Zum vierten Festtag des 160-Jahr-Jubiläum der Musikgesellschaft Niederwil war am Sonntagvormittag ein Ökumenischer Gottesdienst angesagt. Die beiden Geistlichen, Rolf Tihanyi von der Kath. Kirchgemeinde und Pfarrer Mark Hampton seitens der Evangelischen Kirchgemeinde Flawil, thematisierten im Gottesdienst den Stellenwert der Musik im Leben, ein Jedes habe seine Lebensmelodie zu spielen. Musikalisch begleitete das Akkordeon-Orchester Gossau-Herisau.Mit dem Ökumenischen Gottesdienst im Rahmen der Festtage von „Treff17“ kam sozusagen ein Treff mit dem Allmächtigen zustande. Wenn sich das Festzelt zur Feier auch nicht bis auf letzte Plätze füllte, durfte sich die doch grössere Schar Teilnehmer sehen lassen. Das Thema „Musik“ begleitete durch die ganze Feier. So war auch die angesetzte Kollekte zu Gunsten der „Jugendförderung des schweizerischen Blasmusikverbandes“ vorgesehen.

„Wach auf mein Herz und singe“
Musikalisch startete die Feier mit einem ersten Spiel des Akkordeon-Orchesters. Pfarrer Mark Hampton von Flawil begrüsste die Anwesenden mit dem Aufruf: „Wach auf mein Herz und singe“. Wir seien zusammen gekommen, um im Namen Gottes zu feiern. Hampton erinnerte an die laufende 500-Jahrfeier von Martin Luther, der sich besonders für Lebensmusik eingesetzt habe. Musik wirke gerade in betrüblichen Zeiten wie eine Labsal, erfrischend und erquickend. Das Musikfest der 160-Jahr-Feier sei gut geeignet, Empfindungen auszudrücken.

Das Wesen der Harmonie
In seiner Predigt stellte Rolf Tihanyi Vergleiche an, wie die menschliche Harmonie viel mit Harmonie der Musik zu tun habe. Der Musikverein Niederwil habe in seinen 160 Jahren immer wieder mit viel Geduld geprobt, anfänglich mit Registerproben, um dann als Einheit und guter Abstimmung zu einem harmonischen Auftritt zu gelangen. Keine Stimme dürfe die andere übertönen, weil ein Jedes nur Mitglied des Ganzen sei.

Die Menschen könnten ebenfalls als Blasmusik verstanden werden. Mit ihrer teils überaus unterschiedlicher Wesensart, Charakter und Einstellungen bildeten sie die Instrumente. Das Ziel müsse sein, dass bei optimalem Zusammenwirken eine Einheit in Harmonie entstehen könne.

„Wer ist der Dirigent meines Lebens?“
Das Erreichen von Harmonie gelinge kaum umgehend, so Tihanyi weiter, weil ein Jedes von uns zuerst einmal als Solist auftrete und den Ton angeben wolle, um sich behaupten zu können. Hinzu komme die Bedingung des laufenden Übens, um auf den Dirigenten „Gott“ hören zu können. Ein gelungenes Leben bedürfe grundsätzlich des laufenden Übens.

Es gelte weiter zu überlegen, wer der Dirigent über mein Leben ist. Die Welt bilde in dem Sinne eine grosse Symphonie, wo sich alle in Bescheidenheit einordnen. Der Leiter der Melodie des Lebens sei unser Herr und Gott, aber spielen müssten wir Menschen“, schloss Tihanyi seine Gedanken.

Nach den Segensworten von Pfarrer Mark Hampton spielte noch einmal das Akkordeon-Orchester auf, um dann zum Frühschoppen überzuleiten. Mit rassigen Klängen zeigten sich die Musiker der Blaskapelle „d'Seehofer“. In den Nachmittagsstunden kam mit dem Plauschwettbewerb vor dem Zelt noch einmal reger Betrieb auf.