestanden in besagter Nacht. Verschiedene Gruppen seien aufgelöst, Bussen ausgestellt und Wegweisungen ausgesprochen worden. «Trotzdem war das ausnahmslose Durchsetzen des Versammlungsverbots wegen der hohen Auftragsdichte ausgeschlossen», so die Regierung weiter. Nächtliche Ruhestörungen würden «keineswegs geduldet». Ein Verbot durch Vorgesetzte bei der Wahrung der öffentlichen Sicherheit habe es nicht gegeben.

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Wiler fühlen sich von Autoposern gestört (7.6.)

Selbst an einem regnerischen Sonntag wie diesem sind auf Wiler Strassen Autos unterwegs, die nicht so laut sein müssten. Und das ist beileibe kein Einzelfall. Neben Rorschach und Gossau zählt Wil zu den Hotspots in Sachen Auto-Posern. Darum kontrolliert die Polizei auch regelmässig, verteilt Bussen und stellt im schlimmsten Fall gar Autos still.

Darum hat hallowil.ch am vergangenen Dienstag eine Online-Umfrage lanciert und gefragt, ob die Auto-Poser ein Problem darstellen. Über 500 Klicks wurden bis Sonntagabend generiert. Rund 450 davon – also weit über 80 Prozent – finden, dass Wil effektiv ein Problem mit Auto-Posern hat. Die Polizei hat weitere Kontrollen angekündigt.

Die Umfrage ganz unten an diesem Textgefäss ist immer noch aktiv.

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Auto-Poser: «Lässt der Kanton die Stadt Wil im Stich?» (2.6.)

In diesem Frühjahr werden vermehrt Automobilisten kontrolliert, die ihre Fahrzeuge bewusst laut und schnell zur Schau stellen. Von Auto-Posern ist die Rede. Es handelt sich meistens um junge Männer. In der Ostschweiz gibt es mehrere Hotspots. Einer davon ist in Wil. Gerade jetzt in der milden Jahreszeit führt das wiederholt zu Differenzen zwischen diesen Automobilisten und den Anwohnern.

Auch die Samstagnacht, 18. April war lau – und laut. Dem Wiler SVP-Kantonsrat Erwin Böhi ist zu Ohren gekommen, dass sich in jener Nacht zahlreiche Automobilisten der Tuning- und Auto-Poser-Szene in der Umgebung des Alleeschulhauses im Zentrum der Stadt versammelt hätten. Anwohner seien wegen des Lärms und der Missachtung des Corona-Versammlungsverbots bei der Polizei vorstellig geworden, worauf hin zwei Patrouillen ausrückten. Nach Drohungen gegen die Ordnungshüter hätten sich diese zurückgezogen. Den Anwohnern sei von den Polizisten mitgeteilt worden, ihre Vorgesetzten hätten ihnen aus Sicherheitsgründen verboten zu intervenieren. Als Anwohner hätten sie sich mit der nächtlichen Ruhestörung durch die Automobilisten abzufinden.

Polizeisprecher: «Wil wurde prioritär behandelt»

Erwin Böhi (SVP) hat nun eine einfache Anfrage im St. Galler Kantonsrat eingereicht. Dabei will er unter anderem von der Regierung wissen, ob die Schilderungen der Anwohner korrekt sind. Falls ja, interessiert Böhi, warum eine solche Ansammlung, welche von den Anwohnern als Belästigung und Bedrohung empfunden worden sei, toleriert wurde. «Lässt der Kanton die Stadt Wil im Stich?», fragt der Wiler Kantonsrat.

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Kantonsrat Erwin Böhi (SVP) will Klarheit haben, was in der Nacht vom 18. April im Wiler Stadtzentrum abgelaufen ist. (Archivbild: pd)

Ganz und gar nicht, findet die Polizei. «Die Stadt Wil ist in jener Nacht absolut prioritär behandelt worden. Es befanden sich während der ganzen Nacht mindestens zwei Patrouillen in der Stadt Wil. Die Einsatzdichte in der Polizeiregion Fürstenland-Neckertal war sehr hoch. Andere Hotspots in der Region erhielten nicht die gleiche Präsenz wie Wil», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi zu hallowil.ch.

Zweifel an Aussage der Anwohner

Die beiden Polizeipatrouillen hätten bei verschiedenen Vorkommnissen interveniert. «Die Menschenansammlungen in der Allee und beim Bahnhof Wil erhöhten sich immer wieder. Sobald die eine Gruppe aufgelöst wurde, bildete sich wieder eine neue», sagt Krüsi. Die Massnahmen des Bundes hätten jene Leute kaum interessiert. Ein absolutes Durchsetzen des Versammlungsverbotes sei nicht möglich gewesen. «Vereinzelt wurden gegen ganz uneinsichtige Personen Bussen ausgestellt», sagt Krüsi.

Doch haben tatsächlich Polizisten den Anwohnern erzählt, dass ihre Vorgesetzten aus Sicherheitsgründen eine Intervention verboten hätten? «Ich glaube dieser Aussage nicht. Dies entspricht absolut nicht der Dienstleistungsbereitschaft und Vorgehensweise der Kantonspolizei St. Gallen», so Krüsi.