Erstmals in der Vereinsgeschichte wurde die Mitglieder-Buchgabe im Rahmen einer Vernissage präsentiert. Dass das Johann Nepomuk Wirz à Rudenz (1766 bis 1841) gewidmete Werk von Stadtarchivar Werner Warth im Baronenhaus vorgestellt wurde, war kein Zufall.Es liegt in der Tradition der Kunst- und Museumsfreundinnen und –freunde Wil und Umgebung, historische oder kunstgeschichtliche Themen mit einem lokalen Bezug aufzuarbeiten und in Publikationen zu veröffentlichen. Alle zwei bis drei Jahre gelangen die Mitglieder in den Genuss einer Buchgabe. Der Ursprung des neusten Werkes lag in einem spannenden Referat von Stadtarchivar Werner Warth anlässlich der Hauptversammlung der Kunst- und Museumsfreunde im Jahr 2015.

Schwiegervater erbaute das Baronenhaus
Damals war der Vortrag über Johann Nepomuk Wirz à Rudenz bei den Mitgliedern auf ein grosses Interesse gestossen. Die neuste Publikation ruft einen in Vergessenheit geratenen Wiler Bürger in Erinnerung, den Vereinspräsident Hans Vollmar in seiner Begrüssung als „grossen Unbekannten“ bezeichnete. Mit der Wahl des Baronenhauses für die Vernissage wurde ein erster Bezug zu Baron Wirz à Rudenz geschaffen, war doch sein Schwiegervater, Reichsvogt Josef Pankraz von Grüebler (1737 bis 1803), der Erbauer dieses Gebäudes.

Eine Fülle von Dokumenten in einem alten Koffer
Autor Werner Warth skizzierte bei der gelungenen Vernissage das Leben von Johann Nepomuk Wirz à Rudenz auf kurzweilige Art. Den Grundstein für die Biographie lieferte ihm der Inhalt eines zylinderförmigen Koffers, der jahrzehntelang im Stadtarchiv eingelagert war. Dieser enthielt unter anderem über 400 Briefe der Familie Wirz-Grüebler. Der Stadtarchivar, der sich selber als „Archivratte“ bezeichnete, verarbeitete diesen Fundus mit grossem Aufwand und trug mit zusätzlichem Material aus dem Stadtarchiv Wil, dem Stift- und Staatsarchiv in St. Gallen sowie dem Archiv der Katholischen Kirchgemeinde Wil weitere Mosaiksteine zusammen. Entstanden ist so ein reich bebildertes Werk mit 84 Seiten, das den Übergang vom Ancien Régime zum Kanton St. Gallen zu Beginn des 19. Jahrhunderts anschaulich dokumentiert.

1810 ging der Hof zu Wil an Baron Wirz à Rudenz
Die Stadt Wil gehörte seit dem Jahr 1226 dem Kloster St. Gallen. Der jeweilige Abt war damit auch Stadtherr in Wil. Wenn er in Wil weilte, wohnte er im Hof. Johann Nepomuk Wirz à Rudenz wurde 1796 Reichsvogt in Wil und übte das Amt noch kurze Zeit unter Abt Pankraz Vorster aus. Als Vertreter und Gesandter des letzten Fürstabtes hielt er diesem in den nachfolgenden unruhigen Jahren gegen alle Widerstände stets die Treue und versuchte wiederholt mit allen Mitteln, das fürstliche Stift St. Gallen wieder zu errichten. Um seine Ziele zu unterstützen, kaufte er 1810 den Hof zu Wil.

Beispiellose Treue mit horrender Busse bestraft
Der Wiener Kongress bestätigte 1815 die Aufhebung des Klosters St. Gallen und anerkannte zusammen mit fünf weiteren auch den Kanton St. Gallen. Damit war der langwierige Streit um die Wiedererrichtung des Klosters St. Gallen beendet. Wirz, der vehement gegen die Kantonsverfassung eingetreten war, wurde 1816 mit einer horrenden Busse von 10 175 Gulden belegt, was ihn beinahe in den Ruin getrieben hätte. Erst 1837 war die Schuld getilgt. Der letzte Reichsvogt hatte für seine Treue schwer bezahlt.

Der Baron ging in Vergessenheit
Baron Wirz starb am 5. November 1841 im Alter von 75 Jahren. Heute erinnert nur noch der Name des Hauses Rudenzburg am Rande der Unteren Vorstadt, einem neuralgischen Verkehrsknotenpunkt, an Johann Nepomuk Wirz à Rudenz. Ein Denkmal oder eine nach ihm benannte Strasse sucht man vergeblich.

Eine Auswahl an Transkriptionen der von Werner Warth verwendeten Dokumente ist am Schluss des Werkes „Der Treuste der Treuen“ in einem eigenen Kapitel zu finden. Die noch recht vielen nicht übersetzten Dokumente werden weiter transkribiert und können dann auf www.wilnet.ch unter dem Stichwort „Wirz à Rudenz“ abgerufen werden.

Dank an Sponsoren
Hans Vollmar, Präsident der Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung, richtete seinen Dank an die Ortsgemeinde Wil, die Stadt Wil und Thurkultur, welche die neuste Publikation finanziell zu einem knappen Drittel unterstützt haben. Ein besonderer Dank ging an Stadtarchivar Werner Warth, der mit viel Herzblut und grossem Wissen ans Werk gegangen ist, aber auch an die Druckerei Meyerhans sowie an den in Greifensee wohnhaften Wiler Bürger Willi Grüebler, dessen Werk „Zeitenwende in Wil“ eine wesentliche Quelle war.

Geselliger Apéro als Abschluss der Vernissage
Mit einem Umtrunk in der Eingangshalle des Baronenhauses wurde auf eine Publikation angestossen, welche die Zeitenwende zwischen der Französischen Revolution im Jahr 1789 und 1815 in Bezug auf die Stadt Wil thematisiert.

Erhältlich ist das Buch zum Preis von 25 Franken über www.kunst-museumsfreunde-wil.ch/shop. Den anwesenden Mitgliedern wurde das Werk gleich nach der Präsentation im Baronenhaus überreicht.

Weitere Informationen zu den Kunst- und Museumsfreunden Wil und Umgebung: www.kunst-museumsfreunde-wil.ch