Rund 80 Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und der Politik nutzten mit der Teilnahme an der 17. Hauptversammlung die Gelegenheit, Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen. Zudem reizte wohl auch die Möglichkeit, hinter die Kulissen der erfolgreichen Blumenfamilie Rutishauser zu blicken und von deren Strategien und Visionen zu erfahren. Der geschäftliche Teil, durch den Präsidentin Monika Scherrer speditiv führte, nahm denn auch nur eine halbe Stunde in Anspruch. Dann wurden die Teilnehmenden in fünf Gruppen durch kompetente Mitarbeiter durch die riesigen Produktionshallen geführt und über die Produktion von Blumen und Pflanzen aufgeklärt. Anschliessend offerierte die Gastgeberfamilie einen grosszügigen Apéro.

Konstanter Beratungsbedarf

Monika Scherrer erwähnte in ihrem Jahresbericht, dass im vergangenen Jahr 116 Jungunternehmer/innen begleitet wurden. Dafür waren etwa 560 Beratungsstunden erforderlich. Die Zentren organisierten zahlreiche Anlässe, bei denen verschiedene Betriebe und Anlagen besichtigt oder lehrreiche Referate besucht werden konnten. In ähnlichem Rahmen sollen auch 2018 attraktive Angebote gemacht werden. Als letzte Gemeinde im Einzugsgebiet sei Waldkirch dem Jung-Unternehmer-Zentrum beigetreten, gab die Präsidentin bekannt. Als neuer Sponsor konnte die Firma ABACUS gewonnen werden. Anstelle des Flawiler Gemeinderats Erwin Thalmann wählten die Stimmberechtigten seinen Amtskollegen Markus Lichtensteiger, der in Flawil das Ressort Wirtschaft betreut. Für ihre Mithilfe bei der Industrie- & Gewerbeausstellung riga18 in Uzwil überreichte Geschäftsleiterin Erika Schiltknecht einigen Personen ein kleines Dankeschön.

Post inside
Die Gemeindepräsidentin von Degersheim, Monika Scherrer leitete als Präsidentin die 17. Hauptversammlung.


Jung- und Neuunternehmer fördern

Das Jung-Unternehmer-Zentrum ist als Trägerverein organisiert. Ihm gehören Vertreter der regionalen Wirtschaft und der Politik an. Die Organisation wird auch von der kantonalen und regionalen Wirtschaftsförderung unterstützt. „Von den vier Standorten Flawil, Gossau, Wattwil und Wil aus erreichen wir nicht nur die Jung- und Neuunternehmer optimal, sondern gewährleisten auch die Kontakte zur regionalen Wirtschaft und zu den Behörden“, erklärt Erika Schiltknecht, Geschäftsleiterin des Trägervereins in ihrem Bericht. Die Zentren seien wertvolle Anlaufstellen in der Gründungs- und Aufbauphase. Die Anzahl der Beratungen sei gegenüber dem Vorjahr etwa gleichbleibend. In den letzten fünfzehn Jahren seien rund 1‘500 Personen beraten worden. Bei Neugründungen entstanden rund 3‘000 neue Arbeitsplätze.

Erfolgreicher Branchenleader

Im Namen der Gastgeber begrüsste Bruno Rutishauser die Gäste. Er stellte seine Familie vor, die in vierter Generation das Unternehmen leitet. Neben ihm als Geschäftsführer der Rutishauser Blumen, Pflanzen und Kulturen sind seine Geschwister Heidi, Urs, Marianne und Esther in verantwortlichen Funktionen in der Firma tätig. Die über 100-jährige Geschichte des erfolgreichen Unternehmens gründet auf die lange Tradition der Familie. Die Leidenschaft für Pflanzen und Blumen motiviert auch die vierte Generation, wie Bruno Rutishauser bekannte. Mit einer innovativen, zukunftsgerichteten Strategie passe sich das Unternehmen den ständig veränderten Kundenbedürfnissen an. Es werde an den vier Standorten in den Kantonen St.Gallen, Thurgau, Zürich und Tessin produziert. In Züberwangen beträgt die Produktionsfläche rund 45‘000 Quadratmeter. Neuerdings würden auch Pflanzen für den Gesundheits- und Medizinalbereich produziert. „Wir glauben an den Standort Schweiz. Zwar sind wir nicht die Billigsten, aber die Besten“, sagte er mit Überzeugung.

Post inside
Auch wenn jetzt eine ruhigere Produtionsphase ist, kann Bruno Rutishauser mit Stolz auf die vollautomatisierte  Anlage hinweisen


Blumenfamilie mit Leidenschaft

Bruno Rutishauser wies auf den grossen Bergkristall im Foyer hin, den er als Symbol von Bodenständigkeit und Verbundenheit mit der Natur bezeichnete. „Wir sind bestrebt, uns stets den Marktbedürfnissen und Trends anzupassen. Unser Fokus ist auf die Produktion von Schnittblumen und Topfpflanzen ausgerichtet, wobei im Stammhaus in Züberwangen die saisonale Züchtung und Veredelung auch eine unterschiedliche Auslastung bedeutet“, sagte der leidenschaftliche Gärtner. Somit seien es nur ein paar wenige Wochen, in denen der Betrieb extrem belastet sei und zusätzliche Arbeitskräfte benötigt würden. Im Moment sei eine ruhigere Phase. Beim imponierenden Rundgang durch die riesigen Gewächshäuser erklärten die Führenden die automatisierten, zum Teil dreigeschossigen Produktionsanlagen. Die jungen Pflanzen werden als Setzlinge aus dem Ausland importiert. Bis zur Auslieferung als verkaufsbereite Pflanzen sorgen computergesteuerte Abläufe für artgerechte Wachstumsbedingungen.

Automatisierte Abläufe

Die Digitalisierung schreite auch in ihrem Betrieb rasant fort, gab Rutishauser bekannt. So werde auf Spitzentechnologie und moderne Infrastruktur gesetzt, ohne die ökologischen Gedanken bei der Nutzung der Energien und Ressourcen zu vergessen. Nach dem Grossbrand vor bald fünf Jahren ging das Unternehmen mutig an den Wiederaufbau der Produktionsanlagen, die sich enorm vergrösserten. Dabei wurden die neuesten technischen Erkenntnisse und Möglichkeiten umgesetzt. Mit der innovativen „ecofarm“ leistet Rutishauser Pionierarbeit. Das Zusammenspiel von Natur, Mechanik und künstlicher Intelligenz ermögliche eine nachhaltige Produktion, glaubt Bruno Rutishauser. Darum funktioniere das ganze System weitgehend automatisiert, was auch den Personalaufwand reduziere. Sogar das Raumklima, die Belichtung und die Bewässerung sowie die Verschiebung der Pflanzen-Container per Shuttle werden vollautomatisch gesteuert und von einem Computer überwacht. Nach diesem einstündigen, sehr beeindruckenden Rundgang gab es beim Apéro auf dem sonnigen Vorplatz viel zu diskutieren.