Im Auftrag der Politischen Gemeinde Wilen hat Daniela Wiesli ein Wilener Erinnerungsbuch erschaffen. In jahrelanger Recherchearbeit sind dabei viele Informationen aus über zwei Jahrhunderten zusammen gekommen. 72 Seiten, bebildert und historisch aufgearbeitet. „Wilen bei Wil – Ein Dorf erinnert sich“ heisst das Werk von Daniela Wiesli, selber ein Wilener Urgestein, obschon sie erst 42 Jahre jung ist. Um 1800 war Wilen ein Bauerndorf bestehend aus lediglich 40 Haushaltungen. Mit dem Aufkommen der Stickerei und bis zum Ersten Weltkrieg hin begann das Dorf, merklich anzuwachsen.

Stetig gewachsen
Nach drei Jahrzehnten der Stagnation entstand dann schliesslich jenes Wilen, welches man heute kennt, mit bis dato 2500 Einwohnern. Im Hinblick auf die Feierlichkeiten „20 Jahre Politische Gemeinde Wilen“ fing Daniela Wiesli 2014 an, die Geschichte des Dorfes intensiver zu recherchieren. «Mit vielen Interviews und Einblicken in die Protokollbücher der Bürgergemeinde und der Ortsgemeinde Wilen gelang es mir, interessante Geschehnisse des 19. und 20. Jahrhunderts zu eruieren.»

Vier Jahre und 100 Helfer
Daniela Wiesli, eine studierte Übersetzerin mit Weiterbildung in Geschichte und Unterwasserarchäologie, gilt als das Zugpferd dieses historisch wertvollen Buches. Aber alleine hätte sie dieses Werk nicht erschaffen können. «Über 100 Leute waren daran beteiligt, und jede einzelne Person war ungemein wichtig. Intensiv an der Gestaltung des Buches habe ich dann mit der Lektorin Bettina Epper, der Grafikerin Hiroe Mori und dem Fotografen Daniel Lüscher gearbeitet.» Den Auftrag, ein solches Werk zu erschaffen, erhielt Daniela Wiesli von der Politischen Gemeinde Wilen. Im Hinblick auf die Feierlichkeiten von „20 Jahre Politische Gemeinde Wilen“ suchte Gemeindepräsident Kurt Enderli vor vier Jahren eine geeignete Person, die ein Erinnerungsbuch schreiben wollte. «Einige historisch Interessierte wurden angefragt, aber aus dieser Gruppe war ich dann die Einzige, die zugesagt hat», sagt Daniela Wiesli.

Die Richtige gefunden
Da sie sich schon früher um das Geschichtsarchiv des Dorfes gekümmert und im Zuge der Recherchen für das „Hinweisinventar alter Bauten und Ortsbilder“ der Denkmalpflege Thurgau bereits mehrmals schon mit älteren Dorfbewohnern gesprochen hatte, liess sie sich für die Idee des Gemeindepräsidenten sogleich begeistern.

Schwieriges Recherchieren
Im Zeitraum von 2014 bis 2017 hat Daniela Wiesli regelmässig Interviews geführt und Recherchen getätigt. Insbesondere die Interviews stellten sie vor heikle Aufgaben, denn nicht immer stimmten die Aussagen verschiedener Personen überein. «Viele Erinnerungen der Leute waren lückenhaft oder widersprüchlich, so blieb mir nichts anderes übrig, als zu gewissen Themen und Texten Zweit- oder Drittpersonen zu fragen. Manchmal habe ich gar ganze Familiengeschichten recherchiert». Im Wilener Buch erscheinen oft die gleichen Namen. Die Autorin sagt, dass „Wiesli“ und „Hinder“ halt die ältesten Geschlechter im Dorf sind. «Aktuell wohnen 39 „Wieslis“ im Dorf, „Hinders“ hingegen nur noch sechs. Zudem gehörten früher auch die Namen Kappeler und Kienle zu den meist verbreiteten Namen bei uns.


Zufrieden im Jetzt
Daniela Wiesli erforscht weiterhin die Geschichte von Wilen. Auf die Frage, in welcher Zeitspanne sie am liebsten leben würde, antwortet sie, dass sie es im Heute perfekt getroffen hat und damit voll und ganz zufrieden ist. Auch mit dem Wilener Leitbild „Lebensqualität durch Nähe“ kann sie sich jederzeit identifizieren. «Wir wohnen hier sehr privilegiert. Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Dorfarzt, Vereine, Veranstaltungen, die Nähe zur Stadt, herrlich unser Wilen.» Das Wilener Buch wurde an der vergangenen Gemeindeversammlung kostenlos verteilt und erste Rückmeldungen liessen nicht lange auf sich warten. «Es kamen tolle Feedbacks via Telefon, E-Mail, per Brief oder gar persönlich; die Freude der Menschen ist gross und es erfüllt mich mit Genugtuung und gibt mir die Gewissheit, das Richtige gemacht zu haben.» Daniela Wiesli ist es gelungen, ein historisch wertvolles Bijou zu erschaffen; bereits hätte sie sogar genug Material zusammen, um einen zweiten Band zu schreiben.

Interessierte können auf der Gemeindeverwaltung in Wilen kostenlos ein Exemplar abholen