«Diese Anfrage konnte ich nicht ablehnen», sagt Stefan Roth und lacht. Dann erklärt er: «Nur schon deshalb, weil sie von Lenggenwil kam». Die Musig Lenggenwil, die das St. Galler Kantonalmusikfest unter dem Motto «Top Of 19» am 25. und 26. Mai des kommenden Jahres organisiert, hatte den in Bischofszell wohnhaften Musiker und Dirigenten beauftragt einen Erinnerungsmarsch für alle teilnehmenden Vereine zu komponieren. Einzige Voraussetzung war, dass die Komposition für alle Spielklassen und Besetzungen, also Brass Band und Harmonie, spielbar sein muss. Seine Arbeit hat Stefan Roth nun beendet. Vor einigen Tagen haben die Lenggenwiler Musikanten den Marsch «Top Of 19» erstmals gespielt. Die Uraufführung findet an den Unterhaltungsabenden des Musikvereins am kommenden Samstag, 27. Oktober, und am Samstag, 3. November, statt.

Persönliche Bande und Bekanntheit

«Wir haben sofort an Stefan Roth gedacht, als wir uns mit dieser Idee befassten», sagt Sereina Meienhofer, OK-Verantwortliche fürs Kantonale Musikfest. Roth sei in der Region bekannt und die Musig Lenggenwil pflege einen persönlichen Kontakt zum Musiker, weil er auch schon Probetage in Lenggenwil geleitet habe. Stefan Roth beschreibt sich selbst als Gelegenheitskomponist für Gebrauchsmusik wie Märsche und Paso-Dobles. Einer seiner bekannteren ist der TKB-Jubiläums-Marsch. «Roth hat einen Namen in der Blasmusik-Szene, er kennt sich aus», sagt Meienhofer. Sie hat den Marsch «Top Of 19» bereits gespielt und ist überzeugt, dass der Erinnerungsmarsch in Erinnerung bleiben wird. «Er ist gut spielbar und gehörfällig.»

Auf der Suche nach der guten Melodie

«Komponieren braucht Geduld, Zeit und Inspiration», sagt Stefan Roth. Die Inspiration zu einer guten Melodie stehe am Anfang. Danach sucht er in seinem Kopf. Dort, wo sich Millionen von Melodien tummeln und er zu vermeiden versucht, eine dieser Melodien zu verwenden. Oft verwirft er Geschriebenes wieder, weil er das Gefühl hat, dass er diese Melodie schon gehört hat. Irgendwann war die Melodie im Kopf. Nämlich jene Melodie, die ihm für den «Top Of 19»-Marsch gefiel. Stefan Roth beschreibt, worauf er beim Komponieren ebenfalls grossen Wert legt: «Ein Marsch muss gut instrumentiert sein. Das ist das qualitativ Wertvolle eines Marsches. Er darf nicht zu schwierig sein und muss auch mit einer kleinen Besetzung gut klingen». Oft spielt bei Stefan Roth der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Druck beim Schreiben beflügelt ihn. Was sich in seinem Kopf über längere Zeit ansammelt, bringt er dann in wenigen Tagen auf das Papier. Er verrät dann auch, weshalb er der Musig Lenggenwil keine Absage erteilen konnte: «Ich habe grossen Respekt vor dem Dirigenten Josef Meienhofer, der seit Jahrzehnten mit Akribie, Sorgfalt sowie Geduld arbeitet und erfolgreich ist.»

Zur Person Stefan Roth

Stefan Roth verbrachte seine Jugend in Aadorf. Seine ersten musikalischen Schritte machte er als Mitglied der Musikgesellschaft Aadorf. Später trat er der Liberty Brass Band Ostschweiz bei. Er studierte an der Hochschule der Künste in Zürich und anschliessend in Maastricht, wo er sein Studium erfolgreich als Bachelor of Arts in Music abschloss. Nach zweijährigem Masterstudium bei Ludwig Wicki, Dominique Roggen, Rolf Schumacher, Oliver Waespi und Thomas Rüedi erwarb er 2012 an der Hochschule der Künste Bern den Titel Master of Arts in «Blasmusikdirektion» mit Auszeichnung. Im Juli 2016 erreichte er am «1st International Conductor's Competition» in Augsburg den zweiten Rang unter 50 teilnehmenden Dirigenten der ganzen Welt. Zurzeit ist er als Dirigent des Blasorchesters der Jugendmusik Kreuzlingen, des Symphonischen Blasorchesters Kreuzlingen, des Musikvereins Kradolf-Schönenberg, der Bürgermusik Untereggen und der Uniun da Musica Sagogn tätig. Seit März dieses Jahres dirigiert Stefan Roth die Liberty Brass Band Ostschweiz, die in der Höchstklasse spielt. (pd)

Uraufführung des Marsches «Top Of 19» am kommenden Samstag, 27. Oktober, und am Samstag, 3. November, 20 Uhr, Mehrzweckgebäude Lenggenwil.